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Der Sevogelbrunnen


Martinskirchplatz 

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Auf dem Martinskirchplatz endete im Mittelalter die Wasserleitung des Münsterbrunnwerks. Auf dem Friedhof der Martinskirche ist ein von ihr gespiesener Kirchhofbrunnen zu St.Martin bereits für die Zeit vor 1349 belegbar. Das Wasser des Brunnwerks versorgte ferner im 15.Jh die Hofstatt der Eptinger, die sich dort befand wo heute das Staatsarchiv zu finden ist. Der Brunnen auf dem Kirchhof wurde noch im 14.Jh durch den Martinskirchplatzbrunnen ersetzt.



Der Sevogelbrunnen auf dem Martinskirchplatz, wie er seit 1899 zu sehen ist. Damals kam die Säule auf den bereits seit 1854 existierenden Trog.

Dieser neue Brunnen besass einen grossen rechteckigen Trog, wahrscheinlich noch aus Holz. Die wasserspendende Röhre verlief durch einen sechseckigen Brunnstock. Ihm folgte später der Martinsbrunnen, der bis 1851 direkt an die Kapelle der Spinnwetterzunft angebaut war. Sein Trog bestand aus Kalkstein. Als Mitte des 19.Jh der Kirchplatz umgestaltet wurde, musste der Brunnen weichen und bekam einen neuen Standort an der Mauer des Rathausgartens.
Dort bekam der Brunnen einen neuen Trog mit der eingehauenen Jahreszahl 1854. Die Säule mit den Basler Halbartier fand erst mit dem Umbau des Rathauses um die Jahrhundertwende den Weg auf den Martinskirchplatz. Diese Säule hat eine eigene Odyssee zu erzählen, stand sie doch einst auf dem alten Marktplatz auf dem Kornmarktbrunnen. Dieser Brunnen hatte seine Wurzeln wohl bereits im 13.Jh auf dem damals noch Kornmarkt genannten Platz.
Sein Wasser kam wahrscheinlich aus Quellen an der Schneidergasse. Konkret wird erst 1380 an dieser Stelle ein Stockbrunnen mit einer Figur genannt. Ziemlich sicher war dies der Christophorusbrunnen, den eine Skulptur des heiligen Nothelfers krönte. Ausgerechnet ein verheerendes Hochwasser des Birsig am 14.Juni 1529 wurde dem urchigen Naturburschen, der einst den Jesusknaben auf seinen Schultern sicher durch den Fluss trug, zum tödlichen Verhängnis.
Geschädigt durch Birsighochasser

Laut dem Chronisten Fridolin Ryff zerbrachen die Fluten den Brunnen, und schwemmten ihn hinweg, samt Stock und Trog. Der Heilige Christophorus versank endgültig. Der Rat von Basel liess bald einen neuen Brunnen erstellen, aber die Stadt war mit der Reformation evangelisch geworden, und hatte mit Heiligen nicht mehr viel am Hut. Stattdessen wurde Meister Martin Hofmann mit der Schaffung einer Skulptur eines geharnischten Basler Kriegers beauftragt.



Säule und Harnischmann, geschaffen 1546/47 von Hans Dobel aus Strassburg. Fälschlicherweise deutete das Volk den Geharnischten als den 1444 bei St.Jakob gefallenen Hauptmann Henmann Sevogel.

Anstelle des heiligen Christophorus stand im Sommer 1530 das weltliche Sinnbild des Basler Wehrwillens mit einem Baslerbanner auf der Säule des neuen Brunnens. Aber auch mit dem Krieger meinte es der Birsig nicht gut, denn fünfzehn Tage nach der Einweihung zerstörte ein erneutes kraftvolles Hochwasser den Brunnen und das so teure Standbild. Danach vergingen die Jahre ohne Standbild, bis 1546 der Rat sich an Hans Dobel aus Strassburg wandte.
Er sollte für den Brunnen ein Standbild mit Säule schaffen. Der neue Krieger hielt anstatt des Banners eine Halbarte. So schmückte er den Kornmarktbrunnen bis 1887/88 die Marktgasse entstand. Dabei war der Brunnen im Weg und musste weichen. Säule und Skulptur wanderten in die Rumpelkammer des Museums. Als 1899 der Umbau des Rathauses im Gange war, gelangte der Halbartier dann auf den Martinskirchplatz, wo das Volk in ihm bald den Hauptmann Sevogel sah.



Querverweise zum Thema:

>> Basel und seine Wasserversorgung

>> Augustinergassebrunnen

>> Augenspitalbrunnen

>> Fischmarktbrunnen

>> Gerberbrunnen am Gerberberglein

>> Hasenbrunnen am Hasenberg

>> Pisonibrunnen auf dem Münsterplatz

>> Urbansbrunnen am Blumenrain


Beitrag erstellt 02.07.06 / Quellen nachgeordnet 16.06.09

Quellen:

Emil Blum/Theophil Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde (Textband), Verlag Hermann Krüsi, Basel, 1913, Seiten 63 bis 64

Arthur Burger, Brunnengeschichte der Stadt Basel, herausgegeben vom Verkehrsverein Basel, Basel, 1970, Seiten 14 bis 16, 67 bis 69

Robert B.Christ und Peter Heman, Zauber der Basler Brunnen, Birkhäuser Verlag, Basel, 1967, Beitrag 8

Eugen Alfred Meier, Basel Einst und Jetzt, 3.Auflage, Buchverlag Basler Zeitung, Basel, 1995, ISBN 3-85815-266-3, Seiten 66 bis 67
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