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Die Zunft zu Schmieden
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Das Schmiedehandwerk in Basel existierte lange bevor die Zunft zu Schmieden erste Erwähnung fand. Das erste urkundlich belegbare Auftreten der Schmiedezunft indes fällt ins Jahr 1255. Damals erhielt der Schmied Heinrich vom Chorherrenstift St.Peter ein Haus zu Erbrecht verliehen. Dies bezeugte an jenem 12.August unter anderem auch der Zunftmeister der Schmiede, der ohne vorhandene Zunft wenig zu meistern gehabt hätte.

Es ist keine Zunftordnung aus den Tagen des Schmieds Heinrich erhalten, die frühste stammt aus dem 14.Jh und galt noch für alle Untergruppen des Berufes die in der Zunft vereinigt waren. Darin finden sich bereits besondere Regelungen für die spezialisierten Zweige. Wir wissen von den Huf- und Waffenschmieden, die ihre Trinkstube einst beim Spalenschwibbogen nahe des alten Zeughauses hatten. Die Messerschiede trafen sich ihrerseits im Haus "zum Korb" an der Spiegelgasse.


Die Berufszweige in der Zunft

Die Messerschmiede bildeten bis ins 16.Jh die zahlenmässig grösste Gruppierung. Ihr Einfluss schwand als der Absatz von Basler Messern zurückging, und die Konsumenten dafür ihre Geldbeutel lieber für die raffinierten Beschläge und meisterlichen Eisengitter der rivalisierenden Schlosser öffneten. Auf dem Höhepunkt ihres Wirkens vereinigte die Zunft Büchsenschmiede (Gewehrhersteller), Degenschmiede und Harnischschmiede (Hersteller von Rüstungen) aus dem martialischen Bereich.


zunfthaus

Die rückseitige Partie des ehemaligen Zunfthauses der Zunft zu Schmieden am Rümelinsplatz. Bei Korrektionen des Platzes wurde das Gehniveau verändert, weshalb auch die Haustür entsprechend verlegt wurde und nicht mehr auf der Höhe von einst liegt.

Ebenso gab es in der Zunft Hufschmiede, Kessler, Kupferschmiede, Messerschmiede, Nagelschmiede, Schleifer, Schlosser, Schwertfeger und Windenmacher. Ferner waren hier auch Berufsgattungen zünftig, die zuweilen nicht eben mit dem Handwerk des Schmieds assoziert werden, so etwa Holzschuhmacher, Müller, Schriftgiesser und Uhrenmacher (zur Meisterschaft der Schlosser zählend). Armbrustmacher konnten sich entweder der Zunft zu Safran (Krämer) oder der Schmiedezunft anschliessen.

Sie gehörten zu den Rüstungsschaffenden die man oft Nahe des Zeughauses am Petersplatz fand. Zu den bereits in der Zunft heimischen Schlossern und Uhrmachern kamen im 15.Jh die Büchsen- und Windenmacher hinzu. Alle vier Gattungen wurden 1647 zu den "vier vereinbarten Handwerken" vereinigt. Die Müller waren in der Zunft weil ihre Anliegen als Mitglieder der Teichkorporationen von St.Alban und in Kleinbasel ähnlich wie jene der Kupfer- und Messerschmiede gelagert waren.

Es gab ab dem 17.Jh innerhalb der Zunft mindestens fünf autonom organisierte Meisterschaften. In der Zunft zu Schmieden wurden mit der Zeit nicht nur Berufsleute dieses Standes Mitglieder, auch Bürger ausserhalb des Handwerkes, etwa Kaufleute, ersuchten um Aufnahme um mit Erzeugnissen der Schmiede handeln zu können. Die Ordnung der frühen Tage der Zunft hatte das edle Ziel, den Zunftgenossen in gemeinschaftlichem Geist ihr Handwerk zu erleichtern und die Qualität der Produkte hochzuhalten.


Der Fluch der Dekadenz

Im 16.Jh wurde der alte Sinn für Solidarität unter Handwerkern jedoch allmählich durch eine reine Fixierung auf die wirtschaftlichen Interessen verdrängt. Die Zunft wurde zu einer Zwangsvereinigung die in ihrem Gewerbe gierig nach dem Monopol strebte und keinerlei Konkurrenz dulden mochte. Eine Erscheinung die allerdings mit den Jahren nicht nur diese Zunft dem Niedergang entgegentrieb, sondern allgemein in Zunftstuben den Fluch der Dekadenz verbereitete.

Zur Ausbildung zum Schmied gehörte nach einer dreijährigen Lehre auch eine Wanderzeit in der ein junger Berufsmann in der Fremde Erfahrungen sammeln sollte. So hielten sich auch immer wieder fremde Schmiede auf der Walz in Basel auf. Sie hatten einen grossen Einfluss auf das Entstehen von Gesellenbruderschaften die sich für die Rechte junger Berufsleute gegenüber etablierten Meistern einsetzten. Sie widmeten sich aber hauptsächlich der Pflege des religiösen und geselligen Lebens.

Nach der Reformation nahmen sich die Bruderschaften überwiegend sozialer Aufgaben zugunsten bedürftiger Mitbrüder an. Für die Gesellen war auch der Unterhalt einer eigenen Grabstätte wichtig. Jene von ihnen die fern von Heimat und Verwandten starben hatten als Ortsfremde nur auf diese Weise die Möglichkeit einer gebührenden christlichen Beisetzung. Die Zunft spielte auch im städtischen Wehrwesen eine Rolle. Die Zunftgenossen sammelten sich zum Dienst unter dem Banner der Zunft.

Das Banner hatten die Schmiede im 13.Jh von Bischof Heinrich von Neuenburg zugestanden bekommen. Ein Zunftfähnlein begleitete sie nicht nur in den Kriegsdienst sondern auch zur Wache auf die Stadtmauer. Ihr zu hütender Abschnitt erstreckte sich 1444 vom Turm auf dem Luginsland beim heutigen Bernoullianum bis zum verschwundenen Eglofstor auf der Lyss. Die Zunft war ferner zur Stellung eines Detachements zur Brandwehr von 12 bis 16 Mann mit eigenem Gerät verpflichtet.


schmiedezunft

Der Zunftsaal der Zunft zu Schmieden im ehemaligen Zunfthaus. Der Saal ist mit handwerksbezogenen Malereien von Hans Sandreuter geschmückt.

Wie die Zunft zu ihrem Haus kam

Wie schon erwähnt hatten einige Zweige der Zunft anfangs ihre Trinkstuben an verschiedenen Orten in der Stadt. Nachdem dann Anno 1411 die frommen Beguinenschwestern von Bischof Humbert von Neuenburg aus der Stadt verjagt worden waren, riss er die Liegenschaft in der sie ihren Sitz hatten an sich und verkaufte sie für 350 Gulden an die Zunft. Die Laienvereinigung alleinstehender Frauen hatte Im Jahr 1293 die Liegenschaft bezogen. Bis 1290 war dies der Hof des Ritters Burckard von Viztum dem Älteren.

Burckard von Viztum war bischöflicher Vogt und ab 1280 Bürgermeister von Basel. Die Schmiede gelangten so in den Besitz eines komfortablen Zunfthauses welches damals vorne an den Rindermarkt (an der heutigen Hauptpost) und hinten an den Rümelinbach (heute Rümelinsplatz) grenzte. Die Liegenschaft hatte den Vorteil dass sie für die Zunftgenossen die vorwiegend in der Spalenvorstadt, am Spalenberg, am Münzgässlein und am Rümelinsplatz wohnten leicht erreichbar war.

Gemäss frühen Inventarien war die Einrichtung des Zunfthauses zunächst spartanisch. Immerhin gab es um 1430 eine Rarität - eine Uhr mit Gewichtsräderwerk. Es zeugt von Geschäftssinn, dass die Zunft den Hof während des Konzils
(1.) für einige Jahre an die Stadt zu Markzwecken vermietete. Zur Mitte des 15.Jh begann die Zunft immer mehr Geld in Ihre Heimstatt zu stecken. In einem ersten grossen Umbau erhielt der Zunfttrakt sein heute noch erkennbares Gesicht.


Glanzzeiten des Zunfthauses und sein Niedergang

Im Jahr 1456 wurde beschlossen, dass jeder Neuaufgenommene, egal wie seine Vermögensverhältnisse sein mochten, einen finanziellen Beitrag von einem Gulden an den Unterhalt des Hauses zu bezahlen hatte. Der Vorstand stellte auch die Unsitte ab, dass Hof und Garten zum Bestreichen von Wäsche und zum Aufhängen von Tüchern benutzt wurden. Ausserdem sollte nun Schluss damit sein dass der Hof ständig mit Zubern, Rädern, Karren und ähnlichem Krempel verstellt wurde.

Ein Zunfthaus war weder ein Trockenraum noch eine Sperrgutdeponie. Im Jahr 1650 gewährte die Stadt der Zunft das Recht zum Erstellen eines eigenen Brunnens. Bis heute zeugt davon im Hof der Meergottbrunnen welcher die von der Gerbergasse Kommenden begrüsst. Das Zunfthaus der Schmiede wies weithin bekannte Fassadenmalerien auf, die als besondere Sehenswürdikeit galten und Szenen aus dem Gewerbe und dem Leben des Heiligen Eligius, dem Zunftpatron, zeigten.

Im 16.Jh kamen prachtvolle Scheiben hinzu, welche die grosse Stube zierten. Sie entstanden zur gleichen Zeit wie die Glasmalerien der Feuerschützen im Schützenhaus und stammten auch aus dem selben Meisterkreis. 1831 wurde im Zunfthaus für Lehrlinge wie Gesellen ein Sonntagssaal eingerichtet wo sie sich im Brief- und Schönschreiben üben konnten. Fünfzehn Jahre später sonderte man die Gesellen ab, sie mussten fortan ihre Worte in den Räumlichkeiten der Safranzunft zu Papier bringen.


glasmalereien

Glasmalereien im Zunftsaal der Schmiedezunft. Obwohl die Zunft ihr Haus 1887 verkaufte, geniesst sie heute noch das Gastrecht in den alten Mauern.

Bis 1846 diente der Hof als Lager des nahen Kaufhauses. 1848 bis 1861 nutzte die Post den Platz als Wagenremise. Nachdem hier eine Weile die Gewerbehalle eine Filiale hatte kam um 1874 der Gedanke auf die Liegenschaft zu verkaufen um darin ein Feuerwehrmagazin einzurichten. Der Plan scheiterte und auch sonst wollte niemand den vergammelten Gebäudekomplex kaufen. Man war ganz froh als die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Interesse an der Liegenschaft bekundete.


Abriss des Schmiedehofs?

Die Gesellschaft hatte zuvor schon jeweils den Zunftsaal für Sitzungen gemietet und erwarb nun 1887 schliesslich den Gebäudekomplex der Zunft für 130'000 Franken, um ihn für dieselbe Summe renovieren zu lassen. Seither hat sie hier ihren Sitz, was das Standbild des Ratsschreibers Isaak Iselin im Schmiedenhof seit den 1890er Jahren lächelnd bezeugt. Einige Umbauten, speziell in den Partien zum Rümelinsplatz hin, folgten in den späteren Jahrzehnten.

Anno 1970 nahm die GGG den Umbau der alten Liegenschaft der Schmiedezunft an die Hand, wobei man den Abriss dieses ältesten der noch existierenden Basler Zunfthäuser in Betracht zog. Da war die Rede von einem Bau der antiquiert sei und so gar nicht für künftige Zwecke brauchbar wäre. Dem durch die Räumlichkeiten Wandelnden tat sich da offenbar ein "Labyrinth von Treppen, Stufen und winzigen Höflein ohne klare Disposition" auf. In dem Gemäuer wabbere "ein Geruch musealer Armseligkeit".

Um nicht im Historisch-antiquierten steckenzubleiben solle man nicht die Vergangenheit als Hypothek übernehmen. Die Mehrheit der Mitglieder der GGG war aber nicht von der Notwendigkeit eines Abrisses zu überzeugen. Nach emotionaler Debatte blieb es bei einem Umbau welcher für die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige neuen Raum in alten Mauern schuf, wo auch der Zunftsaal der Schmiede mit Wandmalereien von Hans Sandreuter und ihr Vorgesetztenzimmer noch eine Heimat haben.




Surftip zur Zunft:

> Website der Zunft zu Schmieden




Literatur:

Bericht des Vorstandes an die Mitglieder der GGG, Neubau Schmiedenhof,1970, Seiten 5 bis 9

E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seiten 96 bis 98

Robert Schiess, Die Zunft-und Gesellschaftshäuser der Stadt Basel, 2001, Schwabe & Co AG, ISBN 3-7965-1889-3, Seiten 52 bis 53

Gustav Adolf Wanner, Zunftkraft und Zunftstolz, 1976, Birkhäuser Verlag, ISBN 3-7643-0856-7, Seiten 99 bis 106

Eugen A. Meier, Basel Einst und Jetzt, 3. Auflage 1995, Buchverlag Basler Zeitung, Seiten 198 bis 199

Paul Koelner, Basler Zunftherrlichkeit, 1942, Birkhäuser Verlag, Seiten 61 und 145 bis 150

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