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die fussnoten
Der Weg zur Strassenfasnacht
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Die Verbote 1798/99 hatten weniger moralische Gründe. Man war eher besorgt dass in der Fasnachtszeit Systemkritik leichter über des Volkes Lippen käme. Französische Besatzungstruppen drohten gegen alle Umzüge vorgehen. Diese Verbote hatten mehr Wirkung als jene früherer Zeiten. Nur die Knaben durften mit Billigung des französischen Kommandanten zur Fasnacht Trommeln.

drummle verbotte

Mit dem Ende der Helvetik kamen bessere Zeiten. Betuchte Bürger organisierten 1802 einen Umzug der nicht nur der Jugend vorbehalten war. Auch Erwachsene nahmen nun teil. Abends zog man gruppenweise umher um sich bei Tanz und Wein zu vergnügen. Auf Februar 1803 liess der kantonale Unterstatthalter Richtlinien zur Durchführung der Fasnacht publizieren.

Das Verkleiden blieb erlaubt, aber verboten waren Kostüme die den Klerus oder eine Religion betrafen oder den Sitten zuwider liefen. Wer entsprechend auftrat wanderte für zwei Tage ins Gefängnis. Schiessen innerhalb der Stadtmauern war bei 8 Franken Strafe verboten. Das Trommeln war nur von 28.Februar bis 2.März gestattet. Fehlbaren drohte das Konfiszieren der Trommel.


Der Klerus macht sich Sorgen

Kaum kam wieder Leben in die Fasnacht, meldete sich erneut die Geistlichkeit. Sie klagte beim Magistrat darüber dass zur Fasnacht 1806 viel Geld verprasst worden sei. Nicht bloss dass die Begüterten für Kostüme zu Bällen viel ausgaben - auch das gemeine Volk liess drei Tage die Arbeit ruhen und lebte herrlich als ob es ihm bestens ginge.

Solch Gebahren mache nur Nachbarn neidisch. Die Regierenden waren wohl besorgt um den klerikalen Seelenfrieden und verboten auf 1807 einmal mehr die Fasnacht. Das vielfache Murren des Volks bewirkte jedoch dass auch dieses Verbot nicht von Dauer war, und 1809 konnte sich die Stadt wieder an einem prächtigen "Carnevalszug" erfreuen.

Erstmals tauchte 1808 die Bezeichnung "Morgenstreich" in amtlichen Verordnungen zur Fasnacht auf. Im 18.Jh war das Trommeln zur Fasnacht nicht vor sieben Uhr morgens gestattet. Es ist allerdings aus dem Jahr 1797 bekannt, dass am 6.März bereits um vier Uhr früh' die Leute zur Fasnacht mit Schiessen und Trommeln geweckt worden seien.


barfuesserplatz

Der alte Barfüsserplatz mit der inneren Stadtmauer am heutigen Steinenberg auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum. Hier endete 1833 bei der Weinschenke von Samuel Bell der von ihm organisierte ungesetzliche Morgenstreich.

Der Morgenstreich erscheint

Vorab war es eine illegale Aktion, denn der Morgenstreich sollte erst später seinen regulären Beginn zur heute noch üblichen Stunde haben. Nach einer wilden Aktion des als renitent bekannten Metzgers Samuel Bell am 27.Februar 1833 (siehe Querverweis zum Morgenstreich) war der Weg für eine Fasnacht in moderner Form geebnet.

Im Jahr 1835 konnte die Fasnacht mit Morgenstreich um vier Uhr früh erstmals im Rahmen einer grosszügigen Regelung durchgeführt werden. Der fasnächtliche Umzug dieses Jahres unter dem Titel "Humoristisches Quodlibet" bot ein breites Spektrum an Sujets. Die Fakultäten der Universität, die Modeströmungen oder die Stände der Gesellschaft wurden verulkt.

Dies waren die Geburtswehen der modernen Strassenfasnacht. Eine Spezialität der Fasnacht, heute nicht mehr wegzudenken, erschien auch in jenen Jahren. Der erste überlieferte Schnitzelbank im Zusammenhang mit der Fasnacht geht wohl auf 1839 zurück. Seine Verse gingen später in eine Sammlung Baslerischer Kinder- und Volksreime ein.


Prinz Karneval in Basel

Die Fasnacht wurde 1841 durch ein "noch nie gesehenes Faschings-Divertissement" bereichert, einem Kinderfasnachtszug mit über 800 Teilnehmern. An der Spitze ritt Prinz Karneval mit Entourage einher, gefolgt von einer Blechmusik in altertümlichen Kostümen. Ferner zogen die Bannerträger der Zünfte zum Schlüssel, zu Hausgenossen und zu Weinleuten mit.

Die Kleinbasler Gesellschaften wurden geführt von den Tambouren der Waisenknaben, die Kostüme aus alten Uniformen französischer Schweizergardisten trugen. Ihnen folgten die Ehrenzeichen Leu, wilder Mann und Vogel Gryff. Im Zug waren Figuren aus Carl Maria von Webers Oper Der Freischütz wie auch aus Mozarts Zauberflöte vertreten. Langsam fand die Fasnacht die Aufmerksamkeit der Presse.




Querverweise zur Fasnachtsgeschichte:

>> Die Basler Fasnacht
>> Ursprünge der Basler Fasnacht
>> Quartierumzüge zur Fasnacht
>> Der Morgenstreich
>> Die alten Cliquen 1884 bis 1938
>> Die Entstehung der Guggemusik 1906 bis 1965
>> Der Tambourmajor



Literatur:

Fritz Meier, Basler Heimatgeschichte, 5.Auflage 1974, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Seiten 352 bis 355

Paul Koelner, Die Basler Fastnacht, 1913, Universtitätsbuchdruckerei Friedrich Reinhardt, Seiten 19 bis 24, 34 bis bis 52

Eugen A.Meier, die Basler Fasnacht, 2.Auflage 1986, Herausgegeben vom Fasnachts-Comité, ISBN 3-9060-7200-1, Seiten 54 bis 82

Georg Duthaler, Trommeln und Pfeifen in Basel, 1985, Christoph Merian Verlag, ISBN 8-856-16-023-10, Seite 85

Willy Riggenbach in "75 Jahre Basler Mittwoch Gesellschaft", 1982, Kirschgarten AG, Seiten 10 bis 15

engel

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