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Das Kloster St.Maria Magdalena an der Steinen


Steinenberg / Theaterstrasse / Klosterberg

Tram 10, 17, 6 und 16 - Theater
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Ein Kloster für gefallene Mädchen

Vor der damaligen Stadtmauer wurde um 1230 mit dem Segen von Papst Gregor IX. das Steinenkloster am rechten Birsigufer gegründet. Gewidmet der heiligen Maria Magdalena, war die Niederlassung der Reuerinnen Basels erster Frauenkonvent. Die Schwestern des wenige Jahre zuvor gegründeten Ordens wurden auch Büsserinnen, oder ihrer Bekleidung wegen Weissfrauen, genannt.
Ursprünglich suchten bekehrte Dirnen in diesem Orden ihren Weg auf den Pfad christlicher Tugend, doch ab 1251 nahm man keine reumütigen "gefallenen Mädchen" mehr auf. Das Kloster der Reuerinnen lag zwischen dem heutigen Steinenberg und dem Klosterberg. Um 1230 sind belegt "closter und hus .. kilchen und got hus", womit die Existenz einer Klosterkirche bestätigt ist.
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 A - heutiger Steinenberg
B - heutige Theaterstrasse
C - alte Elisabethenkirche
1 - nördliche Umfassungsmauer mit Kirchhof
2 - Klosterkirche mit Chor und Langhaus
3 - Wohnhaus der Sophia Zibol
4 - Innerer Friedhof und Kreuzgang von 1456/60
5 - zweiter Hof mit Wohnstätten der Laienschwestern
6 - Wirtschaftshof des Klosters
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Dass es früh neben der Kirche auch ein Gebäude mit Schlafräumen und eine Mühle auf dem Klosterhof gab, bestätigt die Stiftung des Basler Domherrn Arnold von Blotzheim, die 1275 besagte dass sie wieder hergestellt werden sollten. Der 1284 verstorbene Gönner wurde in der Klosterkirche beigesetzt. Seine Grabplatte zeigte einen Geistlichen der eine Kirche in Händen hielt.
Niedergebrannt durch Rudolf von Habsburg

Als 1253 Rudolf von Habsburg in feindseliger Absicht gegen Basel zog, liess er das Kloster durch seine Kriegsknechte niederbrennen. Die Schäden waren so schwer, dass sich der Orden ausserstande sah, die Liegenschaften aus eigenen Mitteln wiederaufzubauen. Allerdings wandten sich nun vermehrt grösszügige Gönner dem Konvent zu, so auch der bereits erwähnte Domherr.
Offenbar liess in der folgenden Zeit die Ordenszucht zu wünschen übrig. Deshalb habe Bischof Reich von Reichenstein 1291 den Orden der Dominikaner mit der Aufsicht über den Konvent beauftragt. Nach dem Willen von Papst Benedikt XI. wurde 1304 das Kloster förmlich den Dominikanern übergeben. Später sollte dieser Orden immer wieder zur Massregelung von "zuchtlosen" Frauenklöstern herangezogen werden.
Man vertraute man ihnen 1480 etwa auch die Reformierung des Frauenklosters Klingental an, die jedoch am Widerstand der renitenten Nonnen scheiterte. Die Dominikaner waren übrigens auch in der berüchtigten Heiligen Inquisition federführend. Man galt in ihren Augen rasch als "zuchtlos". Sie nannten die Nonnen des Klingentals "Dornenbüsche im Acker des Herrn, die man ausreissen muss...".
Hochwasser und Erdbeben

Die Nonnen des Steinenklosters stammten damals überwiegend aus der Bürgerschaft und dem niederen Adel. Die Dominikaner vermochten es nicht, ihnen dauerhaft alle Regeln aufzuzwingen. Andere Heimsuchungen trafen jedoch das Kloster in Form von Hochwasser des Birsig. 1266 stürzten deswegen die klösterlichen Umfassungsmauern zusammen.
Anno 1339 stieg der Wassespiegel bis zum Hochaltar, und im Jahr darauf suchte neben Hochwasser auch noch der Einschlag eines Blitzes die Reuerinnen in ihren Mauern heim. Danach war ein umfangreicher Neubau notwendig. 1348, kurz vor der grossen Pest, konnten Kirche, Altäre und Friedhof neu geweiht werden. Das Erdbeben 1356 zerstörte jedoch grosse Teile des wieder hergestellten Klosters, und zwar derart, dass die Nonnen geraume Zeit nicht darin wohnen konnten.
Nur der Chor der Kirche überstand die Katastrophe. Im Laufe des Jahrhunderts wurden die abgelegten Gelübde im Konvent schleichend unterwandert, so schenkte man der Armut, den Fastengeboten oder dem Stillschweigen sinkende Beachtung. Man schuf sich auch kleine Annehmlichkeiten bei Kleidung und Unterkunft, bis der Rat Basels 1422 zur Ansicht gelangte, es sei an der Zeit zu handeln.
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 Mit schematischen Rotflächen und Elementen einer alten Fotographie ist hier der Standort der letzten Klosterbauten um 1868 rekonstruiert. Das einstige Langhaus der Kirche stand da wo heute der Tinguely-Brunnen zu sehen ist.
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Erneut die Dominikaner

Hilfesuchend wandte man sich an den Provinzial der Dominikaner. Erneut traten sie auf den Plan, um die gewünschte Ordnung wieder herzustellen. Aus dem Kloster Unterlinden bei Colmar wurden dreizehn Schwestern nach Basel berufen, um das Steinenkloster mit ihrer strenge Lebensweise zu beglücken. Die Nonnen nobler Herkunft zogen am 6.November 1423 im Kloster ein.
Ihre Anzahl sollte Sinnbild für Christus mit den zwölf Jüngern sein. Mit ihrer Klosterreform waren auch bauliche Massnahmen verbunden. Die Mauern wurden erhöht, die Fenster verschlossen und die Mühle auf dem Klosterhof wurde stillgelegt. Die Nonnen des Steinenklosters bekannten bald Reuevoll, dass sie vom Pfad der Tugend abgekommen seien.
Das Aussehen des Klosters

Nach dem erneuten Aufbau von 1356 und mit stetigen Ergänzungen der folgenden 170 Jahre, bot das Steinenkloster jenes Bild welches uns der Merianplan um 1615 vermittelt. Direkt am heutigen Steinenberg verlief die Umfassungsmauer hinter der ein länglicher Kirchhof, unmittelbar nördlich der Kirche, als Begräbnisort diente.
Mit der Längsachse in der selben Linie erhob sich die Klosterkirche, sie belegte etwa das Areal wo heute der Tinguely-Brunnens und ein Teil der Kunsthalle zu finden sind. Das Langhaus stand unten, zur heutigen Theaterstrasse. Dort gab es seitlich des einen Klostereingangs ein Haus, welches von der Witwe Sophia Zibol geborene Rotberg als Gönnerin des Steinenklosters bewohnt wurde.
Sie lebte als Pfründerin ab 1442 beim Kloster und stiftete 1450 Säulen und Bodenbelag für den Kreuzgang. Oben, zur Elisabethenstrasse hin, schloss sich dem Langhaus der Chor an. In ihm stand der Hochaltar, der Maria Magdalena und Johannes dem Evangelisten geweiht war. Südlich der Kirche, Richtung heutiges Schauspielhaus, dehnte sich der Klosterbezirk aus, aufgeteilt in drei Höfe.
An jene Zeiten erinnert heute der Name Klosterberg. Entlang der Südseite der Kirche lag, umfasst durch drei Flügel von Klausurgebäuden, der ebenfalls als Begräbnisplatz für die Nonnen genutzte Klosterhof. Die Hoffassade wurde zwischen 1456 und 1460 gestaltet. Unterteilt durch hohe Strebepfeiler wies dieser Kreuzgang im Erdgeschoss grosse Bogenfenster auf, während im ersten Stock ein zweiter Gang schmale hohe Fenster erhielt.
Südlich dieses Hofgevierts schloss ein weiterer kleinerer Hof an, der an seiner eigenen Südseite durch eine Mauer mit Zinnen begerenzt war. Die Häuser an diesem Hof waren vermutlich die Wohnstätten der Laienschwestern. Dort wo heute der Klosterberg in die Steinentorstrasse mündet, endete mit dem Wirtschaftshof mit einem Stockbrunnen in seiner Mitte, der Klosterbezirk im Süden.
Neuerungen im 15.Jh

Nach dem Einzug der Unterlindenschwestern und der Reformierung durch die Dominikaner, begannen vermehrt Töchter vornehmer Basler Geschlechter ins Steinenkloster einzutreten, was den Kassen stattliche Vermögenssummen brachte. Es folgte nun eine Blütezeit in der sich das Kloster steigenden Ansehens erfreute und sogar selber Reformierungen anderer Klöster durchführte.
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 Der Blick vor der heutigen Elisabethenkirche hinunter auf den Standort der früheren Kirche und des Kreuzganges um den Tinguely-Brunnen herum zeigt deutlich, dass das altehrwürdige Kloster der Reuerinnen spurlos verschwunden ist.
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An der Spitze des Klosters stand eine Priorin, unterstützt von einer Subpriorin. Ihnen waren die geistlichen Belange untertan. Die Oekonomie unterstand der Schaffnerin, während der Weinkeller Sache der Kellnerin war. Den Kontakt zur Aussenwelt pflegte die Raderin. Die Sorge um die Kranken war der sogenannten Siechmeisterin übertragen.
In seinen besten Zeiten der späten Phase beherbergte das Kloster Maria Magdalena an der Steinen 46 Nonnen in seinen Mauern. Unter ihnen findet sich auch die Tochter des prominenten Malers Konrad Witz. Ab 1505 gab es intensive Bautätigkeiten, wobei eine innere Sakristei entstand und die alte äussere überarbeitet wurde. Dann suchte Anno 1520 die Pest den Konvent heim.
Reformation und Auflösung

Innerhalb von acht Wochen starben zwölf Nonnen an der Pest, sechs von ihnen waren keine 21 Jahre alt geworden. Wenige Jahre darauf kam die Reformation. 1525 entzog der Rat von Basel dem Dominikanerorden das Kloster und unterstellte es einem Pfleger. In der Folge zogen dreizehn Nonnen aus, wobei sie ihren Besitz mitnahmen oder eine Entschädigung ausbezahlt erhielten.
Den übrigen Schwestern gewährte man auf Lebenszeit Wohnrecht im Kloster St.Maria Magdalena an der Steinen. Die letzte Nonne wurde 1555 erwähnt. Ab 1530 wurden die Klosterschätze veräussert. Gewänder die keine Käufer fanden wurden den übrigen Nonnen überlassen, damit sie diese verwenden konnten um sich Kleidung daraus zu machen. In den einstigen Klostergebäuden wurde von 1666 bis 1669 das neue Zucht- und Waisenhaus eingerichtet.
Dies war allerdings eher eine Arbeitsanstalt als ein fürsorgliches Heim für die Waisenkinder. Zum Ende des 17.Jh zog das Direktorium der Schaffneien ins ehemalige Kloster ein, wobei ein Teil der Kirche ab 1720 als Salzmagazin genutzt wurde. Ein Gewölbe fand von 1692 bis 1855 als Archiv Verwendung, Messebuden wurden in der Kirche gelagert.
Kloster wird Kaserne

Ausserdem wurden die Soldaten der Stadtgarnison ab 1692 im einstigen Kloster einquartiert, wozu in die Kirche Stockwerke mit Schlafräumen eingebaut wurden. Die später auch "Stänzler" genannte Truppe sollte bis 1856 hier bleiben. Man nannte die Unterkunft auch „Blömleinkasene“, und die Berufssoldaten hausten hier eher schlecht als recht - teilweise mussten sich zwei Mann ein Bett teilen.
Starb ein Soldat, so trugen ihn seine Kameraden mit gesenktem Gewehr beim Klang einer schwarz verhängten Trommel auf den Gottesacker St.Elisabethen, wo sie an seinem Grab die Ehrensalven schossen. Von der Steinen aus zog am 3.August 1833 die Standeskompanie zum Marsch nach Liestal aus, um sich nahe der Hülftenschanze den Landschäftlern zu stellen. Am Abend kehrte mancher Stänzler nicht ins Quartier am Steinenberg zurück.
Die Liegenschaften entlang der heutigen Theaterstrasse nahmen den öffentlichen Marsstall auf, vor dem der Rossmarkt eine Heimat gefunden hatte, und wo ab 1851 der ganze Grossviehmarkt stattfand. Nach der Auflösung der Standestruppe wurden während des Umbaus der Universität 1859/60 in den ehemaligen Kasernenlokalen im Langhaus der Kirche Universitätsräume eingerichtet.
Beseitigung der letzten Mauern

Bis 1859 das Gerichtsgebäude an der Bäumleingasse bezugsbereit war, tagte in den früheren Klosterräumen zeitweise auch das Gericht. Vom Juni 1861 an unterrichtete in den Mauern eine Realschule für ein Jahr, danach zog eine der fünf Mädchengemeindeschulen hier ein. Im Dezember 1868 genehmigte der Rat den Abriss der alten Klosterkirche.
Die im Kloster untergebrachte Schule wurde daher in die ehemaligen Lokale der Kirchen- und Schulgutverwaltung verlegt, bis auch diese alten Klosterbauten 1875 abgebrochen wurden. Neue Gebäude verdrängten im 19. Jahrhundert langsam das altehrwürdige Kloster. 1829/33 wurde das erste Theater bei der Kirche errichtet, 1872 wurde es durch ein neues Stadttheater ersetzt.
Im selben Jahr erbaute man die Kunsthalle und 1873 ein Schulhaus. Um Platz zu schaffen wurden die Fundamente des Klosters gesprengt. Drei Jahre später waren die letzten Gebäude des Klosters verschwunden. Heute erhebt sich am Ort die Theaterpassage und das 1975 eröffnete Stadttheater der Architekten Schwarz und Gutmann. Seinem Bau waren zehn Jahre des Beratens vorausgegangen.



Querverweise:

>> Die Basler Standestruppe
>> Das Frauenkoster St.Clara

Auf dem Areal des einstigen Steinenklosters:

> Website des Theaters Basel

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Literatur:
François Maurer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 4, 1961, Birkhäuser Verlag, Seite 295 bis 309
Hans Bühler, Vom Kloster St.Maria Magdalena an der Steinen bis zum Steinenschulhaus, Beitrag im Basler Stadtbuch 1971, 1970 Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Seiten 54 bis 66
Eugen A. Meier, Basel Einst und Jetzt, 3. Auflage 1995, ISBN 3-85815-266-3, Buchverlag Basler Zeitung, Seiten 144 bis 145
Eugen A. Meier, Das verschwundene Basel, 1968 Pharos Verlag, Seiten 30 bis 33
E.A.Stückelberg, Basler Kirchen, 4.Bändchen, 1922, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Seite 5 bis 20
E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seiten 27 bis 28
Gustav Adolf Wanner, Das Deutschritterhaus in Basel, 1965, Pharos Verlag, Seiten 27 und 28
Rudolf Kaufmann, Basel das alte Stadtbild, 1936, Birkhäuser Verlag, Beitrag 37 und 39
Albert Burckhardt-Finsler, Basels bauliche Entwicklung im 19.Jh, Beitrag im Basler Jahrbuch 1903, Verlag R.Reich, Seiten 236 bis 237
Dorothee Huber,Architekturführer Basel, 2.Auflage 1996, Herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, ISBN 3-905065-22-3, Seiten 340 bis 341
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