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Der Gottesacker St.Theodor im Rosental
© by altbasel.ch

Rosentalstrasse / Messeplatz/ Rosentalanlage

Tramhaltestellen Messeplatz und Gewerbeschule

Einst weit draussen vor den Mauern gelegen

Die Landhausbesitzer vor dem Riehentor waren wenig begeistert von den neuen Aussichten. Ein Friedhof im ländlichen Blickfeld schmälerte ihnen ihr Idyll erheblich, denn sie hätten ihre Sitze zur Erholung und nicht zum Betrachten von Gräbern gebaut. Das Klagen half nichts, gegen Ende der 1820er Jahre waren die Friedhöfe der Theodorsgemeinde übervoll.

Man beschloss einen zeitgemässen Gottesacker ausserhalb der Stadt anzulegen. Der geeignete Platz dazu fand sich im Rosental vor der Stadtmauer (heute zwischen der Rosental- und Riehenstrasse). Auf zweieinhalb Jucharten Land wurde dort 1831/32 der Theodorgottesacker angelegt, zu welchem Melchior Berri eine Abdankungskappelle entwarf, die von Steinmetz Jakob Christoph Pack errichtet wurde.

kapelle

Die 1832 erbaute Abdankungskapelle von Melchior Berri in der heutigen Rosentalanlage. Sie stand einstmals im ältesten Teil des Gottesackers, unter der Anlage liegen noch heute die frühesten Gräber.
Die Ausgaben für die Kapelle, und auch für weitere Friedhofsgebäude, übernahmen die Gemeinde St.Theodor und die drei Ehrengesellschaften Kleinbasels, welche mit 10'300 Franken den grössten Anteil trugen. Der am 1.Mai 1833 eingeweihte Gottesacker wurde 1865/66 auf nahezu doppelte Grösse nach Südwesten erweitert, da sich 1853 herausgestellt hatte dass die Verwesung der Toten langsam voranschritt.


Erneute Vergrösserung nötig um 1878

Zehn Jahre später wurde die Bestattungsfläche erneut zu klein, so dass 1878 eine weitere Vergrösserung fällig wurde, in deren Rahmen man auch ein Aufseherhaus errichtete. Laut Berechnungen des Sanitätsdepartements hätte der zusätzliche Platz ausreichen müssen, um weitere Bestattungen bis 1885 problemlos zu gewährleisten.

Bereits 1883 stand man erneut vor einem total belegten Gottesacker. In der Folge kürzte man nun dennoch die zwanzigjährige Ruhezeit, obwohl man dreissig Jahre zuvor aus guten Gründen von dieser Massnahme abgesehen hatte (langsame Verwesung). Daraus ergaben sich haarsträubende Zustände auf dem Gottesacker im Rosental.

Endlich legte man, nach fast zwei Jahrzehnten des unmotivierten Abwägens, eine längst bitter nötige neue Begräbnisstätte für Kleinbasel an. Diese konnte im September 1890 als Horburggottesacker ihrer Bestimmung übergeben werden. Dort sollte dann später auch das erste Krematorium Basels (damals noch heftig umstritten) eröffnet werden.

baugrube

In dieser Baugrube der mittlerweile dahingegangenen Firma Meier & Jäggi auf der Höhe der Tramstation Gewerbeschule, fanden Bauarbeiter im Sommer 2001 Skelettreste von einer ehemaligen gemauerten Gruft die an der Nordmauer des Gottesackers lag.
Die Stadt wächst über die Toten hinweg

Der am 31.August 1890 geschlossene Theodorgottesacker musste sich zehn Jahre später erste Eingriffe gefallen lassen, denn 1900/02 errichteten die Architekten Viktor Flück und Theodor Hünerwadel das Rosentalschulhaus (der letztere baute übrigens auch das Leichenhaus auf dem Elisabethengottesacker zu einer Bestattungskapelle um).

Das Schulhaus erhob sich auf dem einst erweiterten Teil des Gottesackers, der im Südwesten an die damals noch den Messeplatz kreuzende Isteinerstrasse grenzte. Daher musste etwa ein Sechstel der ehemaligen Bestattungsfläche, mitsamt zahlreichen Kindergräbern entlang der Umfriedungsmauer, geräumt werden Im Jahre 1909 wurde auch auf dem Horburggottesacker der Platz knapp.

An das Sanitätsdepartement erging deswegen die Anfrage, ob man den geschlossenen Gottesacker St.Theodor im Rosental nicht wieder für Beisetzungen öffnen könne. Eine Wiederöffnung wurde entschieden abgelehnt - nach neuen Bestattungen wäre das Gelände, welches für andere künftige Nutzungen interessant wurde, für die Dauer der Ruhezeit von zwanzig Jahren unantastbar gewesen.

Der Bau der Rosentalstrasse vom neuen Badischen Bahnhof zum heutigen Messeplatz brachte weitere gravierende Eingriffe in das Gottesackerareal mit sich. Das Strassenbett wurde mit zerhauenen Grabsteine der betroffenen Gottesackerfläche aufgefüllt. Bis zum 15.Juni 1914 wurde der Gottesacker vollständig abgeräumt, da er nicht länger in das um ihn herum entstehende Quartier passte.

friedhofsareal

Als rote Fläche ist hier ein Teil des einstigen Friedhofsareals zu sehen. Es erstreckt sich vom Muba-Parkhaus über die im Sommer 2001 noch bestehende Tramschlaufe bis unter das damalige Hotel Admiral und die angrenzenden Wohnhäuser. Die Nordmauer des Gottesackers kreuzte auf der Höhe der Tramhaltestelle im Vordergrund die Rosentalstrasse.
Parkhaus und Messeturm

Als man im Jahr 1975 an der Stelle des Rosentalschulhauses das Parkhaus für die Mustermesse errichtete, kamen bei Aushubarbeiten über dreissig Skelette vom ehemaligen Gottesacker zutage. Das Bruchstück eines Grabsteins der Familie Thurneysen kam im selben Jahr bei Leitungsarbeiten an der Kreuzung Mattenstrasse / Riehenstrasse zum Vorschein.

Die Fundstelle war die Ostecke jenes 1832 eröffneten alten Teils des Gottesackers. Nahe der Stelle an der drei Jahre zuvor das Fragment des Thurneysen-Grabsteines gefunden worden war, stiess man 1978 beim Abtiefen eines grossen Rundschachtes auf die Reste menschlicher Gebeine von Gräbern des längst verschwundenen Friedhofs.

Im Jahr 1992 kamen bei Untersuchungen für den geplanten Einbau einer Heizung in der Kapelle weitere Reste von Bestattungen des ältesten Teils des Gottesackers ans Tageslicht. Im Juli 2001 fanden sich dann bei vorbereitenden Arbeiten zum Bau des Messeturms an der Stelle des Hotels Admiral, Schädel und Langknochen sowie Grabsteinfragmente in der Bettung der Rosentalstrasse.

Eines würde vielleicht die Landhausbesitzer von 1832 trösten; auf der luftigen Dachterrasse des neuen Messeturms könnte der Gottesacker zu Füssen des Hochhauses kaum das Blickfeld stören. Vom einstigen ländlichen Idyll am Ort ist allerdings heute auch wenig geblieben.




Querverweise:

>> Beitrag zum Gottesacker am Hörnli

>> Beitrag zum Gottesacker Kannenfeld

>> Beitrag zum Gottesacker Wolf

>> Beitrag zum Gottesacker Horburg

>> Beitrag zum Gottesacker St.Elisabethen

>> Beitrag zum Gottesacker Spalen

>> Beitrag zum Spitalgottesacker

>> Beitrag zum ersten jüdischen Gottesacker

>> Beitrag zum Johanniterkirchhof

>> Beitrag zu den Begräbnisstätten zu St.Leonhard

>> Beitrag zum Laienfriedhof des Klosters Klingental

>> Beitrag zum Binninger Kirchhof St.Margarethen


Surftipps:

>> Website der Stadtgärtnerei BS, Abteilung Parks und Grünanlagen



Literatur:

Eugen A. Meier, Das verschwundene Basel, 1968, Pharos Verlag, Seiten 223 bis 225

Eugen A. Meier, Basel Einst und Jetzt, 1995, Buchverlag Basler Zeitung, Seiten 308 bis 309

Eugen A. Meier, Vogel Gryff, 1986, Litera Verlags- und Buchhandels-Aktiengesellschaft, Seite 60

Hanns U. Christen, Basel gestern und heute, 1986, Slatkine Verlag Genf, Seiten 62 bis 63

Jahresbericht 1974 der Archäologischen Bodenforschung BS in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Fundchronik, Seite 254

Jahresbericht 1978 der Archäologischen Bodenforschung BS in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Fundchronik, Seite 280

Jahresbericht 1993 der Archäologischen Bodenforschung BS, Fundchronik Nachträge, Seite 16

Hans Eppens, Baukultur in alten Basel, 1974, Verlag Frobenius AG Basel, Seite 207

Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, 1986, Verlag Peter Heman Basel, Seite 173

Gärten in Basel, Katalog, 1980, Öffentliche Basler Denkmalpflege, Seite 44

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