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Konklave und Papstwahl in Basel 1439
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Eines der wichtigsten Ereignisses des Konzils zu Basel 1431-1448 war die Wahl von Papst Felix V. Vorausgegangen war dem ein sich stetig vertiefendes Zerwürfnis zwischen Papst Eugen IV. in Rom und dem Konzil zu Basel. Ein im Januar 1438 in Ferrara eröffnetes Unionskonzil sollte nach dem Willen des Papstes das Basler Konzil ablösen. Während päpstlich gesonnene Teilnehmer des Konzils Basel verliessen um nach Ferrara zu eilen, tagte in Basel nunmehr das Gegenkonzil unbeirrt weiter.

Am Rheinknie musste man erkennen, dass der Papst in Rom nicht im Traum daran dachte, die von Konzil zu Basel in Anspruch genommene generelle Kompetenz über die ganze Kirche anzuerkennen. Daher warf man Eugen IV. in Basel vor, dass er die aus dem Konzil zu Konstanz hervorgegangene Lehre von der Superiorität des Konzils leugne, und erklärte ihn am 25.Juni 1439 für abgesetzt. Der Papst wiederum, liess sich so leicht nicht vom Stuhle Petri stossen.So gab es bald zwei Päpste.


haus zur muecke

Das Haus zur Mücke am Schlüsselberg, wie es heute aussieht. Im Vorgängerbau dieses Hauses wurde im November 1439 Herzog Amadeus von Savoyen in einem einwöchigen Konklave zum Papst gewählt.

Um den eingeschlagenen Weg konsequent zu verfolgen, musste nun das Konzil zu Basel ein eigenes Kirchenoberhaupt wählen, einen Gegenpapst. Eine solche Wahl musste an einem hermetisch abgeriegelten Ort stattfinden, den man als Wahllokal auch als Konklave (aus dem Lateinischen "cum clave" - "mit dem Schlüssel". Später auch auf die Gemeinschaft der Wählenden übergegangene Bezeichnung) bezeichnete. Als erstes Konklave gilt die Wahl von Coelestin IV. Im Jahr 1241.


Die geschützte Papstwahl

Der Gedanke des Konklave war es, die wählenden Kardinäle völlig abzuschirmen damit sie sich ohne äusseren Einfluss auf einen Papst einigten. Man möchte glauben, dass sich eingeschlossene Wähler im Interesse der eigenen Bewegungsfreiheit möglichst speditiv auf einen Kandidaten einigen sollten. Dies war aber schon bei Coelestin IV. nicht so, wo zwei Monate lang gebrütet wurde ehe man sich auf ihn einigte. Noch länger dauerte es 1243 bei Innozenz IV. - zwanzig Monate.

Der Wahl von Papst Gregor X. im Jahr 1271 war sogar eine Vakanz von beinahe drei Jahren vorausgegangen. Um die saumseligen Kardinäle bei ihrer Wahl zu einer raschen Lösung zu motivieren, sollen sie die ungeduldigen Bürger von Viterbo schliesslich bewacht von Bewaffneten ohne Nahrung in den Papstpalast gesperrt haben. Als keine Besserung eintrat, deckte man den Kardinälen auch noch das Dach über dem Kopf ab, damit die Witterung ihre Entschlusskraft fördere.

Natürlich hoffte man in Basel auf eine schnellere Entscheidung. Man fand im Haus zur Mücke am Schlüsselberg ein Gebäude welches geeignet war um das Konklave abzuhalten. Vorab waren einige bauliche Massnahmen nötig, um die erforderliche Abgeschiedenheit der Wähler zu gewährleisten. Die Fenster des Hauses wurden vermauert, nur kleine Luftlöcher blieben offen, durch die spärlich das Licht des Tages in die Düsternis ins Innere fiel. Absperrungen wurden um das Haus errichtet.


Abgeschieden von der Welt

Im Raum zwischen Absperrung und Haus achteten bewaffnete Wachen darauf, dass sich niemand unbefugt den Mauern des Hauses näherte. Es gab nur einen Zugang, eine Art Schleuse die als Schalter fungierte. Dieser Zugang war mit drei Schlössern gesichert. Zum Öffnen benötigte man von den Protektor und den Vizekämmerer mit den Schlüsseln für die beiden Schlösser aussen, und den Kardinal Ludwig von Arles, der als Vorsitzender des Konklaves den Schlüssel für das Schloss innen hatte.

Zweimal pro Tag wurde durch den Zugang das Essen geliefert. Der Vizekämmerer brachte die Speisen in Holzkistchen (zuvor auf schriftliches Schmuggelgut durchsucht) zum Schalter. Die Kistchen trugen die Wappen der Empfänger und wurden vom Zeremonienmeister hinter dem Schalter entgegengenommen. Zugelassen war nur was dem Speiseplan entsprach. Die wieder herausgereichten Speisereste gab man den Armen. Am Schalter durfte nur laut und deutlich in Latein gesprochen werden.

Im Haus zur Mücke hatte man für die Wähler 34 kleine Zellen mit Tannenholzwänden eingerichtet, die gerade Raum für ein schmales Bett und eine Tischlein boten, und die mit durchsichtigen Vorhängen zu schliessen waren. Die Ecken des Hauses wiesen bescheidene Luftlöcher auf, durch die etwas Licht ins Haus fiel. Die Zellen im Kern des Hauses lagen aber in völliger Dunkelheit, so dass man nur im Schein von Kerzen lesen, essen und nachdenken konnte. Die Zellen waren auf zwei Stockwerke verteilt.


Ungesunde Unterkünfte

Pech hatte, wer eine Zelle im Erdgeschoss bekam. Dort war es wegen des kalten Bodens so feucht dass alle Wähler im Parterre mit rheumatischen Beschwerden aus dem Konklave kamen. Da die Wähler ein bis zwei Diener mitbrachten, war das Haus mit (inklusive zweier Zeremonienmeister) mit 86 Personen gut besetzt. Es war Ende Oktober und wegen der Brandgefahr wurde im verschlossenen Haus nicht geheizt. Die ganze eingesperrte Schar sei ein einziges Hüsteln und Kränkeln gewesen.

Darüber hinaus plagte einzelne Wähler noch besondere Ungemach. Zum Beispiel war ein Archidiakon aus Polen sehr unglücklich über den bescheidenen Speiseplan. Andere Wähler wollten ihn trösten, und verweisen darauf dass selbst der Vorsitzenden Kardinal von Arles dieses Los teile. Das vermochte den Klagenden aber nicht zu besänftigen. Er betonte dass der Vorsitzende schliesslich ein bauchloser Franzose sei, der Tag und Nacht arbeiten könne. Bei einem Polen sei dies aber eine andere Sache.

Morgens zwischen vier und fünf Uhr wurde von den Wählern erwartet, dass sie sich Beten oder mit einer Einzelmesse zu Tagesbeginn beschäftigten. Es folgte eine gemeinsame Messe und ein Hymnus auf den Heiligen Geist. Danach schritt man zur Beratung und zur Wahl. Der folgte das Essen und Mittagsruhe bis 15.00 Uhr. Danach besprach man bis 19.00 Uhr die Kandidaten die auf den Wahlzetteln aufgetreten waren. Schliesslich folgte dem Abendessen die Nachtruhe ab 22.00 Uhr.


Wahlgänge im Haus zur Mücke

Um gewählt zu werden musste ein Kandidat eine Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen auf sich vereinigen. Auf Wahlzettel schrieb beim Wahlgang jeder ein bis zwei Kandidaten und seinen eigenen Namen. Die Zettel wurden in ein silbernes Becken geworfen, welches auf einer kleinen Bank vor dem Vorsitzenden Kardinal von Arles beim Altar stand. Dann verlas der Vorsitzende die Zettel, während vier Schreiber Protokoll führten. Man wählte tagelang ohne ein klares Votum zu erreichen.

Nach mehreren Wahlgängen zeichnete sich jedoch der fromme Herzog Amadeus von Savoyen als Kandidat mit Chancen ab. Er kam zwar nicht auf die Mehrheit von zwei Dritteln, vereinigte aber die meisten Stimmen auf sich. Derweil war eine Woche ohne Ergebnis vergangen, und die Stadt draussen wurde unruhig. Am 5.November zog dann gegen zehn Uhr morgens eine Prozession vor dem Haus zur Mücke auf, um den Allmächtigen um Rat und Eingebung für die Wahl des Papstes zu bitten.

Es soll angeblich just zu dieser Zeit geschehen sein, dass der letzte Wahlgang im Konklave mit 26 von 33 gültigen Stimmen Herzog Amadeus von Savoyen mit der nötigen Mehrheit gewählt wurde. Sogleich liess man die vermauerten Fenster zum Münsterplatz hin aufbrechen. Mit Beilen habe man die verrammelten Türen aufgehauen und aus dem Fenster über dem Eingang hielt man als Zeichen der gelungenen Wahl ein silbernes Kruzifix. Es hatte sieben Tage gedauert.


papst felix v

Der glücklose Papst Felix V. nach einem Holzschnitt der Chronik Wurstisen. Gewählt 1439 wurde Amadeus von Savoyen 1440 auf dem Münsterplatz (im Hintergrund) zum Papst gekrönt. Ohne richtig an Einfluss und Anerkennung zu gewinnen, dankte er im April 1449 ab und starb im Jahr 1451.

"Wir haben einen Papst"

Der Vorsitzende verlas der wartenden Menge den Namen des Gewählten und hielt eine Ansprache, die der Domdekan von Basel ins Deutsche übersetzte. Er gab auch dem Volk den Segen. Die Wähler stimmten im Haus das Tedeum an und man begann die Basler Kirchenglocken zu läuten. Um 15.00 Uhr versammelte sich die niedere und hohe Geistlichkeit im vollen Ornat vor dem Haus, um die Wähler zu empfangen. Diese seien nach einer Woche im Dunkeln bleich und schlotternd herausgekommen.

Feierlich zog die ganze Gemeinschaft dann vom Schlüsselberg über den Münsterplatz ins Münster, um dort die Wahl mit Gesang und Gebet gebührend zu feiern. Eine Abordnung suchte den Gewählten auf, der die Wahl annahm. Herzog Amadeus von Savoyen kam nach Basel um am 24.Juli 1440 zu Papst Felix V. gekrönt zu werden. Die Krönung wurde wegen Platzmangel unter freiem Himmel auf dem Münsterplatz vollzogen. Das Volk begrüsste den Papst mit einem vielfachen "Vivat papa!".

Literatur:

Paul Kölner, Anno dazumal, 1929, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Seiten 46 bis 47

Valentin Lötscher, "Das Haus zur Mücke" im Basler Jahrbuch 1958, 1957 Verlag von Helbing & Lichtenhahn, Seiten 108 bis 112

Martin Anton Schmid, "Das Basler Konzil - Ursachen, Verlauf, Bedeutung" im Basler Stadtbuch 1981, 1982 Christoph Merian Verlag, ISBN 3-856-16-013-2, Seiten 175 bis 177

katholisches Deutschland, Website unter www.kath.de, zum Konklave http://www.kath.de/kurs/vatikan/konklave.php

engel

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