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Das Stachelschützenhaus am Petersplatz


Petersplatz 10 

Tram 3 - Spalentor / Bus 38 - Spalentor
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Die Armbrustschützen der Stadt

Entgegen der landläufigen Meinung, handelte es sich bei den Stachelschützen nie um eine Untersektion der Feuerschützen die ausschliesslich Igel in ihren Reihen duldete. Der Name scheint seinen Ursprung vielmehr in der Tatsache zu haben, dass bei den fortgeschrittenen Modellen der Armbrust der spannende Bogen nicht aus Holz sondern aus Stahl war. Aus dem Wort "Stahl" leite sich nach spätmittelalterlicher Lesart das Wort "Stachel" ab. Nachdem das Schiessen mit der Armbrust im 14.Jh hauptsächlich Sache von Söldnern im Dienste des Stadt war, wurde diese Kunst im folgenden Jahrhundert von immer mehr wehrpflichtigen Mannen geübt.
Der Rat Basels förderte die Schiessausbildung an der Armbrust, denn das Gerät hatte viele Vorteile. Während man etwa den Bogen vor dem Schuss mit grosser Kraft und Beherrschung spannen musste, konnte auch ein mässig begabter Mann die gespannte Armbrust ohne Kraftanstrengung stets schussbereit auf ein Ziel richten um den richtigen Moment abzuwarten. Wahrscheinlich weil diese Waffe sogar einem Rübenbauern die Möglichkeit gab, einen edlen schwertschwingenden Ritter auf sichere Distanz mit einem Blattschuss niederzustrecken, wurde sie Anfangs sogar als Teufelsgerät mit einem päpstlichen Bann belegt. Die Legende vom Tell und das Schicksal Gesslers künden von solchen Geschenissen.
Ein Schützenhaus am Peterplatz

Bereits im 14.Jh ist erstmals die Rede von einem Häuslein der Armbrustschützen am Petersplatz. Möglicherweise handelte es sich dabei um einen fahrbaren überdachten Stand, denn von einem solchen wurde noch 1420 in den Wochenausgabebüchern des Rates geschrieben. Auch in der Jahresrechnung 1441/42 wird ein Schützenhaus erwähnt, welches möglicherweise das erste feste Gebäude der Schützen vor Ort sein könnte. Der erste überlieferte Schiessplatz der Armbrustschützen befand sich am Petersplatz mit der Schussbahn entlang der im 14.Jh errichteten äusseren Stadtmauer. Die Scheiben standen etwa dort wo heute die Bernoullistrasse auf den Petersplatz trifft.
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 Das Stachelschützenhaus um 1615 auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum. Man erkennt den Urbau noch ohne wesentliche Erweiterung an der Stadtmauer. Direkt nebenan steht der sogenannte Schützenmättleinturm den man auch Stachelschützenturm nannte. Er wurde 1874/75 mit der ihn umgebenden Mauer abgerissen.
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Der prachtvolle Neubau

Für 1517 ist belegt, dass der berühmte Kardinal Schiner bei den Armbrustschützen eingekehrt sei, was belegt dass man damals bereits ein Schützenhaus hatte, in dem ein solch prominenter Gast bewirtet werden konnte. Die Fundamente dieses frühen Hauses wurden 1988/89 genau 17,5 Meter weiter nördlich des Nachfolgebaus von 1519 gefunden. Im letzgenannten Jahr wurde dann ein neues Schützenhaus errichtet, wobei neben dem Grundriss auch auf Bauteile des alten Hauses zurückgeriffen wurde. Über dem offenen Schiessstand ruhte das geschlossene Obergeschoss dessen Hintergiebel direkt an die Stadtmauer anstiess. Im ersten Stock hielten die Schützen ihre gesellschaftlichen Anlässe ab. Heute bildet diese Urzelle die Mittelpartie des Stachelschützenhauses.
Kaum errichtet wurde das Haus zum Schauplatz der Stadtgeschichte. Als der Rat 1521 mit einer Verfassungsänderung das Bischöfliche Mitspracherecht zur Wahl der Behörden der Stadt aufhob, wurde zugleich festgelegt dass neu gewählte Ratsherren nun im Schützenhaus auf dem Petersplatz ihren Eid ablegen sollten. Anders als Rathaus oder Münsterplatz lag das Haus der Armbrustschützen nämlich nicht innerhalb der inneren Stadtmauer, wo teilweise nach wie vor alte bischöfliche Rechte Geltung hatten. Im Schützenhaus sprachen bekränzten Hauptes abgehende und angehende Bürgermeister und Oberzunftmeister aus dem Fenster hinaus zum versammelten Volk. Im offenen Schiessstand fanden dann die feierlichen Vereidigungen statt.
Der Kern des heutigen Stachelschützenhauses wurde unter dem ersten Schützenmeister der Gesellschaft, Fridolin Ryff, Anno 1546 renoviert. Lange ging man davon aus, dass in diesem Jahr ein Neubau stattfand, der aber in Wirklichkeit bereits 1519/20 geschehen war. Eigenheiten am Mauerwerk und Fälldaten des verwendeten Holzes sprachen deutlich dafür, dass das Haus schon vor 1546 stand, was auch durch eine Darstellung von 1542 untermauert wird. Der militärische Wert des Armbrustschiessens war in den Tagen des Neubaus bereits heftig abgesunken. Die Feuerschützen hatten nun das Sagen, ihnen gehörte die Zukunft. Als eine Art der militärischen Folklore mit einer gehörigen Portion Geselligkeit wurde aber weiterhin das Armbrustschiessen am Petersplatz praktiziert.
Schiessen um neuen Hosen

Das Armbrustschiessen wurde nach strengen Vorgaben der Schützenordnung von 1466 abgehalten. Man schoss auf einem Hocker sitzend ohne aufzulegen. Als Preis winkte den besten Schützen ab 1430 ein paar neue Hosen. Dies mag seinen Ursprung darin haben, dass man sich bei Spannen der Armbrust, die dazu auf den Boden gestellt wurde, oftmals die Beinkleider ruinierte. Ein Siegerpreis der die bei der Sportausübung erlittene Verluste wettzumachte - man stelle sich die Spieler des FC Basel vor, die nach dem Cupsieg lediglich neue Kickschuhe als Lohn erhielten. Mit der Zeit fiel auf die Siegerhosen ein Schein des Ehrenvollen und Kostbaren, was schliesslich in den bizarren Brauch mündete, die Beinkleider nicht nur an Schützen zu vergeben sondern sie auch hochrangigen Personen zu verleihen.
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 Der Hauptbau von 1519/20 des Stachelschützenhauses. Man erkennt die Pfeiler des Erdgeschosses, welches früher offen war. Grün eingefärbt steht hinten der Quertrakt von 1922/23. Er ist mit dem Hauptbau durch den Nordflügel von 1707 verbunden.
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Glanz und Abstieg des Armbrustschiessens

Mit dem neuen Schützenhaus wurde aus der militärischen Vereinigung der Armbrustschützen die eher zivile Gesellschaft der Stachelschützen. Erst in jenen Tagen kam dieser Name überhaupt auf, denn Spannbogen der Armbust wurde nun nicht mehr aus Holz sondern aus Stahl hergestellt, wo das Wort "Stachel" seinen Ursprung hatte. Die folgenden Jahrzehnte des Glanzes führten das Stachelschützenwesen mit viel Pomp in einen Niedergang welcher mit dem einstigen Wehrsport nichts mehr gemein hatte. Im Schützenhaus zogen immer mehr Vertreter der Oberschicht Basels ein, um sich bei gesellschaftlichen Anlässen oder zu Banketten zu treffen. Gleichzeitig wurde es gestattet dass man einen Vertreter zum Schiessen schicken durfte. So konnte man Kranzschütze werden ohne je einen Bolzen auf eine Scheibe abgeschossen zu haben.
Das Stachelschützenhaus erfuhr einen ersten Ausbau, als die Vorgesetzten der Gesellschaft sich 1658 mit dem Gesuch an den Rat wandten, ein kleines Gemach im Fachwerkstil auf einer Säule stehend zu errichten. Dies weil die Schützen einen verschliessbaren Raum benötigten um darin ihre Gerätschaften zu verwahren. Der kleine Anbau wurde Anno 1707 zu einem Nordflügel ausgebaut, der auf einer seiner Säulen noch heute das Jahr seiner Errichtung verkündet. Dieser Flügel entsprach dem Bau von 1519/20 und ruhte unten offen auf Säulen derweil das Obergeschoss geschlossen war.
Das physikalische Kabinett der Universität

Im Jahr 1729 wurde auf der anderen Seite ein Südflügel angebaut - das physikalische Kabinett der Universität. Hier wurde durch Professor Benedikt Stählin Experimentalunterricht erteilt. Der Lehrstuhl für Physik war vermehrt von Medizinern besetzt, so auch 1782 durch J.J.Thurneisen den Jüngeren. Leider zeigte letzterer wenig Neigung, das Kabinett zu nutzen, so dass die Räumlichkeiten verlotterten. Dies bewog 1790 die Stachelschützen zum kecken Versuch, sich den Südflügel, der von Beginn an ein autonomes Lokal war, unter den Nagel zu reissen. Man behauptete einfach, dass einst die bitter benötigten Räume der Gesellschaft entzogen worden wären, und dass man sie nun wiederhaben wolle. Der Plan scheiterte vorerst.
Es war der Stubenknecht Geymüller der Stachelschützen, der sich mit rabiaten Drohungen schliesslich der Lokalitäten der Universtität im Stachelschützenhaus bemächtigte. Auch das Kabinett war auf Säulen errichtet worden, wobei in diesem Saal im Erdgeschoss mittlerweile Wände eingezogen worden waren in denen der Knecht hauste. Nun begehrte Geymüller auch die Räume im Obergeschoss und drohte ultimativ, den Krempel der Universität mit einigen Freunden aus dem längst ungenutzten Lokal rauszuwerfen. Die Universität gab nach und so waren die Stachelschützen Herr im ganzen Hause, doch die Freude am neuen Nutzraum war während der Helvetik 1798 bis 1803 durch Einquartierungen fremder Truppen getrübt.
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 Grün eingefärbt sieht man hier als Südflügel das 1729 angebaute physikalische Kabinett der Universität. Es ruhte einst wie das Schützenhaus unten offen auf Säulen. Daneben, rot getönt, der einfache Neubau von 1916/17.
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Letzte Blütezeit

Mit der Mediationsverfassung ging 1803 das Haus an die Basler Bürgerschaft, wobei den Stachelschützen das Nutzniessungsrecht blieb. In den zehn Jahren der Mediation bis 1813 erfuhr das Armbrustschiessen am Petersplatz nochmals eine letzte Blütezeit. In den Jahren 1806 und 1812 wurden hier führende Häupter der Eidgenossenschaft zum Freischiessen mit üppigem Bankett begrüsst. Danach ging es allerdings konstant bergab, bis schliesslich ab 1830 keine Schiessübungen mehr stattfanden und die Gesellschaft der Stachelschützen auch keine Mitglieder mehr aufnahm.
Das Ende der Stachelschützen

Um 1852 bestand die Gesellschaft nur noch aus den fünf Vorgesetzten. Nach weiteren vier Jahren beschlossen die greisen Herren unter dem achzigjährigen Oberschützenmeister La Roche die Gesellschaft feierlich aufzulösen. Das Bargeld aus der Kasse ging ans Bürgerliche Waisenhaus, die Gesellschaft der Feuerschützen erhielt als Verwandte im Schiesswesen das Silbergeschirr vermacht. In den Räumen des Obergeschosses hatten seit 1840 Schreiner und Tapezierer gemeitete Lagerräume für Möbel. Ferner betrieb die Witwe Weissenberger-Sixt im Stachelschützenhaus bis zu ihrem Ableben 1859 eine Wirtschaft. Eine Kleinkinderschule hatte im ersten Stock ein Zimmer und im Keller unterhielt für 30 Rappen Miete pro Woche ein Lumpensammler seine Rumpelkammer.
In den 1860er Jahren wurde in Teilen des Erdgeschosses eine offene Turnhalle eingerichtet während die Wiese neben dem Haus, einst Schiessbahn der Armbrustschützen, zum Turnplatz für Schüler und Studenten wurde. Nachdem das Erdgeschoss zugemauert worden war, fanden hier 1870 vier Klassen der Oberen Töchterschule neue Schulräume. 1875 verwendete man einen Teil des Hauses als Festhütte beim Eidgenössischen Sängerfest und 1884 verliessen die Mädchenklassen das Stachelschützenhaus, da sie nun ein richtiges Schulhaus an der Kanonengasse hatten. Für einige Jahre wurde dann noch in den leeren Zimmern Handarbeitsunterricht gegeben, dann hielt 1893 der Kantonschemiker Einzug in die neuen Laboratorien im Erdgeschoss. 1894 nahm im Obergeschoss die Hygienische Anstalt ihre Arbeit auf.
Sitz der Hygienischen Anstalt

Im Verlaufe des 19.Jh wurde an den Südflügel, dem einstigen physikalischen Kabinett, ein schlichter Anbau errichtet. Er wurde 1916/17 durch einen eingeschossigen Neubau ersetzt, der noch heute zu sehen ist. 1922/23 folgte eine zusätzliche Erweiterung durch einen Quertrakt der im rechten Winkel an den Nordflügel von 1707 anschloss und einen Operationssaal sowie Räume zur Haltung kleiner Tiere beherbergte. Der Haupteingang erhielt 1930 eine neue Steintreppe mit Metallgeländer welche die Freitreppe von 1728/29 ersetzte. 1965 wurde aus der Hygienischen Anstalt das Institut für Mikrobiologie und Hygiene, welches nun im Stachelschützenhaus dem seit Jahren herrschenden Raummangel ein Ende bereiten wollte.
Im Jahr 1966 wurde auf dem einstigen Stadtgraben hinter dem Stachelschützenhaus ein moderner eingeschossiger Flachdachbau errichtet, wo weitere Laboratorien eingerichtet wurden. Im Jahr 1978 wurde die Fassade des Stachelschützenhauses renoviert wobei man die Details des historischen Fachwerkbaus besonders hervorhob. 1989 wurde das einstige Haus der Stachelschützen einer vollständigen Sanierung unterzogen, womit die Lokalitäten den Bedürfnissen eines zeitgemässen Institutes für Mikrobiologie angepasst wurden. Heute ist das ehemalige Haus der Armbrustschützen der einzige Zeuge altbaslerischer Wehrhaftigkeit am Petersplatz, denn das alte Zeughaus ist längst verschwunden.



Querverweise:

>> Beitrag zum alten Zeughaus am Petersplatz

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Literatur:
Guido Helmig und Hans Ritzmann "Phasen der Entwicklung des Abschnittes der Äusseren Stadtbefestigung zwischen Spalenvorstadt und Rhein", Jahresbericht 1989 der Archäologischen Bodenforschung BS, Seiten 162 bis 175
Lion Bernoulli, "Geschichte des Stachelschützenhauses in Basel", Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde Jahrgang 1980, Seiten 172 bis 207
Hans Eppens, Baukultur in alten Basel, 1974, Verlag Frobenius AG Basel, Seite 133
E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seite 19
Annie Hagenbach, Basel im Bilde seiner Maler, 1939, Verlag B.Wepf & Co Basel, Seiten 26 und 27 Beitrag 40
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