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Die Ulrichskirche an der Rittergasse


Rittergasse 5 

Tram 15, 2 - Kunstmuseum
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Erste Nennung im 13.Jahrhundert

St.Ulrich wird 1219 erstmals als Kaplanei des Domstifts genannt. Es gibt jedoch Hinweise die ein Gotteshaus zu früheren Zeiten dort vermuten lassen. Jenseits des Standorts der Ulrichskirche an der Rittergasse 5, auf dem Areal des heutigen archäologischen Parks zum Murus Gallicus, wurden Gräber eines Friedhofs aus dem 8./9.Jh gefunden, wahrscheinlich von einer frühen Kapelle an der Kastellmauer.
Das Gotteshaus wurde bis ins 13.Jh derart bedeutungsvoll, dass die spätere Rittergasse um 1245 als St.Ulrichsgasse erwähnt wird. In den 1260er Jahren erlangte St.Ulrich den Status einer Pfarrkirche, da ihr der Domprobst die Pfarrei St.Margrethen übertrug. Diese Pfarrei umfasste den Dorfbann von Bottmingen, jenen von Binningen sowie die Vorstädte ausserhalb der alten Stadtmauer zwischen St.Alban und Birsig.
Dadurch wurde St.Margarethen bei Binningen zu einer Filiale von St.Ulrich herabgesetzt. Das kleine Gotteshaus hatte nun eine eigene Pfarrei die jedoch teilweise ziemlich weit entfernt lag. Ausserdem lag die Kirche nicht im Bezirk des eigenen Kirchsprengels sondern stets in jenem von St.Alban. Dennoch wurde St.Ulrich weiterhin wechselweise Kapelle oder Kirche genannt, was sich erst 1305 änderte, als für die Kirche ein Leutpriester belegt ist.
Ein Gotteshaus der kleinen Leute

Obwohl in gehobenem Umfeld gelegenen, war St.Ulrich ein Gotteshaus für einfache Leute. Es war die Kirche der Rebleute, Schäfer, Hafner und Weber. St.Ulrich hatte anfangs einen Begräbnisort direkt bei der Kirche. Im 14.Jh erlangte man die Rechte über den Friedhof des Spitals vor dem Aeschentor mit der dortigen Kapelle St.Elisabethen. Dazu ist für 1334 belegt, dass die Kapelle der Kirchgemeinde zu St.Ulrich gehörte.
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 Die Ulrichskirche von der Rittergasse her gesehen auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum um 1615. Angemerkt sei hier, dass auf dem Modell der Kohlischwibbogen vergessen wurde, der erst 1784 abgerissen wurde. Daher fehlt er hier an der Fassade.
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Von der Gestalt der Kirche

St.Ulrich wurde mit der Längsachse des Mittelschiffs parallel zu jener des nahen Münsters errichtet und stand zu Beginn direkt an der Mauer des einstigen römischen Kastells, unmittelbar ausserhalb des früheren Kastellbereichs. Wie das frühe Gotteshaus aussah lässt sich kaum mehr im Detail erörtern, es wurde beim Erdbeben von 1356 sehr stark beschädigt, so dass ein umfangreicher Neubau nötig wurde.
Die neue Ulrichskirche wurde verbreitert und damit um ein zweites Kirchenschiff erweitert, womit die Mauer des ehemaligen römische Kastells durchbrochen wurde. Nun ragte die Kirche in den alten von der Kastellmauer definierten Burgbann hinein. Damit wurde St.Ulrich in die Münsterfreiheit einbezogen. Im Jahr 1401 erwarb St.Ulrich das südlich vor der Kirche gelegene Hofgut Tüffenstein von Thüring von Ramstein zum Preis von 150 Goldgulden.
Auf dem neuerworbenen Areal wurde ein Friedhof für das Gotteshaus angelegt, womit der Begräbnisort der Gemeinde wieder von St.Elisabethen auf den Münsterhügel verlegt werden konnte. Im selben Jahr erschien erstmals die Bezeichnung "Leutkirche St.Ulrich auf Burg", womit deutlich wird dass die Kirche zum Burgbereich (innerhalb der alten Kastellmauern) auf dem Münsterhügel zählte, da sie ja die Mauer bei der Erweitung nach dem Erdbeben durchbrochen hatte.
Der Stadtbrand von 1417

Am 5. Juli 1417 wurde Basel von der grössten Feuersbrunst seiner Geschichte heimgesucht. Das Feuer brach an der Streitgasse aus und griff rasch um sich. Bald stand die Stadt zwischen Streitgasse und Rittergasse in Flammen, die Ulrichskirche brannte weitgehend aus. Zum Wiederaufbau musste Geld geliehen werden. 1421 wurde der Altar des Erasmus aus der Ulrichskirche in den Kreuzgang des Münsters verlegt.
St.Ulrich hatte insgesamt drei Altäre von denen der Altar des Heiligen Ulrich der älteste war. Ulrich (890 bis 973) war der Augsburger Schutzheilige der Winzer und Fischer ausserdem war er ein Wetter-, Wasser- und Reisepatron. Sein Altar wurde spätestens um 1219 gestiftet. 1268 folgte unter Domherr Hans von Ratolsdorf die Errichtung des Erasmusaltars. Nach dem grossen Brand gestattete 1417 der Domdekan die Verlegung des Altars in den Münsterkreuzgang, was dann vier Jahre darauf geschah.
Dafür bekam St.Ulrich noch vor 1439 einen neuen Altar, er war den Heiligen Antonius, Blasius und Aegidius geweiht. Das Bild der runinierten Ulrichskirche änderte sich völlig mit dem Neubau, der 1440 begonnen wurde und über zwanzig Jahre dauerte. Im neuen Kirchenbau blieb vom alten Gotteshaus lediglich der Chor erhalten. Es wurde ein Turm errichtet, was die Kirche aufwertete.
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 Mit schematischen Rotflächen und Elementen einer alten Fotographie ist hier der Standort der Kirche kurz vor ihrem Abriss 1886 rekonstruiert. Die hohen Kirchenfenster waren damals bereits etagenweise unterteilt.
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Der Kohlischwibbogen

Die Lage der Kirche auf der Achse der alten Kastellmauer war auch beim Neubau noch deutlich sichtbar, denn direkt aus der Fassadenfront an der heutigen Rittergasse heraus, überspannte der Kohlischwibbogen die Gasse. Er war vermutlich der letzte Rest des einstigen "Roten Turms bei St.Ulrich", der sich hier als Tor in der alten Kastellmauer erhob.
Der Schwibbogen verband die Kirche mit der Domherrenresidenz zum Diessbacherhof jenseits der Gasse und wurde 1784 abgerissen. Ein Blick auf den Grundriss von St.Ulrich, wie er sich noch vor dem Abriss im 19.Jh darbot, zeigt zahlreiche Unregelmässigkeiten die sich aus der Baugeschichte des Gotteshauses ergaben. Die Fassade an der heutigen Rittergasse verlief schief und war zudem in sich geknickt.
Die Seitenschiffe waren verschieden breit und der neue Kirchturm wurde 1440 in eines der Schiffe hineingebaut, was im Kircheninneren für weitere architektonische Disharmonie sorgte. Der Grundriss der Sakristei sah aus wie ein verzogenes Rechteck. Trotz des Neubaus in der Mitte des 15.Jh hielt in der St.Ulrichskirche ein allmählicher Niedergang Einzug.
Der Niedergang beginnt

Die Filialkirche St.Elisabethen wurde ab 1502 als Leutkirche bezeichnet. Das Ansehen der Elisabethenkirche wurde mit deren Neubau um 1516 noch gesteigert, so dass sie ab dann mindestens so bedeutsam wie die Mutterkirche St.Ulrich war. 1523 war Magister Jakob Immeli sowohl für St.Elisabethen als auch für St.Ulrich als Leutpriester eingesetzt.
Er war der erste der das Abendmahl in einer neuen Weise abhielt und somit zu einem Vorkämpfer der Reformation wurde. Da er seine Köchin Margaretha Busch heiratete wurde ihm 1524 die Absetzung angedroht. Im Jahr darauf wurde er tatsächlich seines Amtes enthoben weil er sich geweigert hatte, die Messe zu lesen. Mit der Reformation trat die Ulrichskirche vollends hinter St.Elisabethen zurück.
Der erste Pfarrer nach der Wende war Thomas Geyerfalk, der als Priester zu St.Elisabethen selten in der Ulrichskirche anzutreffen war. In seinem ersten Amtsjahr zog der Bildersturm durch das Gotteshaus an der Rittergasse. Fanatiker zerstörten Bilder- und Figurenschmuck der Kirche. Im 17.Jh wurde St.Margarethen wieder eine selbständige Pfarrkirche, denn St.Ulrich wurden Binningen und Bottmingen entzogen und dem Gotteshaus auf dem Margrethenhügel zugeführt.
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 Die St.Ulrichskirche vom Rhein her gesehen. Gut erkennbar ist der ins Seitenschiff hineingebaute Turm des 15.Jahrhunderts.
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Von der Kirche zum Lagerhaus

Die Kirche wurde nunmehr für weltliche Zwecke genutzt. Zwischen 1733 und 1736 baute man St.Ulrich zu einem Getreidelager um. Dazu baute Johann Tschudi in die Kirche vier Zwischenböden ein, auf denen 3000 Sack Korn Platz fanden. Die hohen Fenster wurden stockwerkweise unterteilt und neue Fenster wurden aus den Mauern gebrochen. Der Dachstuhl wurde abgeändert. Im Turm wurde eine Wendeltreppe eingebaut und man richtete einen Lastenaufzug mit Tretradbetrieb ein.
Es wurde berichtet, dass beim Umbau Grabsteine zutage gekommen seien, die man gleich als Baumaterial nutzte. 1761 beklage man sich über den schlechten Zustand des Daches. Im Jahr 1800 brachte man einen Artilleriepark der französischen Besatzungtruppen in Basel in der einstigen St.Ulrichkirche unter. Ausserdem diente das frühere Gotteshaus als Unterkunft für österreichische Kriegsgefangene.
Um 1802 diente das Gebäude als Lager für Messebuden, allerdings musste im selben Jahr erneut Platz für französisches Militär gemacht werden, welches dort seine Soldaten unterbrachte. Als die Allierten 1813 und 1814 gegen Napoleon durch Basel zogen, wurde zu St.Ulrich ein Pferdestall für die Truppen eingerichtet. Später lagerte das Militär dort Lebensmittelvorräte ein.
Anno 1817 mieteten zwei Geschäftsleute namens Von der Mühl und Burckhardt die ehemalige Kirche um sie als Magazin zu nutzen. Vor dem Kirchengebäude wurde 1837 und 1861 die Rittergasse erheblich abgetragen. Dabei kamen römische Grabsteine zutage, die vermutlich in spätrömischer Zeit als wiederverwertetes Baumaterial aus Augst herangeschafft wurden.
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 Der Blick aus dem archäologischen Park, wo Gräber der Friedhofes aus dem 8./9.Jahrhundert gefunden wurden, zum Standort der einstigen Kirche. Die rot markierte Wand des früheren Schulhauses bezeichnet die Mauer in der noch Reste der Ulrichskirche erhalten sind.
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Die Kirche weicht einer Turnhalle

Bis 1861 hatte wohl auch die Schneiderzunft einige Lagerräume im Kirchengebäude. Ab 1869 war hier provisorisch ein Klassenzimmer des Realgymnasiums untergebracht. Ferner hatte hier um 1873 eine Speisehütte und um 1881 das Büro des deutschen Hilfsvereins seinen Sitz. Das Ende für St.Ulrich kam als die Stadt beschloss, anstelle der alten Kirche eine Turnhalle an der Rittergasse zu errichten.
Um 1886/87 wurde das ehemalige Gotteshaus abgerissen. Einzig die Nordwand des nördlichen Kirchenschiffs, an welche in den 1850er Jahren das Rote Schulhaus angebaut wurde, blieb stehen. An dieser Mauer blieben bis 1931 eine Reihe Fresken aus dem frühen 16.Jahrhundert erhalten, die über einen Zeitraum von mehr als vierzig Jahren der Witterung ausgesetzt waren.
Es handelte sich um eine Passionsdarstellung in 24 Bildern, von denen einige noch erkennbare Partien 1931 sorgsam abgenommen wurden und ins Kunstmuseum gelangten. Die Südwand des alten Schulhauses (heutige Liegenschaft Rittergasse Nummer 3) birgt heute den letzten noch existierenden Mauerrest der verschwundenen St.Ulrichskirche.



Querverweise:

>> St.Elisabethen - einst St.Ulrich unterstellt

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Literatur:
Eugen A. Meier, Basel Einst und Jetzt, 3. Auflage 1995, Buchverlag Basler Zeitung, ISBN 33-85815-266-3, Seite 70
Eugen A. Meier, Das verschwundene Basel, 1968 Pharos Verlag, Seiten 86 bis 87
E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seiten 40 bis 41
François Maurer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 5, 1966, Birkhäuser Verlag, Seiten 417 bis 438
Johannes Bernoulli, Die Kirchgemeinden Basels vor der Reformation, Beitrag im Basler Jahrbuch 1894, Verlag R.Reich, Seiten 220 bis 243
Rudolf Kaufmann, Basel - das alte Stadtbild, 1936, Birkhäuser Verlag, Beitrag 32
Karl Gauss, Basilea Reformata, 1930, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft, Seiten 75 und 91
Heinrich Weiss, Versuch einer kleinen und schwachen Beschreibung der Kirchen und Klöster in der Stadt und Landschaft Basel, 1834, Seite 14
Jahresbericht 1971 der Archäologischen Bodenforschung BS in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Die Grabungen in den beiden Turnhallen an der Rittergasse 5, Seiten 392 bis 419
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