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Das Schöne Haus


Nadelberg 6 

Tram- Bushaltestellen Fischmarkt/Schifflände, Universität (Tram 3, Bus 34)
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Anfänge im 13.Jahrhundert

Die Liegenschaft Schönes Haus bestand im späten Mittelalter aus drei Häusern, nämlich Nadelberg 6 mit Hinterhaus und dem heutigen Schönen Hof Nadelberg 8, der aber nicht unser Thema ist. Im Hof, zwischen Nadelberg und Petersgraben erhebt sich das erwähnte Hinterhaus, der Kern des Komplexes aus dem Mittelalter. Dieses Gebäude ist das eigentliche Schöne Haus welches im 13.Jh an der damaligen Stadtmauer entstand, die am heutigen Petersgraben entlang verlief.
Das Schöne Haus findet 1375 erste Erwähnung, aber das ursprüngliche Gebäude ist sicher älter und wurde in der zweiten Hälfte des 13.Jh erbaut, das Dachwerk stammt nachweislich von 1270. Damit ist übrigens das Schöne Haus auch eines der Basler Häuser welches das Erdbeben von 1356 weitgehend unbeschadet überstanden haben dürfte, denn ansonsten wäre gewiss eine neues Dach mit Dachstuhl fällig gewesen. Der erste bekannte Besitzer ist Konrad Ludwig.
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 Die Liegenschaft Schönes Haus auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum nach den Merianplänen des 17.Jh. 1 - heute Nadelberg 8 (Schöner Hof) 2 - heute Nadelberg 6 (Schönes Haus) 3 - Urgebäude aus dem 13.Jh.
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Aufstieg und Reichtum des Konrad Ludwig

Geboren wurde Konrad um die Mitte des 13.Jh als Sohn eines reichen Krämers. Als Eigentümer des Schönen Hauses nannte er sich gleichermassen umständlich wie selbstbewusst "Conradus Ludewici dictus zem Schoenen huse", damit auch der letzte wusste dass er es mit dem Besitzer der prestigeträchtigen Immobilie am Nadelberg zu tun hatte. Auch verstand er es seinen Aufstieg voranzutreiben, so trat er als Basler Ratsherr in die Fusstapfen seines Vaters.
Ab 1302 wird Konrad als Brotmeister des Bischofs von Basel genannt. Seine Hochzeit mit Helena von Keinberg veredelte seine Visitenkarte zusätzlich und die Übernahme des Lehens von Burg Hertenstein tat ein weiteres dazu. Zu dem allem gesellt sich noch der Ritterschlag, der nach sich zog dass unser Krämersohn sich einen weiteren Titel zulegte, nämlich den des "Ritter Chunrat von Hertenberg" Dieser Mann war angesehen, betucht und wohnte vornehm am Nadelberg.
Eine Vorstellung vom Reichtum dieses Mannes vermag die Tatsache zu vermitteln, dass er 1283 zusammen mit zwei anderen Basler Bürgern als Kreditgeber des Bischofs auftauchte, es ging um den seinerzeit gewaltigen Betrag von 600 Pfund. Konrad erhielt als Pfand das Dorf Riehen, welches noch 1295 als Vogtei in seinem Besitz war. Aus den glanzvollen Tagen des 13.Jh stammen die vielfältigen Malereien auf den Deckenbalken im Saal des Erdgeschosses.
Mittelalterliche Malereien

Das ursprüngliche Schöne Haus zeichnet sich durch die beiden Säle im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss aus. Die aus Fabelwesen, Monstren und Tierkreiszeichen bestehenden Darstellungen im Saal des Erdgeschosses sind die einzige noch am ursprünglichen Ort erhaltene Profanmalerei dieser Art Europas. Aber auch der Saal im ersten Stock weist eine Spezialität auf - einen Wappenbalken. Gefällt zwischen 1190 und 1240, war er über 8 Meter lang.
Wahrscheinlich befand er sich zu Beginn im Saal des Erdgeschosses. Später wurde der Wappenbalken in kleinere Stücke gesägt und an verschiedenen Partien des Hauses verbaut. Bei der Renovation 1966/70 wurde er wiederentdeckt und im oberen Saal zusammengefügt. Der Balken zeigt auf seiner einen Seite Wappen der Edelfreien vom Oberrhein und auf der anderen Seite jene des Adels aus Stadt und Bistum Basel. Es ist wohl der älteste Wappenzyklus der Schweiz.
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 Blick vom Nadelberg aus auf die Fassadenflucht der Liegenschaft. Links mit grünen Fensterläden der Schöne Hof (Nadelberg 8), in der Mitte mit grauen Läden der auf das 15.Jh zurückgehende Vorderbau des Schönen Hauses.
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Das Schöne Haus blieb bis ins 14.Jh Besitz des ritterlichen Geschlechts derer Von Hertenberg. 1378 ging es in die Hand des Dietrich Sürlin über. Sein Geschlecht zählte zu den Basler Achtburgern und nannte sich einst Münzmeister, denn die Vorfahren kamen als bischöfliche Beamte zu diesem bezeichnenden Gentilnamen. Das Geschlecht zerfiel Mitte des 14.Jh dann in zwei Linien, die Eriman und die Sürlin, denen nun das Schöne Haus gehörte.
Im Besitz der adeligen Sürlin

Die beiden heutigen Häuser am Nadelberg entstanden nach dem Urbau mit seinen beiden Sälen. Das Haus Nadelberg 6 wurde um 1409/10 erheblich ausgebaut. Das alte freistehende Gebäude im Hinterhof geriet ins Hintertreffen, denn nach dem Geschmack der Zeit wünschte man direkt am Nadelberg zu leben, mit der Gasse vor der Türschwelle. Diese Veränderung fiel in die Zeit der Sürlin, von denen sich bald mehrere Familienzweige die Liegenschaft teilten.
Diese Nutzung durch verschiedene Familien des Geschlechts führt dazu dass ab 1426 die Liegenschaft immer wieder geteilt und temporär auch wieder vereinigt wurde. Es tauchen Bezeichnungen auf wie "hinteres" und "vorderes Schönes Haus", oder auch "kleines" und "grosses Schönes Haus". Es kam vor dass sich die verschiedenen Sürlin-Familien ordentlich in die Haare gerieten, so geschehen zum Beispiel 1438 wegen einer Badstube in der Liegenschaft.
Damit wäre auch das interessante Thema des Bades angeschnitten. Interessant daher weil das Schöne Haus während Jahrhunderten die einzige Basler Privatliegenschaft mit eigenem Bad war. Während der Hausherrschaft der Sürlin weilten hochkarätige Gäste im Schönen Haus, so 1454 Herzog Phillipp der Gute von Burgund. Als Kaiser Friedrich III. 1473 Basel besuchte stieg Herzog Albrecht am Nadelberg ab, und 1479 war der Prinz von Oranien zu Gast.
Domizil des Johannes Oporin

Das Geschlecht der Sürlin befand sich auf absteigendem Ast als Katharina Sürlin das schöne Haus aus Familienbesitz veräusserte. Die mit Thomas von Leymen verheiratete Katharina verkaufte die Liegenschaft 1519 an einen gewissen Junker Hiltprand. Bis 1545 gehörte den Sürlin wenigstens noch das Haus Nadelberg 8, der heutige Schöne Hof. Das Schöne Haus kam schliesslich in bürgerliche Hände und wurde zum Domizil für einige Buchdrucker.
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 Das Familienwappen der Karger mit dem Jahr des Umbaus 1686 am Portal des Treppenturms des Vorderbaus Nadelberg 6. Das Haus gehörte während des Umbaus dem Kaufmann Andreas Karger.
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Unter diesen Druckern im Schönen Haus sei der frühere Schulmeister Johannes Oporin erwähnt. Dieser war zuerst mit einer gemeinsamen Druckerei mit Thomas Platter und dem Setzer Balthasar Ruch aus der Druckerei Frobens gescheitert. Man zerstritt sich und lief auseinander. Oporin versuchte sein Glück alleine. Ärger mit der Obrigkeit bekam er im Vorfeld seiner 1543 erschienenen lateinischen Ausgabe des Korans. Sogar Luther musste für das Projekt sprechen.
Über zwanzig Jahre danach erwarb sich Oporin historische Verdienste als Herausgeber des Werkes "De praestigiis daemonum" von Johannes Weyer. Der aufgeklärte Gegner der neu aufgeflackerten Hexenverfolgung verfasste mit seinem mehrteiligen Werk ein unerschrockenes Plädoyer gegen den 1486 publizierten "Malleus Maleficarum" - den Hexenhammer des Dominikaners Heinrich Kramer, der unzählige unglückliche Menschen auf den Scheiterhaufen brachte.
Umbau im späten 17.Jahrhundert

Ins Jahr 1661 fällt die Nennung eines überaus prominenten Eigentümers; niemand geringeres als der greise Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein nannte das altehrwürdige Schöne Haus sein eigen. Darin zu hausen gedachte er kaum. Wettstein legte sein Geld in diversen Liegenschaften an, so gehörte ihm zeitweise zum Beispiel der Rollerhof am Münsterplatz. Das Schöne Haus ging nach seinem Ableben 1666 an seinen jüngsten Sohn Johann Friedrich über.
Dauerhaft blieb das Schöne Haus jedoch nicht im Besitz der Wettstein, ab 1680 befand es sich in der Hand der Familie Karger. Der Kaufmann Andreas Karger liess Umbauten in barockem Stil vornehmen. Davon zeugt noch heute sein Familienwappen mit der Jahreszahl 1686 am Portal des Treppenturms des Hauses am Nadelberg. Beim Gebäude an der Gasse gehen der Dachstuhl und der Keller mit seinem Tonnengewölbe ziemlich sicher noch auf das 15.Jh zurück.
Der Rest wie etwa die Fassade zur Gasse oder die Aufteilung der Räume im inneren stammt aus späteren Tagen. Auch das gotische Hinterhaus aus dem 13.Jh musste im Laufe der Jahrhunderte diverse Umbauten über sich ergehen lassen. Im Hof zeugen aber noch eine Reihe gotischer Spitzbogenfenster an der Schmalseite im ersten Obergeschoss und eine zweite an der gegenüberliegenden Seite Richtung Petersgraben von der Frühzeit des Schönen Hauses.
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 Die Hoffassade mit den gotischen Fenstern des 13.Jh im ersten Obergeschoss, rechts die gotischen Fenster im Saal des Englischen Saminars im Erdgeschoss. Dergleichen Prachtfenster traf man damals nur noch in Kirchen an.
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Universitätsräume und ein Cliquenkeller

Die Karger besassen die Liegenschaft bis 1723. Zum Ende des Jahrhunderts tauchte dann mit den LaRoche noch einmal ein namhaftes Basler Geschlecht als Hausherr am Nadelberg auf. Der Familie gehörte das Schöne Haus bis 1864, dann ging es an die Gesellschaft für Erstellung und Verwaltung eines Christlichen Vereinshauses welches 1865 eingeweiht werden konnte. Im 20.Jh erwarb der Staat die Liegenschaft um sie für die Universität zu nutzen.
Eine Renovation der Liegenschaften Nadelberg 6 und 8 erfolgte 1966/70. Dabei stiess die Denkmalpflege auf die bereits erwähnte mittelalterliche Innenausstattung des Hinterhauses. Auch im Vorderhaus wurde eine Entdeckung gemacht, wenn auch jüngeren Ursprungs; im zweiten Obergeschoss kam eine reich bemalte Holzbalkendecke aus der ersten Hälfte des 17.Jh an den Tag. Heute trifft man in der vereinigten Liegenschaft Nadelberg 6/8 Studieneinrichtungen.
In den historischen Lokalitäten haben einerseits das Englische wie auch das Philosophische Seminar ihre Räume, ersteres im Hinterhaus mit Kellertheater. Ebenso ist hier das Seminar und das Institut für Klassische Philologie beheimatet. Im historischen Gewölbekeller des Vorderhauses befindet sich seit 1976 auch das stimmungsvolle Cliquenlokal der alten Garde der Fasnachtsclique Alti Stainlemer, mit seinem mittelalterlichen Steinboden als Besonderheit.



Mit Domizil im Schönen Haus:
> Website des Seminars für Klassische Philologie der Universität Basel

> Rundgang durch das Seminar mit Fotos der Räume

> Website des Englischen Seminars der Universität Basel


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Literatur:
Das Bürgerhaus in der Schweiz, Band XXII - Kanton Basel-Stadt, 1.Teil, 1926, Orell Füssli Verlag, Seiten 25 bis 26 sowie Tafeln 27 und 28
Joachmim Latacz, Das Schöne Haus in Basel, publiziert auf der Website der Universität Basel, Abteilung des Seminars für Klassische Philologie, URL: http://pages.unibas.ch/klaphil/institut/geschichte3.html
Alexander Schlatter/Hans Ritzmann/Burghard Lohrum/Thomas Lutz/Bernard Jaggi,Dächer der Stadt Basel, Herausgegeben von der Basler Denkmalpflege, 2005, ISBN 3-9522166-0-7, Seitn 104 und 141
Franz Rueb, Hexenbrände - die Schweizergeschichte des Teufelswahns, 1995, Weltwoche-ABC-Verlag, ISBN 3-85504-X, Seiten 36, 39 und 300
Werner Meyer, Da verfiele Basel überall, 184. Neujahrsblatt der GGG 2006, Schwabe Verlag Basel, ISBN 3-7965-2196-7/ISSN 1423-4017, Seite 65
Emil Major, Bauten und Bilder aus Basels Kulturgeschichte, 1986, Verlag Peter Heman Basel, ISBN 3-85722-010-5, Seiten 46 und 47
Hans Eppens, Denkwürdiges um ein paar Nadelberghäuser, im Basler Jahrbuch 1962, 1961, Helbing & Lichtenhahn, Seiten 122 bis 123
Hans Eppens, Baukultur in alten Basel, 8.Auflage, 1974, Verlag Frobenius AG Basel, Seiten 51 und 54
Ernst Murbach, Die seltsame Welt im Schönen Haus in Basel, in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde Band 77, 1977, Herausgegeben von der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Seiten 23 bis 25 und 32
Die schöne Altstadt - Rundgänge zu den Baudenkmälern von Basel und seiner Umgebung, Herausgegeben von der Vereinigung für Heimatschutz beider Basel, 1950, Wepf & Co, Seite 59
Dorothee Huber,Architekturführer Basel, 2.Auflage 1996, Herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, ISBN 3-905065-22-3, Seite 45
Stefan Hess, Johann Rudolf Wettsteins Immobilienbesitz, in "Wettstein - die Schweiz und Europa 1648", Herausgegeben vom Historischen Museum Basel, 1998, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-85616-098-1, Seiten 128 bis 131
E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seiten 21/22
Hummi Lehr, Källerabstiig - Fasnachtskultur im Cliquenkeller, 2000, GS Verlag, ISBN 3-7185-0183-X, Seiten 56 bis 57
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