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Melchior Berri
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Das Jahr 2004 brachte uns den 150. Todestag eines Architekten der das Basler Stadtbild in der ersten Hälfte des 19.Jh mitprägte. Melchior Berri wurde am 20.Oktober 1801 als Sohn eines Pfarrers geboren und verbrachte seine Kindheit in Basel und in Münchenstein. Er feierte in der Stadt am Rhein glänzende Erfolge als begnadeter Baumeister des Klassizismus, sein Werk überdauerte sein tragisches Ende.


Ausbildung in Karlsruhe

Berris Ausbildung begann 1818 in Karlsruhe wo ihn zunächst der badische Landesbaumeister Wilhelm Frommel als Mentor unter seine Fittiche nahm, während er seinen ersten Unterricht bei Johann Jakob Christoph Arnold erhielt, einem Verwandten des grossen Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner. An dessen Akademie erlernte Berri dann ab Oktober 1819 sein Handwerk, wo ihn Weinbrenner zuweilen vor seinem jugendlichen Hang zur Übertreibung warnte. Berris Ausbildung war für einen angehenden Basler Architekten jener Tage sehr vielschichtig in Theorie und Praxis.

Noch während der Ausbildung in Karlsruhe baute Melchior Berri von 1821 bis 1824 das Stadtcasino in Basel. Man hatte ihm dieses Werk mit gerade einmal zwanzig Lebensjahren anvertraut. Nach seiner Zeit in Karlsruhe sammelte Melchior Berri weitere Erfahrungen in Paris, wo er sich an der Königlichen Akademie der schönen Künste weiterbildete und im Atelier von Jean-Nicolas Huyot arbeitete. Auch besuchte er die Ecole Polytechnique bevor er 1825 nach Basel zurückkam. An der Akademie in lernte er Felix Wilhelm Kubly kennen, der später in seiner St.Galler Heimat Karriere als Baumeister machen sollte und unter anderem das Kantonale Zeughaus erbaute.

Zurück in Basel baute er 1825/26 die Wohnhäuser am St.Alban-Graben 5 und 7. Es folgte eine Reise nach Italien, die damals offenbar zu den Hausaufgaben junger Architekten gehörte. Gemeinsam mit Joseph Berckmüller aus Karlsruhe studierte Berri 1826 die römische Architektur des antiken Pompeji und Paläste der Renaissance in Rom. Mit Erfahrungen und Erkenntnissen wohlgerüstet kehrte er nach Basel zurück, wo er im Jahr 1828 sowohl ein Baugeschäft als auch eine Bau- und Zeichenschule eröffnete. Zu seinem frühen Werken danach gehörte das 1829/31 erbaute Blömleintheater.


kapelle

Die im Jahr 1832 erbaute Abdankungskapelle von Melchior Berri in der heutigen Rosentalanlage. Sie stand einst im ältesten Teil des Gottesackers und ist heute der einzige Bauzeuge des Begräbnisplatzes.

Im selben Jahr baute sich Berri an der Malzgasse 16 ein zweistöckiges Wohnhaus welches 1842 durch einen rückwärtigen Anbau erweitert wurde. Seine Tätigkeit in Basel führte ihn bald als Mitglied in den Grossen Rat und er nahm Einsitz im städtischen Baukollegium. Ferner wurde Berri Oberst der Genietruppe der kantonalen Miliz. Von ihm stammt der Entwurf der Abdankungskapelle des 1833 eröffneten Gottesackers St.Theodor im Rosental. Das Bauwerk wurde von Steinmetz Jakob Christoph Pack ausgeführt.


Ehrungen aus England

In Riehen entstand 1834/35 nach Melchior Berris Plänen das alte Gemeindehaus an der Baselstrasse 43, von dem aber heute nach mehreren Umbauten lediglich die Hauptfassade etwas von der Vision des Architekten erkennen lässt. 1836 wurde er zum Ehrenmitglied der Architectural Society of London ernannt. Im folgenden Jahr schuf Berri den heute noch am Münsterberg stehenden Dreizack-Brunnen, der einst nach dem nahen mittelalterlichen Spital "Spittelsprung-Brunnen" genannt wurde. Der Trog aus Jurakalkstein musste beim Transport nach Basel zersägt werden, da er nicht durchs Waldenburger Tor gepasst habe.

Anerkennung erlangte Melchior Berri auch in der Heimat, wo man ihn 1840 zum Präsidenten des Vereins Schweizer Architekten wählte. In jene Zeit fällt auch der Bau des Hauses "zum Schwarzen Adler" an der St.Alban-Vorstadt 25, welches später im Volke als "Zahnlücke" bekannt war. Für Bürgermeister Felix Sarasin-Burckhardt gestaltete Berri bis 1844 in über drei Jahren das Haus St.Alban-Vorstadt 49 "zum Schöneck" neu. Als Besonderheit sei das Prachtzimmer im neugotischen Stil im ersten Stock erwähnt, wo quasi eine kleine Ruhmeshalle für Personen der Basler Geschichte eingerichtet wurde.


Das Eisenbahntor in der Stadtmauer

In den unruhigen Zeiten der Freischarenzüge wirkte Melchior Berri an der letzten Erweiterung der historischen Stadtbefestigung mit. Damit die neue Eisenbahnlinie aus dem Elsass nach Basel in die Stadt hinein führen konnte, musste die Stadtmauer an einer Stelle dafür umgebaut werden. Im Bereich der heutigen Spitalstrasse/Pestalozzistrasse wurde durch ein neues Mauerstück freies Baugelände für den Bahnhof, der erste auf Schweizerboden, schützend umschlossen.

Berri errichtete dazu auf der Höhe der heutigen Liegenschaften Pestalozzistrasse Nr.18/20 das sogenannte Eisenbahntor. Das Bauwerk war durch Genieoberst Salomon Hegner aus Winterthur projektiert worden, während die Planung Berris Sache war. Er schuf ein rotes Sandsteinportal mit abgestuftem Zinnengiebel und Schiesscharten. Eine Treppe führte am Portal über den Schienenstrang als Verbindung zwischen den anstossenden Mauerpartien. Das Tor verschwand mit der Stadtmauer bis 1880.


berris werke

Links Einer der dekorativen Briefkästen mit der weissen Taube die Melchior Berri 1845 schuf. Rechts Die ehemalige Kapelle des Deutschritterordens an der Rittergasse 29, die 1844/45 durch Berri im spätgotischen Stil umgebaut wurde.

Melchior Berris Hauptwerk in Basel

Als opus magnum hinerliess Melchior Berri der Stadt Basel das Museum an der Augstinergasse Nummer 2. Es wurde als Gebäude für Museum und Universität von 1844 bis 1849 anstelle des alten Klosters der Augustiner errichtet. Das Bauwerk sollte die Fürsorge der Stadt für die Bedürfnisse der Wissenschaft und der Künste spiegeln. Zugleich musste Berri hier einen Bau für gemischte Nutzung schaffen, ohne dafür auf ein derartiges Beispiel als Inspiration zurückgreifen zu können. Eine Herausforderung der er eine praktische Lösung entgegenstellte.

Der Haupttrakt an der Augustinergasse gibt spürbar den Geist der Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel in Berlin wieder. An der Fassade zeigt ein siebenteiliges Relief Allegorien auf Wissenschaft und Kunst. Rechts neben einer Pyramide stehend ist Melchior Berri selbst als personifizierte Architektur abgebildet. Der Bau des Museums war die Krönung von Berris Schaffen. Zur Eröffnung im November 1849 wurde im Stadtcasino, das einst selber vom jungen Architekten erbaut wurde, ein Bankett abgehalten. Dabei überreichte man ihm das Diplom eines Ehrendoktors der Philosophisch-Historischen Fakultät.


Gemütsverfinsterung

Wohl brachte das Bauwerk Melchior Berri Ansehen bis über die Landesgrenzen hinaus, aber weitere Aufträge in dieser Grösse erhielt er keine mehr. Eine hoffnungsvolle Bewerbung als Stadtbaumeister von Bern ging unglücklicherweise verloren. Im Winter 1853/54 entstanden unter seiner Hand die Kunstbauten der badischen Eisenbahnlinie zwischen Leopoldshöhe und Basel. Berri war mittlerweile ein von Schwermut gequälter Mann. Am 12.Mai 1854 hatte er alle Kraft verloren und nahm sich das Leben.

Architekturbüro und Baugeschäft wurden nach Berris Ableben von dessen Witwe Margarethe Salome Burckhardt weitergeführt. Dabei stand ihr Berris Mitarbeiter Carl Heinrich Lendorff aus Karlsruhe als Architekt und Baumeister zur Seite. Das Stadtcasino des jungen Berri wurde 1938 abgerissen und gemäss den Worten Theobald Baerwarts vom kurz zuvor abgebrochenen alten Zeughaus zärtlich in den Altstadthimmel aufgenommen. Die Tage neuen Stadtcasinos an der selben Stelle scheinen nunmehr auch gezählt. Allerdings wird ihm der Altstadthimmel verschlossen bleiben.


Bis heute im Stadtbild präsent

Melchior Berri ist heute noch mit einem eher kleinen Bauwerk in mehrfacher Ausführung in Basel gegenwärtig - dem Berri-Briefkasten für den öffentlichen Briefverkehr. Der Anno 1845 von ihm entworfene Briefkasten mit dem bekannten Baslerdybli ist immer noch zu sehen, etwa am Spalentor oder am von ihm gebauten Wohnhaus St.Alban-Vorstadt 49.

Literatur:

Dorothee Huber,Architekturführer Basel, 2.Auflage 1996, Herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, ISBN 3-905065-22-3, Seite 108 bis 115

Othmar Birkner/Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920: Basel, 1986, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Seite 59 bis 65 und 85

Rolf Brönnimann, Basler Bauten 1860-1910, 1973, Verlag Helbing & Lichtenhahn, ISBN 3-7190-0624-7, Seiten 7 bis 8, 12 bis 14, 30 und 168 bis 169

E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seiten 25 und 57 bis 59

Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, 1986, Verlag Peter Heman Basel, ISBN 3-85722-010-5, Seiten 168 bis 169

Guido Helmig/Christoph Ph.Matt im Jahresbericht 1989 der Archäologischen Bodenforschung BS, Katalog der landseitigen Äusseren Grossbasler Stadtbefestigungen, ISBN 3-905098-10-5, Seite 104 mit vergleichendem Plan Seite 85

Albert Burckhardt-Finsler, Basels bauliche Entwicklung im 19.Jh, Beitrag im Basler Jahrbuch 1901, Verlag R.Reich, Seiten 261 und 274 bis 275

Eugen A. Meier, Basel Einst und Jetzt, 3. Auflage 1995, Buchverlag Basler Zeitung, ISBN 33-85815-266-3, Seiten 38 bis 39, 68 bis 69, 146 bis 149 und 232 bis 233

engel

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