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Das Konzil zu Basel
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Basel als Tagungsort

Mit blumigen Worten teilte im April 1424 Papst Martin V. der Stadt Basel mit, dass sie man sie zum Ort des 17. Konzils (Kirchenversammlung) gewählt habe. Beweggründe dazu seien die Weisheit, die Würde und die Loyalität der Stadt zu Rom. Es dürften aber eher die Nähe zu Frankreich, Österreich und Italien ausschlaggebend gewesen sein. Ausserdem versprach er Basel für die zu erwartenden Belastungen ewigen Lohn, mit dem sich aber bekanntermassen keine Ausgaben decken lassen.

Ungute Erinnerungen stiegen in den Köpfen der Basler Räte hoch. Nach vier Jahren war 1418 das Konzil zu Konstanz zuende gegangen. In dessen Rahmen hatte man die Kirchenrebellen Johannes Hus und Hieronymus von Prag und die Knochen des 1384 verstorbenen Reformers John Wyclif verbrannt, sich mit Papst und Gegenpapst rumgeschlagen und den mächtigen Herzog Friedrich von Österreich enteignet. Mit einem Konzil kamen immer Ärger und Kosten daher. Andererseits versprach es auch fremdes Geld und gute Geschäfte.


predigerkirche

Die Kirche des ehemaligen Predigerklosters am Petersgraben. Hier wurde die erste Messe des Konzils zelebriert. Kaiser Sigismund berief in diesem Kloster den Reichstag ein und hier hatte Papst Felix V. seinen Sitz in Basel nach der Krönung 1440.

Vorbereitungen

Zur Vorbereitung wurden ab 1425 diverse Massnahmen ergriffen. Man begann die Strassen auszubauen und zu pflästern. Es wurde eine Münzstätte eingerichtet und im Spalenquartier kaufte man zwei Häuser wo man die Prostitution gleichsam zu konzentrieren und verbergen suchte. Das Konzil zu Basel wurde am 29.Juli 1431 eröffnet und sollte sich jener Probleme annehmen, die das Konzil in Konstanz zurückgelassen hatte. Die erste Konzilsmesse wurde in der Kirche des Predigerklosters abgehalten.

Das Konzil zu Basel musste verschiedene Fragen klären. So sollte dem Ketzertum, welches man besonders in den Lehren des Johannes Hus erkannte, ein Ende bereitet werden. Den christlichen Völkern sollte Frieden gebracht werden. Hauptsächlich wollte man aber die Kirche reformieren, was sich als äusserst heikel erwies. Mit dem Konzil rückte Basel vorübergehend ins Zentrum der christlichen Welt. Man befasst sich hier auch mit Eidgenössischen Fragen, so wurden ab 1432 die rechtlichen Grundlagen der Wallfahrten nach Einsiedeln überprüft.


Unter Eidgenössischem Schutz

Schirmherr des Konzils war Sigismund von Luxenburg, König von Ungarn (seit 1387) und von Deutschland (seit 1410). Er kam nach seiner Krönung zum Kaiser des Deutschen Reiches 1433 für sieben Monate nach Basel und nahm Quartier im Kloster der Johanniter. Im Predigerkloster versammelte er den Reichstag Der Eidgenossenschaft trug Sigismund auf, dass sie als Schutzmacht über das Konzil wache, obwohl Basel noch nicht Eidgenössisch war. Man muss dabei jedoch bedenken, dass sich die Eidgenossenschaft nach wie vor als Teil des Deutschen Reiches verstand.

Der Stadt Basel selber war es übertragen worden, die Teilnehmer des Konzils und ihren Besitz zu schützen und deren Rede- und Handlungsfreiheit sicherzustellen. Um Ruhe und Odnung zu garantieren wurden sowohl für die Basler als auch für die Konziliaren Regeln aufgestellt. Niemand von ihnen sollte unerlaubt Schwerter oder lange Messer und andere Waffen tragen. Ihnen wurde auch das Spielen mit Karten und Würfeln untersagt. Die fremden Besucher waren angehalten, nicht mit Pferden und Maultieren durch die Strassen zu sprengen und nicht vor den Mauern der Stadt Grünanlagen zu beschädigen.


Unüberwindbarer Konflikt

Das Konzil stand unter einem unguten Stern, denn sein Hauptproblem lag einem einem Konflikt mit dem Papst. Das Konzil erhob den Anspruch von Gottes Gnaden die ganze Kirche zu repräsentieren. Damit kam man dem Heiligen Vater ins Gehege, der sich naturgemäss nicht dem Konzil unterwerfen wollte. Papst Martin V. starb noch vor Beginn des Konzils, ihm folgte am 3.März 1431 Eugen IV. auf dem Stuhl Petri. Er bestätigte am 23. Juli das Konzil gezwungenermassen und setzte Kardinal Giulio Cesarini als dessen Präsident ein.

Zwei Parteien standen sich am Konzil gegenüber. Die radikale Konzilspartei, "Konziliaristen" genannt, machte sich für die Ansprüche der Kirchenversammlung stark. Auf der anderen Seite trat die Legatenpatei, auch "Papisten" genannt, für den Papst und seine Ansprüche ein. Diese Gruppierungen trugen in Basel einen Streit aus, der bald üble Folgen für die Kirche haben sollte. Der Machtkampf zerstörte die Einheit der Kirche.


Der neue Papst als Gegner

Bald erkannte der neue Papst, wie gefährlich ihm der Reformeifer des Konzils wurde, und verfügte am 18.Dezember 1431 dessen Auflösung und die Einberufung eines neuen Konzils zu Bologna. Im Gegenzug drohte man ihm aus Basel mit Prozess und Absetzung. Papst Eugen IV. sah sich zu jener Zeit hart bedrängt duch Herzog Filipo Maria Visconti von Mailand, was ihm den nötigen Spielraum raubte, sich gegen das Konzil durchzusetzen. Daher musste er im Dezember 1433 murrend das Basler Konzil und seine Erlasse anerkennen, was ihn aber nicht daran hinderte, im Stillen gegen die Kirchenversammlung zu agieren.

In seiner ersten Phase sass dem Konzil Kardinal Cesarini als ein Verteidiger der päpstlichen Sache vor. Aus Byzanz erreichte in jener Zeit ein Hilferuf wegen der türkischen Bedrohung Papst und Konzil. Für entsprechende Unterstützung war man bereit über eine Glaubenseinigung zwischen Rom und der griechisch-orthodoxen Ostkirche zu verhandeln. Sogleich gab es Differenzen wegen des Verhandlungsortes. Papst Eugen IV. verlegte das Konzil wider dessen Willen am 18.September 1437 nach Italien, so wurde am 8.Januar 1438 das Unionskonzil zu Ferrara eröffnet.


predigerkirche

Münster und der Münsterplatz. Das Gotteshaus diente dem Konzil als Versammlungsort. Da es zu wenig Raum für alle Besucher bot, wurde die Papstkrönung am 24.Juli 1440 unter den Augen tausender von Zuschauern auf dem Münsterplatz abgehalten. Papst Felix V. bedachte das Münster mit einer neuen Glocke - der Papstglocke.

Der Vorsitz in Basel wechselt

Später wechselte das Konzil in Italien seinen Tagungsort von Ferrara nach Florenz, wohin der Papst 1433 seine Kurie verlegte, nachdem ihn ein Aufstand aus Rom vejagt hatte. Nach der Eröffnung des Konzils in Italien übernahm Nicolaus de Tudeschis den Vorsitz über das in Basel verbliebene Restkonzil. Er hatte im Oktober 1437 die Forderung befürwortet, den Papst zu suspendieren und abzusetzen und galt als Konziliarist.

Unter der Führung Cesarinis verliess eine Minderheit Basel um der Anordnung des Papstes Folge zu leisten und nach Italien zu eilen, wo im Prinzip ein zweites Konzil zusammentrat. Diese Kirchenversammlung in Italien fand allgemeine Anerkennung und ging als Konzil von Ferrara-Florenz in die Geschichte ein. Unter dem Eindruck der türkischen Bedrohung war für viele seiner Teilnehmer der Schulterschluss mit der bedrohten Ostkirche wohl wichtiger als jene Fragen die zu Basel erörtert wurden.


Zum Gegenkonzil geworden

Das Konzil zu Basel tagte derweil trotzig als Gegenkonzil unter Nicolaus de Tudeschis weiter, obwohl Eugen IV. es für abgesetzt erklärte. Die Gegner des Papstes gewannen in Basel die Oberhand und vollzogen schliesslich den definitiven Bruch mit Rom, indem sie die Unterordnung des Papstes unter das Konzil zum Glaubensgrundsatz erhoben und Papst Eugen IV. am 25.Juni 1439 als Häretiker für abgesetzt erklärten. Dem konnte Präsident de Tudeschis nicht mehr zustimmen. Er verliess das Konzil - seine Nachfolge als Vorsitzender übernahm Kardinal Louis d'Allemand von Arles, ein führender Kopf der Konzilspartei.

Im Haus "Zur Mücke" wurde am 5.November 1439 Herzog Amadeus von Savoyen zum Gegenpapst gewählt. Seine Krönung am 24.Juli 1440 wurde für Basel ein einmaliges Schauspiel. Zehntausende sollen der Krönung von Papst Felix V. beigewohnt haben, die wegen Platzmangel nicht im Münster stattfand, sondern auf dem Münsterplatz unter freiem Himmel. Der neue heilige Vater wurde mit dem vielfachen Ruf "Vivat papa!" in seinem Amt begrüsst. In festlichem Zug begab er sich danach zu seiner Bleibe im Predigerkloster. Der Zug wurde vom Adel der Stadt unter Hans von Thierstein angeführt. Zum Zeichen seiner Verbundenheit schenkte Felix V. dem Basler Münster die bekannte Papstglocke.


Eine düstere Erinnerung

Ein Schatten lag über den Feierlichkeiten, denn allmählich kamen düstere Erinnerungen an das grosse abendländische Schisma des 14.Jh zurück, als ab 1378 zwei Päpste die Christenheit trennten, die Gläubigen in Verzweiflung stürzten und jeder Papst den Anhängern des anderen die Hölle androhte. Felix V. ernannte den einstigen Konzilspräsidenten Nicolaus de Tudeschis zum Kardinal, der in dieser Eigenschaft ans Konzil in Basel zurückkehrte. Hier unterstrich de Tudeschis in einer vielkritisierten Predigt zu Pfingsten 1440, dass der Papst über dem Konzil stehe. Man forderte den Kardinal zornig auf, seine Äusserungen zu widerrufen.

Eine herausragende Figur des Konzils zu Basel war Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II. Er nahm als Schreiber an der Kirchenversammlung teil und vertrat zunächst eifrig die Sache der Konzilspartei. Für kurze Zeit diente er Felix V. bevor er die Fronten wechselte und den damaligen deutschen Kaiser Friedrich III. für die Seite des römischen Papstes zu gewinnen half. Basel sah sich nun vom Kaiser aufgefordert, die Reste des Konzils aus der Stadt zu weisen. Ansonsten drohte die Reichsacht. Unter grossen Bedauern teilte der Rat den versammelten Konziliaren im Kloster der Barfüsser mit, dass sie die Stadt verlassen müssten.


Das Ende des Konzils

So nahm das Konzil zu Basel am 4.Juli 1448 mit der Abreise der letzten Konzilsväter ein unrühmliches Ende. Unter der Begleitung von 500 Mann aus Basel bewegte sich der Zug der Ausgewiesenen nach Süden, bis er am Hauenstein die Grenze überschritt und die Kirchenmänner alleine weiterreisten. Sie versammelten sich in Lausanne, wo noch der von ihnen berufene Gegenpapst Felix V. herrschte, der allerdings 1449 resignierte und sein Amt niederlegte. Das kümmerliche Restkonzil zu Lausanne unterwarf sich Papst Niklaus V. der 1447 die Nachfolge des verstorbenen Eugen IV. angetreten hatte. Der zurückgetretene Felix V. wurde vom neuen Papst zum Kardinal ernannt. Nun gab es wieder einen einzigen Papst.

Kaum hatten im Sommer 1448 die Konzilsväter die Stadt verlassen, liess der Bischof von Basel eilig die Sitzbänke für die Konzilstagungen aus dem Münster entfernen. Die Giessfrom des Konzilssiegels wurde zertrümmert. Eifrig bemühte man sich, die Spuren des schmählich beendeten Konzils zu tilgen. In der Erinnerung des Volkes blieben die prachtvollen Festlichkeiten und das jahrelange Treiben fremdländischer Gesandter in den Strassen und Gassen als ferner Schatten an das Konzil zu Basel zurück.




Querverweise:

>> Konklave und Papstwahl in Basel 1439
>> Das Haus zur Mücke



Literatur:

M.Alioth/U.Barth/D.Huber, Basler Stadtgeschichte, Band 2, 1981, Friedrich Reinhardt Verlag, ISBN 3-7245-0489-6, Seite 35

Paul Kölner, Anno dazumal, 1929, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Seiten 41 bis 49

Historisches Lexikon der Schweiz, publiziert im Internet unter: http://www.snl.ch/dhs/externe/protect/textes/D17162.html

Friedrich Wilhelm Bautz, Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band I Spalten 1553 bis 1555, publiziert im Internet unter: http://www.bautz.de/bbkl/e/eugen_iv_p.shtml

Ilona Riedel-Spangenberger, Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band VI Spalten 696 bis 701, publiziert im Internet unter: http://www.bautz.de/bbkl/n/nicolaus_d_t.shtml

René Teuteberg, Basler Geschichte, 2.Auflage 1988, Christoph Merian Verlag, ISBN 3-856-16-034-5, Seiten 153 bis 162

Barbara Tuchmann, Der ferne Spiegel, 12.Auflage 1994, DTV, ISBN 3-423-30081-7, Seite 299

Aryeh Grabois, Enzyklopädie des Mittelalters, ohne Jahr, Atlantis Verlag, ISBN 3-7611-0726-9, Seiten 191 bis 192, 201, 438 und 546

Fritz Meier, Basler Heimatgeschichte, 5.Auflage 1974, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Seiten 129 bis 132

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