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Das Schlösschen im Klybeck
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Klybeckstrasse 248lageplan klybeckschloesschen

Tram 8 / 17 Ciba


Anfänge als Weiherhaus Klybeck

Das Schlösschen Klybeck befand sich bis zu seinem Abbruch an der Klybeckstrasse 248. Noch heute erinnert die Parallelstrasse "Schlossgasse" das verschwundene Bauwerk. Der Historiker Werner Meyer (geboren 1937) hielt 1981 in seinem Werk zu den Burgen in der Region fest, dass die Ursprünge des Weiherschlosses nicht überliefert seien, aber wohl ins 14. Jahrhundert zurückgingen.
[1] Rudolf Wackernagel (1855-1925) bezeichnete für das Jahr 1402 Ritter Hans Reich als Besitzer des Weiherhauses. [2]

Der Historiker Carl Roth (1880-1940) legt seinerseits 1438 als Jahr der ersten Nennung eines Weiherhauses fest. Für diesen Zeitpunkt werde der Basler Achtburger Friedrich Rot als Eigentümer erwähnt.
[3] Zwischen Wackernagels und Roths Versionen zur Erstnennung liegen über dreieinhalb Jahrzehnte, was es schwer macht festzulegen wann die Liegenschaft erstmals urkundlich belegbar ist. Irritierend könnte der Flurname und dessen mutmassliche Übernahme als Liegenschaftsname gewirkt haben.

das klybeckschloesschen im 18. jahrhundert

Die Situation im 18. Jahrhundert. A - Wälle der Festung Hüningen jenseits des Rheins / B - Schlösslein Klybeck mit Mühlen und übrigen Liegenschaften am Teich / C - Strasse von Basel nach Kleinhüningen (duch Schlossgut führend) / D - Kleinhüningen jenseits der Wiese

Die Bezeichnung "Klybeck" geht auf den Flurnamen "Kluben" zurück. Für das Jahr 1283 ist die Lokalisierung "by Kluben im grien" belegt.
[4] 1402 wird wie erwähnt der Ritter Hans Reich als Besitzer des Oberen Klübin erwähnt. Ob damit nun der Flurname, ein Gehöft oder bereits das Schlösschen gemeint ist, geht daraus nicht klar hervor. Das mag der Grund dafür sein, dass Werner Meyer in diesem Punkt vorsichtig ist und festhält dass die erste schriftliche Erwähnung als Weiherhaus in das Jahr 1438 fällt. [5]

Auch Roth schreibt für 1438 vom "wygerhus zu Kluben", wie es in einem Fertigungsbuch angesprochen wird.
[6] Damit scheint soviel sicher: Als Weiherhaus tritt die Liegenschaft im Jahr 1438 erstmals auf. Existiert hat sie dabei vermutlich schon vorher. Dabei ist unsicher, ab wann für diese Phase die Rede von einem Schloss oder einem Weiherhaus sein kann. Ironischerweise vermittelt ausgerechnet der Bericht von einem Zerstörungsakt einen Eindruck vom Umfang des Anwesens im 15. Jahrhundert.

Kriegerischer Überfall 1445

Erhard von Appenwiler (gestorben 1472) hielt in seiner Chronik die Verwüstung des Klybeck im St.Jakoberkrieg fest. Ein Zug österreichischer Söldner suchte, mit 30 Pferden von Neuenburg am Rhein kommend, am 5. Dezember 1445 das Weiherhaus heim: "... brantend die segen, schuren zu Cluben, das sesszhus lostend die frowen."
[7] Sägemühle und Scheune wurden demnach niedergebrannt, während das Wohnhaus gerettet werden konnte. Vielleicht verhinderte der Wassergraben um das Weiherhaus Schlimmeres.

Wie lange das Weiherhaus noch im Besitz des 1438 genannten Friedrich Rot war ist unsicher. Ein Besitzerwechsel 1457 erzählt von zwei späteren Eigentümern. In diesem Jahr trat der Gewandmann Hans Swiczli (gestorben 1468, auch Schwitzlin) seinem Bruder Paul die Liegenschaft ab.
[8] Swiczli hatte sich das Basler Bürgerrecht 1448 mit der Teilnahme an einem Kriegszug nach Rheinfelden verdient und war zünftig zu Safran und zum Schlüssel. [9] Der doppelzünftige Gewandman war sehr vermögend.

Hans Swiczli wies für 1454 ein steuerbares Vermögen von 2300 Gulden aus und wohnte im Kirchspiel von St.Martin zwischen Rheintor und Fischmarkt.
[10] Die Abtretung des Weiherhauses an seinen Bruder Paul 1457 könnte eventuell damit zu tun haben, dass Swiczli im selben Jahr sein Basler Bürgerrecht aufgab. [11] Laut Meyer war das Weiherhaus von 1463 bis 1482 im Besitz von Heinrich Halbisen. [12] Wackernagel nennt einen Heinrich Halbisen den Jüngeren für 1476 bis 1480 als Besitzer. [13]

Erneut stehen abweichende Gelehrtenmeinungen im Raum. Dazu gesellt sich die Tatsache dass ein Vater und ein Sohn Heinrich Halbisen (auch Halbysen), beide wohlhabende Papierer, in Basel nachweisbar sind. Doch starb der eine 1451 und der andere 1475.
[14] Ob zumindest der Sohn (auch "der Jüngere" genannt) mit dem Besitzer des Weiherschlosses identisch ist, bleibt unklar. Was bleibt ist die Vermutung dass zumindest zwischen 1476 und 1480 jemand mit Namen Heinrich Halbisen Eigentümer war.

Langer Rechtstreit dem Kloster St.Blasien

Laut Werner Meyer gelangte das Weiherhaus Klybeck nach 1482 in den Besitz des Klosters St.Blasien im Schwarzwald.
[15] Der Konvent verkaufte seinerseits die Liegenschaft mit allen Rechten an Elisabeth von Falkenstein, ihres Zeichens Äbtissin zu Säckingen. Diese wurde aber mit ihrem neuen Besitz nicht glücklich, denn mit den vom Kloster im Kaufbrief zugesicherten Rechten bezüglich Wasser und Wasserfluss war es nicht weit her. Bald lag der Schlossteich trocken und die Sägemühle stand still.

Der Markgräfliche Landvogt zu Rötteln verweigerte Elisabeth von Falkenstein die Speisung ihrer Wasserläufe mit Wasser aus der Wiese. Die Äbtissin verklagte daraufhin den Abt und den Konvent des Klosters von St.Blasien, der ihr offenbar vertraglich Dinge zugesichert hatte die nicht zu bekommen waren. Eine erste Verhandlung am 7. Mai 1492 vor dem Schultheissengericht in Kleinbasel endete ohne Ergebnis, da St.Blasien alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe um die Verhandlung zu verschleppen.

Es wurde auf den 19. Mai und nochmals auf den 26. Mai vertagt. Schliesslich kam ein Urteil zustande und St.Blasien wurde dazu aufgefordert seinen vertraglichen Pflichten nachzukommen und die Äbtissin zu entschädigen. Abt und Konvent appellierten indes umgehend beim Rat und beim Bürgermeister Basels, so das vorerst wieder nichts geschah. Damit war wohl für Elisabeth von Falkenstein das Mass voll. Sie verkaufte für 800 rheinische Gulden Klybeck am 10. September an Junker Heinrich von Efringen.

Damit wurde die Sache vollends diffizil. Der Junker verklagte seinerseits die Äbtissin wegen aufgelaufener Gerichtskosten. Die Gerichtsherren hatten es nun mit drei Parteien zu tun. Nach endlosen Streitigkeiten übergaben die Parteien den Fall einem Schiedsgericht. Dieses befand am 20. April des Jahres 1502, dass fortan Klybeck nicht mehr in seinen Wasserrechten geschmälert werden dürfe, und St.Blasien die Äbtissin und den Junker mit 100 Gulden entschädigen musste. Alle Beteiligten akzeptierten.
[16]

Der skandalträchtige Schlossherr

Es war dem Handwechsel und dem folgenden Rechtsstreit zu verdanken, dass im Jahr 1492 das Weiherhaus zu Klybeck erstmals als Schloss angesprochen wurde ("schloss Cluben").
[17] Laut Wackernagel machte seine Lage den Sitz Klybeck wertvoll. Das Schloss befand sich nämlich direkt auf der Landstrasse nach Kleinhüningen. Diese Strasse führte durch das Schlossareal hindurch und konnte mit einem Hoftor gesperrt werden. [18] Somit kontrollierte Klybeck diesen wichtigen Zugang nach Kleinhüningen.

Eine herausragende Gestalt auf Schloss Klybeck war Simon (auch Sigmund) von Aug, genannt Steinschneider. Er besass das Schloss ab 1513
[19] und inszenierte als Freund reformierter Ideen zu Palmsonntag, am 13. April 1522, ein Spanferkelessen - wohl auf Klybeck. Das demonstrative Essen von Schweinefleisch war ein bewusster Verstoss wider das Fastengebot. Und die Gästeliste war dazu angetan, das Ferkelessen zum Skandal zu gestalten. Zugegen war Spitalpfarrer Wolfgang Wissenburg (1494-1575).

Neben dem reformiert gesonnen Spitalgeistlichen nahmen auch der Kaplan von St.Martin, Bonifatz Wolfahrt (ca 1490-1543, latinisiert Bonifatius Lycosthenes) und der westfälische Humanist Hermann von dem Busche (1468-1534, latinisiert Hermannus Buschius) an dem Mahl teil. Wissenburg und Wolfahrt sorgten damals als Dozenten an der Universität Basels für Unruhe weil sie energisch Reformen und einen Rektor nach ihrem Willen forderten.
[20] Die illustre Gesellschaft schuf den perfekten Skandal.

Das Spanferkelessen warf dermassen hohe Wellen in Basel, dass der Gastgeber und Schlossherr vermutlich wegen des Aufsehens die Stadt Basel schon bald danach verliess und Klybeck verkaufte. Steinschneider fuhr fort die Ideen der Reformation zu verfechten. Er geriet bei einer Reise durch das Elsass in die Hände der katholischen Geistlichkeit. Angeklagt der Blaspehie wider die Sakramente und der Jungfrau Maria, wurde er am 22. Februar 1523 in Ensisheim gevierteilt und verbrannt.
[21]

Schloss Klybeck wurde am 2. Juni 1522 von der Stadt Basel für 800 Gulden mit allen zugehörigen Rechten erworben, wobei auch eine Holzsäge und zwei Papiermühlen im Kauf inbegriffen waren. Basel legte damit seine Hand auf den begehrten Besitz an der Strasse nach Kleinhüningen. Als die Stadt Klybeck am 28. April des Jahres 1523 für 700 Gulden weiterverkaufte, behielt sie ein wichtiges Privileg. Der neue Besitzer durfte das Schloss nur mit dem Einverständnis des Basler Rates weiterverkaufen.

Aus der Baugeschichte des Klybeckschlösschens

Neuer Eigentümer war der in Basel wohnhafte Mediziner Berchtold Bartter, der das Klybeck zusammen mit seiner Gattin Barbara Schaffhusser zu den oben genannten Bedingungen erwarb.
[22] Lange verblieb das Schloss allerdings nicht in deren Hand. Bereits im Jahr 1524 wechselte es den Besitzer erneut. Insgesamt sollte das Klybeck nach Bartter alleine bis zum Ende des 16. Jahrhunderts neun weitere Eigentümer erleben. In die zweite Jahrhunderthälfte fällt ein wichtiges Indiz zur Baugeschichte.

Carl Roths Notizen zur Baugeschichte im Basler Jahrbuch 1911 sind von besonderer Bedeutung, weil damals das Schloss noch existierte. Roth hatte die Möglichkeit das Bauwerk persönlich zu besichtigen und noch vorhandene Details zu erkennen um aus ihnen seine Schlüsse zu ziehen. Er beobachtete, dass die Stärke der Aussenmauern nicht überall die selbe war, und dass sich eine dicke Innenmauer möglicherweise vor einem Ausbau eine Aussenmauer war. Roth verglich historische Ansichten des Schlosses.

Eine Darstellung aus dem Jahr 1621 zeigt, dass es zu jener Zeit wesentlich kleiner gewesen ist als es auf einer Abbildung um 1750 erscheint. Im eingehenden 17. Jahrhundert bestand das Schloss demnach aus einem nahezu quadratischen Wohnteil mit einem angebauten Treppenturm. Dieser Wohnteil wies die angesprochenen dicken Mauern und einen Eckpfeiler mit der Jahreszahl 1572 auf. Das lässt die Vermutung zu, dass dieser Teil damals so gestaltet wurde und bis ins 17. Jahrhundert das Bild prägte.

Dieser Kern scheint, gemäss den weiteren Pfeilerdaten 1690 und 1706, mit zusätzlichen Anbauten ergänzt geworden zu sein. So dass er zur Mitte des 18. Jahrhunderts zu jener Grösse kam in der Emanuel Büchel (1705-1775) das Bauwerk abbildete. Von einem mittelalterlichen Urbau erwähnt Roth leider nichts. Dafür berichtet er, dass die alten und unregelmässig angeordneten Fenster in den 1840er Jahren vom Besitzer Johann Jakob Heimlicher (1798-1848) durch modernere ersetzt worden seien.

Vom Vogtsitz zum Miethaus

Der Architekt Heimlicher war im Jahr 1830 neuer Eigentümer von Schloss Klybeck geworden. Im obersten Stockwerk gab es einen Saal den er durch den Basler Künstler Hieronymus Hess (1799-1850) mit Malereien schmücken liess. Der Saal ging später durch eine Aufteilung in kleinere Räume verloren. Im 18. Jahrhundert diente eben dieser Saal den Basler Landvögten von Kleinhüningen, die ihren Sitz auf Klybeck hatten.
[23] Der Vogtsitz auf Klybeck war wegen seiner Verkehrslage günstig gelegen.

Die Strasse von Basel nach Kleinhüningen führte wie bereits erwähnt durch den befestigten Landsitz. Der Verkehr floss quasi direkt unter den Augen des Landvogts. Bis 1798 gab es auf Klybeck Basler Vögte. Dann beendeten die Umwälzungen der Helvetik diese Praxis der Herrschaft, und das Klybeck wurde für 14'800 Franken dem Transportunternehmer Hieronymus Iselin verkauft.
[24] Unter Georg Abt, der das Schloss 1860-1886 besass, wurde der Turm mit einem allegorischen Fresko bemalt. [25]

Historische Fotographien zeigen eine Malerei rund um das Zifferblatt der Turmuhr, über dem sich die liebliche Wiese und Vater Rhein, mit Bart und Dreizack, die Hand reichen. Das Schlösschen ging im Jahr 1903 in den Besitz der Basler Baugesellschaft über. Diese funktionierte den ehemaligen Vogtsitz zur Wohnliegenschaft um.
[26] Über zwanzig Jahre später sollte eine bemerkenswerte Bewegung hier ihren Sitz bekommen. Ihr Name war "Ulme", nach dem Baum der im Schlossgarten vorherrschte.

Die Ulme im Klybeck

Im Laufe der Zeit war um das Schlösschen das Basler Arbeiterquartier Klybeck entstanden. Hier praktizierte seit Beginn der 1920er Jahre der Arzt Eduard Koechlin (1883-1964). Er wirkte mitten unter den Ärmsten der Arbeiterschicht und kannte ihre Nöte und Leiden. Mit einigen Leuten aus seinem Umfeld gründete er im Jahr 1926 die Ulme.
[27] Koechlin bewegte sich mit seinem Vorhaben auf einem Terrain das in der Idee des sogenannten Settlement seine Wurzeln hatte. Die Bewegung entstand in England.

Kern des Gedankens war es, dass sich Leute aus der Schicht des Wohlstandes in den ärmlichen Quartieren der Arbeiter ansiedelten (englisch "to settle" > Siedeln). Dort sollten sie mit ihren Nachbarn Bildung und Wissen teilen. Die Begüterten sollten diese Bausteine des sozialen Aufstiegs auf diese Weise an die Proletarier weiterreichen. Mit Toynbee Hall und Oxford House wurden im Jahr 1884 jene Settlements in London gegründet, die zum Vorbild für weitere solche Einrichtungen wurden.
[28]

Im Sinne dieser Bewegung stand auch die Ulme von Eduard Koechlin. Zunächst vereinigte sie lediglich einige Jugendliche und Kinder. Doch die Gruppe wuchs und konnte Kurse für Nähen, Kochen, Fremdsprachen, Krankenpflege und weiteres anbieten. 1928 wurden Räumlichkeiten im Schlösschen Klybeck für die Kurse der Ulme für rund 100 Mädchen verscheidener Altersgruppen gemietet. 1931 konnte die Vereinigung das gesamte Anwesen übernehmen, womit Räume gewonnen waren um Kurse für Knaben anzubieten.
[29]

Das Schlösschen stand hart an der Peripherie des herangewachsenen Arbeiterquartiers Klybeck. Hier lebten die Arbeiter und Arbeiterinnen der Basler Chemiefabriken und Färbereien. Über 10 Stunden täglicher Mühsal in Betrieben die einem die Kleider, die Haare und die Haut verfärbten. In den Farbmühlen gehörte Blasenkrebs zu einer der häufigsten Todesursachen.
[30] Es verwundert nicht, das zwischen die tristen Mietskasernen des Klybeck eine Wiege der Basler Arbeiterbewegung stand.

Ausserhalb des Klassenkampfes bewegte sich die Ulme. Sie verfolgte das Ideal von der Vereinigung der Menschen über die Klassenschranken hinweg auf der Basis gegenseitigen Verständnisses. Mitte der 1930er Jahre konnte die Ulme im Winter mehrere hundert Leute zu verschiedenen Angeboten im Schlösschen begrüssen. Zugleich begannen in der Depression staatliche Einrichtungen und andere Institutionen vermehrt soziale Aufgaben wahrzunehmen. Das Betätigungsfeld der Ulme schrumpfte.
[31]

Das Klybeck verliert sein Schlösschen

Mit der Reduktion der Aktivitäten der Ulme ging schliesslich 1937 das Verlassen des Schlösschen Klybecks einher.
[32] Den Schlossweiher hatte das Anwesen schon im ausgehenden 18. Jahrhundert verloren. Im Jahr 1945 wurde das heruntergekommene Baudenkmal per Zeitungsinserat zum Verkauf angeboten. Unter seinem Pseudonym "Johannes Brandmüller" beschrieb der Basler Journalist und Mundartpoet Robert Balthasar Christ (1904-1982) damals den traurigen Zustand des Klybeckschlösschens:

"... Ein grässliches Vordach schützt die hässliche Haustür. Wäsche hängt im Hof. Velos lehnen am Schloss; Geschirrlumpen zieren die Fenstersimse. Nur im Treppenhaus finden sich noch passabel erhalten und neueren Datums Wappenmalereien, die Wappen zahlreicher ehemaliger Besitzer ... Wer möchte heute Schlossherr sein, wenn aus jedem Fenster der Blick an nüchterne Mietshäuser stösst? ... Z'Basel stoht e Schlessli, Bhiet mer Gott my Schlessli au!"
[33]

Der fromme Wunsch von Christ war vergebens. Das historische Bauwerk, um welches sich mittlerweile Wohnblöcke des Quartiers und die Fabrikbauten der Basler Chemie breit gemacht hatten, war zu einem störenden Relikt einer vergangenen Epoche geworden. 1955 riss man es ab um das Areal zu überbauen. Heute ahnt man an der 1896 benannten Schlossgasse, dass sie in früheren Tagen zum Schlösschen Klybeck führte. Im Namen des Klybeckquartiers lebt das "Schloss Cluben" als fahle Erinnerung fort.

Zusammenfassung

Die Anfänge des kleinen Schlosses Klybeck könnten im 14. Jahrhundert liegen. Eine erste konkrete Nennung mit Besitzer erscheint nicht vor der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Name "Klybeck" geht ziemlich sicher auf den älteren Flurnamen "Kluben" zurück, der bereits für 1283 belegt ist. Als "wygerhus zu Kluben" tritt die Liegenschaft 1438 auf, was beweist dass zur Liegenschaft bereits im Mittelalter ein Weiher gehörte. 1445 wurde das Klybeck von österreichischen Söldnern verwüstet.

Wie ein Bericht von damals erwähnt, gehörte seinerzeit eine Mühle zum Anwesen. Diese Mühle war Teil des Streits zwischen Elisabeth von Falkenstein, der Äbtissin von Säckingen, und dem Kloster St.Blasien im Schwarzwald. Die Äbtissin hatte Klybeck nach 1482 vom Kloster mit allen Rechten gekauft. Sie musste bald feststellen, dass die vom Kloster mitverkauften Wasserrechte strittig waren. Der Landvogt von Rötteln verweigerte der Äbtissin das Wasser aus der Wiese und die Mühle stand still.

Nach langem Rechtsstreit bekam das Klybeck, welches dabei erstmals "Schloss" genannt wurde, unter einem neuen Besitzer im Jahr 1502 seine Wasserrechte von einem Schiedsgericht garantiert. Unter den folgenden Besitzern sticht Simon von Aug heraus, der zu Palmsonntag 1522, wahrscheinlich auf Schloss Klybeck, ein Spanferkelessen mit reformiert gesonnenen Baslern inszenierte. Dieses Bankett war ein bewusster Verstoss gegen das katholische Fastengebot und erregte viel Aufsehen.

Das im 17. Jahrhundert noch aus einem Wohntrakt mit Turm bestehende Schloss, wurde wohl um 1690 und 1706 massiv ausgebaut. Im 18. Jahrhundert wurde das Klybeck Amtssitz der Basler Landvögte die Kleinhüningen beaufsichtigten. Das kleine Schloss war dafür geeignet, weil es einerseits repräsentativ war und zum anderen die wichtige Strasse von Basel nach dem Fischerdorf Kleinhüningen kontrollierte. Nach der Revolution von 1798 gab es keine Landvögte mehr auf Klybeck.

Das Schloss, dessen Weiher bereits in den Jahrzehnten zuvor aufgefüllt worden war, ging in private Hände über. Der Eigentümer Johann Jakob Heimlicher liess in den 1840er Jahren die unregelmässig verteilten alten Fenster durch modernere ersetzt. Auch liess er den früheren Amtssaal der Basler Landvögte mit Malereien von Hieronymus Hess ausschmücken. Ebenfalls im 19. Jahrhundert erfolgte die Bemalung des Turms mit einer Allegorie von Rhein und Wiese rund um das Zifferblatt der Turmuhr.

Die Basler Baugesellschaft übernahm 1903 das Schlösschen, welches sich nunmehr im sich ausbreitenden Arbeiterquartier Klybeck befand. Der zur Wohnliegenschaft umfunktionierte alte Vogtsitz wurde ab 1928 zum Zentrum der Vereinigung "Ulme". Benannt nach dem dominierenden Baum im Schlossgarten, wurde die Ulme vom im Quartier praktizierenden Arzt Eduard Koechlin gegründet. Sie sollte durch Fortbildungskurse das Elend der Arbeiterfamilien im Klybeck lindern. Viele Kurse fanden im Schloss statt.

Die Vereinigung ging ein nachdem während der Depression auch andere Einrichtungen soziale Aufgaben wahrnahmen. 1937 gab die Ulme das Schlösschen auf. In der Zeit danach verwahrloste das Anwesen, so dass Robert Balthasar Christ es 1945 in einem traurigen Zustand beschrieb. Zwischen Wohnblöcken und Fabrikationsbauten der Chemie war das Schlösschen bereits zum Fremdkörper geworden, als man es im Jahr 1955 abriss. Nur die heutige Schlossgasse erinnert noch das einstige Klybeck.


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Beitrag erstellt 29.04.11 / Flüchtigkeitsfehler korrigiert 22.06.12

Anmerkungen:

[1] W. Meyer, Beitrag "Klybeck", Abschnitt "Basel-Stadt", publiziert in Burgen von A bis Z - Burgenlexikon der Regio, Basel, 1981, Seite 148

[2] R. Wackernagel, Abschnitt "Klybeck - Sisgau", in Kapitel 2 "Territorium", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 55

[3] C. Roth, Beitrag "Schloss Klybeck", publiziert im Basler Jahrbuch 1911, Basel, 1910, Seite 140 so wie Anmerkung 7 Seite 138

[4] R. Wackernagel/R. Thommen, Urkunde Nummer 404, publiziert im Urkundenbuch der Stadt Basel, Band 2, Basel, 1893, Seite 233

[5] W. Meyer, Beitrag "Klybeck", Abschnitt "Basel-Stadt", publiziert in Burgen von A bis Z - Burgenlexikon der Regio, Basel, 1981, Seite 148

[6] C. Roth, Beitrag "Schloss Klybeck", publiziert im Basler Jahrbuch 1911, Basel, 1910, Seite 140 so wie Anmerkung 7 Seite 154, Vergleiche Fertigungsbuch Seite 78

[7] E. v. Appenwiler, "Chronik 1439-1471", publiziert in Basler Chroniken, Band 4, Leipzig, 1890, Seite 268, Zeilen 20 bis 23

[8] C. Roth, Beitrag "Schloss Klybeck", publiziert im Basler Jahrbuch 1911, Basel, 1910, Seite 141

[9] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seite 242

[10] G. Schönberg, "Die Margzahlsteuer von 1453/54", in den Beilagen, Finanzverhältnisse der Stadt Basel im XIV. und XV. Jahrhundert, Tübingen, 1879, Seite 601 (Swiczli der elter)

[11] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seite 242

[12] W. Meyer, Beitrag "Klybeck", Abschnitt "Basel-Stadt", publiziert in Burgen von A bis Z - Burgenlexikon der Regio, Basel, 1981, Seite 148

[13] R. Wackernagel, Abschnitt "Klybeck - Sisgau", in Kapitel 2 "Territorium", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 55

[14] P. Koelner, Abschnitt "Die Zunftangehörigen von 1357 bis 1798", publiziert in Die Zunft zum Schlüssel in Basel, Basel, 1953, Seiten 205 bis 206 und 243

[15] W. Meyer, Beitrag "Klybeck", Abschnitt "Basel-Stadt", publiziert in Burgen von A bis Z - Burgenlexikon der Regio, Basel, 1981, Seite 148

[16] C. Roth, Beitrag "Schloss Klybeck", publiziert im Basler Jahrbuch 1911, Basel, 1910, Seiten 141 und 142

[17] C. Roth, Beitrag "Schloss Klybeck", publiziert im Basler Jahrbuch 1911, Basel, 1910, Seite 138

[18] R. Wackernagel, Abschnitt "Klybeck - Sisgau", in Kapitel 2 "Territorium", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 55

[19] R. Wackernagel, Abschnitt "Klybeck - Sisgau", in Kapitel 2 "Territorium", publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seite 55

[20] R. Wackernagel, Abschitt "Spanferkelessen" in Kapitel 2 "Das Jahrzehnt der Reformation", 11. Buch, publiziert in Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Basel, 1924, Seiten 327 bis 328

[21] F. Ryff, "Chronik 1514-1541", publiziert in Basler Chroniken, Band 1, Leipzig, 1872, Seiten 36 und 37

[22] R. Thommen, Dokument 9 (Original St.Urk. 2825gr.), publiziert im Urkundenbuch der Stadt Basel, Band 10, Basel, 1909, Seite 8

[23] C. Roth, Beitrag "Schloss Klybeck", publiziert im Basler Jahrbuch 1911, Basel, 1910, Seite 139 bis 140

[24] C. Roth, Beitrag "Schloss Klybeck", publiziert im Basler Jahrbuch 1911, Basel, 1910, Seiten 151 bis 152 (mit falschem Namen "Lucas Iselin" auf 152 oben)

[25] C. Roth, Beitrag "Schloss Klybeck", publiziert im Basler Jahrbuch 1911, Basel, 1910, Seite 140

[26] C. Roth, Beitrag "Schloss Klybeck", publiziert im Basler Jahrbuch 1911, Basel, 1910, Seite 153

[27] P. Hugger, Unterabschnitt "Intellektuelle und Proletarier oder: Ein Baum wächst im Klybeck", in Abschnitt "Ein Leben in Kleinhüningen", publiziert in Kleinhüningen - Von der Dorfidylle zum Alltag eines Basler Industriequartiers, Basel, 1984, Seite 72

[28] H. Scherer, Abschnitt "Die Anfänge der Settlement-Bewegung", in Die Auswirkungen von Besuchen deutscher sozialer Aktivisten im Londoner Settlement "Toynbee Hall" auf Entstehung und Konzeption der deutschen Nachbarschaftsheimbewegung, ohne Verlagsort, 2004

[29] P. Hugger, Unterabschnitt "Intellektuelle und Proletarier oder: Ein Baum wächst im Klybeck", in Abschnitt "Ein Leben in Kleinhüningen", publiziert in Kleinhüningen - Von der Dorfidylle zum Alltag eines Basler Industriequartiers, Basel, 1984, Seite 72

[30] P. Hugger, Unterabschnitt "Auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter: Die Arbeiter", in Abschnitt "Ein Leben in Kleinhüningen", publiziert in Kleinhüningen - Von der Dorfidylle zum Alltag eines Basler Industriequartiers, Basel, 1984, Seite 63

[31] P. Hugger, Unterabschnitt "Intellektuelle und Proletarier oder: Ein Baum wächst im Klybeck", in Abschnitt "Ein Leben in Kleinhüningen", publiziert in Kleinhüningen - Von der Dorfidylle zum Alltag eines Basler Industriequartiers, Basel, 1984, Seite 72

[32] P. Hugger, Unterabschnitt "Intellektuelle und Proletarier oder: Ein Baum wächst im Klybeck", in Abschnitt "Ein Leben in Kleinhüningen", publiziert in Kleinhüningen - Von der Dorfidylle zum Alltag eines Basler Industriequartiers, Basel, 1984, Seite 72

[33] R.B. Christ, Artikel "Z'Basel stoht e Schlessli", publiziert im Sonntagsblatt der Basler Nachrichten, Nummer 31, 12. August , Basel, 1945, Seiten 121 und 122


Quellen:

Erhard von Appenwiler, Chronik 1439-1471, publiziert in Basler Chroniken, Band 4, herausgegeben durch die Historische und Antiquarische Gesellschaft Basel, Verlag von S.Hirzel, Leipzig, 1890, Seite 268

Othmar Birkner / Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren Schweizer Architektur 1850-1920 - Basel, von der Christoph Merian Stiftung ermöglichter Seperatdruck aus Band 2 der Gesamtreihe, herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Zürich, 1986, Seite 172

Robert Balthasar Christ, Artikel "Z'Basel stoht e Schlessli", publiziert im Sonntagsblatt der Basler Nachrichten, Nummer 31, 12. August, Basel, 1945, Seiten 121 und 122

Paul Hugger, Kleinhüningen - Von der Dorfidylle zum Alltag eines Basler Industriequartiers, Birkhäuser Verlag, Basel, 1984, ISBN 3-7643-1577-6, Seiten 72 bis 73

Paul Koelner, Die Zunft zum Schlüssel in Basel, herausgegeben von der Zunft zum Schlüssel, Benno Schwabe & Co, Basel, 1953, Seite 242

Werner Meyer, Burgen von A bis Z - Burgenlexikon der Regio, herausgegeben von den Burgenfreunden beider Basel, Druckerei Klingental AG, Basel, 1981, Seiten 148 bis 149

Carl Roth, Beitrag "Schloss Klybeck", publiziert im Basler Jahrbuch 1911, herausgegeben von Albert Burckhardt-Finsler, Albert Gessler, August Huber, Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1910, Seiten 138 bis 142 und 151 bis 154

Paul Roth, Die Strassennamen der Stadt Basel, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1959, Seite 97 (Schlossgasse)

Fridolin Ryff, Chronik 1514-1541, publiziert in Basler Chroniken, Band 1, herausgegeben durch die Historische und Antiqarische Gesellschaft Basel, Verlag von S.Hirzel, Leipzig, 1872, Seiten 36 und 37

Herbert Scherer, Die Auswirkungen von Besuchen deutscher sozialer Aktivisten im Londoner Settlement "Toynbee Hall" auf Entstehung und Konzeption der deutschen Nachbarschaftsheimbewegung, publiziert im Internet auf http://jugendserver.spinnenwerk.de/~archiv/i_v/2_2004.htm

Gustav Schönberg, Finanzverhältnisse der Stadt Basel im XIV. und XV. Jahrhundert, Verlag der H.Laupp'schen Buchhandlung, Tübingen, 1879, Seite 601

Rudolf Thommen, Urkundenbuch der Stadt Basel, Band 10, herausgegeben durch die Historische und Antiqarische Gesellschaft Basel, Helbing und Lichtenhahn vormals Reich-Detloff, Basel, 1908, Seite 8

Rudolf Wackernagel / Rudolf Thommen, Urkundenbuch der Stadt Basel, Band 2, herausgegeben von der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel, R.Reich vormals C.Detloffs Buchhandlung, Basel, 1893, Seite 233

Rudolf Wackernagel, Geschichte der Stadt Basel, Band 3, Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Basel, 1911, Seiten 55, 327 und 328

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