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Das Lessertürlein / Oberes Rheintor
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Riehentorstrasse / Oberer Rheinweg lageplan

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Dort wo die Riehentorstasse auf den Oberen Rheinweg trifft, gab es bis ins 19. Jahrhundert ein kleines Tor in der rheinseitigen Kleinbasler Stadtmauer. Um es vom Grossbasler Rheintor an der Schifflände zu unterscheiden, nannte man es auch "oberes Rheintor". Der frühere Name lautete allerdings "Lessers Tor" bzw. "Lessertürlein", was mit einem Hausbesitzer zusammenhing.

Für das Jahr 1306 ist ein Johannes Lesser als Eigentümer eines Stein- und eines Holzhauses belegt. Als Besitzer dieser anstossenden Liegenschaften prägte er den mittelalterlichen Namen des Tores zum Rheinufer. Der Kleinbasler Uferbereich vom Lessertürlein bis hinauf zur Kartause war einst ein wichtiger Strandstreifen zur Anlanden von Flössen, die hier ihre Waren ausluden.

das lessertuerlein auf einem stich um 1615

Das Lessertürlein in Kleinbasel 1615. Man erkennt die Flossanlegestelle am Rheinufer, wo gerade Ware abgeladen wird. (links im Bild steht der heute noch existierende Pulverturm. | Stich von Matthäus Merian

Der Flosslandeplatz war über das Lessertürlein durch die Riehentorstrasse mit dem Riehentor verbunden. Durch dieses führte die Fernstrasse nach Riehen und ins Badische. Der Ort war verkehrstechnisch günstig gelegen um Waren nach Basel zu bringen. Aus diesem Grund befand sich in den oberen Stockwerken des kleinen Tors am Rheinufer auch die Wohnung des Rheinzollers.

Der Zoller war verantwortlich für die Kontrolle und Verzollung der angelandeten Waren. Das Rheinzollerstüblein lag als Dienstlokal vor dem Tor am Ufer. Es verschwand 1843 wie der Torvorbau beim Bau der Liegenschaft Oberer Rheinweg 93. Der Turm des Lesserstürleins hatte ein stadtseitig abfallendes Pultdach und einem Zinnenkranz, ähnlich dem des benachbarten Pulverturms.

Bis ins 19. Jahrhundert war der Bereich des Oberen Rheinwegs ein Strandstreifen über den die Abwässer der anliegenden Häuser abflossen. 1823/24 legte man dort überdeckte Abwasserkanäle an. Dabei entstand dabei auch ein befestigter Weg, der entlang der damals noch bestehenden Stadtmauer am Rheinufer führte. So gestaltete sich das Rheinufer in der Endzeit des Tors.

Damals lag das Gehniveau am Obere Rheinweg und am Ende der Riehentorstrasse rund einen Meter tiefer als heute. 1858/59 wurde das Rheinufer erneut umgestaltet und das Niveau des Uferweges mit Aufschüttungen angehoben. Weil dadurch der Torbogen des Lessertürleins niedriger wurde und ein Umbau wohl zuviel Aufwand mit sich gebracht hätte, wurde das kleine Tor 1858 abgerissen.

Das praktisch vergessene Törlein zum Rhein trat 1985 bei Grabungen zu Wasser- und Gasleitungen ans Tageslicht. An der Einmündung der Riehentorstrasse in den Oberen Rheinweg stiess man auf das ein Meter starke Fundament und Mauerreste des Lessertürleins. Dank dieses Fundes konnten Archäologen den exakten Standort des verschwundenen kleinen Wehrbaus dokumentieren.


Zusammenfassung

Im Mittelalter stand ein kleines Tor am rheinseitigen Ende der Riehentorstrasse. Es wurde nach einem Liegenschaftsbesitzer "Lessertürlein" genannt; war aber auch als "oberes Rheintor" bekannt. In ihm wohnte der Rheinzoller der die Landungsstelle für Flösse vor dem Tor überwachte. Bei der Entstehung des heutigen Oberen Rheinwegs wurde das Tor im Jahr 1858 abgerissen.


Beitrag erstellt 02.06.18

Quellen:

Rolf d'Aujourd'hui / Christian Bing, Beitrag "Fundbericht Riehentorstrasse 1-7", im "Jahresbericht 1985 der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt", in Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Band 86 Nummer 2, herausgegeben von der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Basel, 1986, Seiten 176 bis 179

Emil Blum / Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seite 126

Thomas Lutz, Beiträge "Oberer Rheinweg" und "Riehentorstrasse", in Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 6, (Altstadt Kleinbasel), herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 2004, ISBN 3-906131-78-5, Seiten 134 bis 135 (Oberer Rheinweg) und 173 bis 175 (Riehentorstrasse)

Christian Adolf Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, Teil 2, 134. Neujahrsblatt der GGG, herausgegeben von der Gesellschaft zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, Kommissionsverlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1956, Seite 63

André Salvisberg, Die Basler Strassennamen, Christoph Merian Verlag, Basel, 1999, ISBN 3-85616-104-X, Seite 306 und 308 (Oberer Rheinweg)

engel

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