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Die St.Theodorskirche am Wettsteinplatz
© by altbasel.ch

Theodorskirchplatz 5lageplan

Tram- / Bushaltestelle Wettsteinplatz

Dorfkirche von Niederbasel?

Die Details liegen im Dunkel des frühen Mittelalters. Anzunehmen ist aber, dass das heutige Kleinbasel einen Teil seiner Wurzeln dem rheinaufwärts liegenden verschwundenen Dorf Niederbasel verdankt, welches ab 1084 belegbar ist. Das Dorf gehörte wohl dem Basler Bischof Burkhard von Fenis, der 1101/1103 die dortige Kirche samt allen Rechten dem von ihm gegründeten Kloster St.Alban am jenseitigen Rheinufer zukommen liess.

st.theodor

Die Theodorskirche auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum um 1615.

1 - Südteil des Kirchhofes bei der Allerheiligenkapelle
2 - Die Theodorskirche
3 - Nordteil des Kirchhofes
4 - Ab 1779 neuer Gottesacker -"Merian'scher Totenacker"

Dazu sei angemerkt, dass im frühen Kleinbasel, wie für das 13.Jh belegt, dem Bischof von Konstanz die geistlichen Dinge oblagen, während der Grundherr im weltlichen Sinne der Bischof von Basel war. Erst 200 Jahre später begann mit dem Wechsel von der Konstanzer Gottesdienstordnung zu jener des Basler Domkapitels die Lösung Kleinbasels vom Bistum Konstanz.

Ein Indiz für die Existenz einer Kirche mit Begräbnisrecht zur Zeit der ersten Nennung 1101/1103 mag der Fund von Gräbern sein, welche zum Kirchhof um das Gotteshaus gehörten. Man datierte die Bestattungen 1993 frühstens auf das 11.Jh. Sicherlich hat aber an dieser Stelle schon früher eine Kirche gestanden. Interessant ist ferner die Tatsache, dass 1984 nahe ausserhalb des Kirchofes noch ältere Gräber aus dem frühen Mittelalter zutage kamen.


Die Gemeinde wandert ab

Möglicherweise hatte es mehrere solche Beisetzungen aus dem frühen Mittelalter auch auf dem Gebiet des Kirchhofes gegeben, waren dann aber spätere Bestattungen verwischt worden. Innerhalb der Kirche fand man 1947 Gräber die aus dem 8.Jh. stammen dürften. Ein frühmittelalterlicher Begräbnisort mit Kirche an der Stelle wo sich heute St.Theodor erhebt ist also wahrscheinlich.

Die Kirche nahm eine zentrale Stellung im frühen Kleinbasel ein, verlor aber mit dem Bau der Rheinbrücke ab 1225 an Bedeutung. Die Kirchgänger verliessen das alte Dorf und siedelten sich um den Brückenkopf weiter stromabwärts an. Das Gotteshaus blieb dadurch einsam und allein im Abseits zurück, während die Gläubigen begannen die Nähe Gottes jenseits des Rheines zu St.Martin zu suchen.

Da eine solche Abwanderung auch finanzielle Einbussen mit sich brachte, bekam das alte Gotteshaus 1255 eine kleine Filiale an der Rheinbrücke, um die Kirchgänger im Kleinbasel zu halten. Zur der Gründung der Tochterkapelle St.Niklaus wurde auch erstmals namentlich der Schutzheilige St.Theodor für die Mutterkirche genannt.


Der Bischof von Basel als Patronatsherr

Im Jahr 1259 übernahm namens des Domkapitels Domprobst Heinrich von Neuenburg das Patronatsrecht von St.Theodor vom Kloster St.Alban. Er bekam dieses Privileg als Entschädigung dafür dass St.Alban eine Reihe von Pfarreirechten in Grossbasel zugesprochen erhielt. Als 1265 Heinrich von Neuenburg Bischof von Basel war, hatte er dieses Patronat mit ins Amt genommen.

Damit übte der Bischofsstuhl von Basel nach rund 160 Jahren wieder die Kirchengewalt über St.Theodor aus. Indes sollte die Position als Kleinbasler Pfarrkirche 1279 ins Wanken geraten als der damalige Bischof Heinrich von Isny St.Theodor dem Clarissenorden anbot. Der Widerstand der Domherren und der Unwille der Kleinbasler brachte aber dieses Geschäft zum scheitern.

Er hatte vier Jahre zuvor die Kirche als Baustelle von seinem Amtsvorgänger übernommen, der St.Theodor vermutlich schon ab 1259 zu neuer Pracht ausbauen liess. Als die Kirche in ihrer neuen Gestalt nach dem Umbau im Jahre 1277 vom Weihbischof von Konstanz geweiht wurde, bot sie mit ihren zwei Türmen einen stattlichen Anblick.


Von der Stadtmauer umschlossen

Es schwebt über diesem krönenden Umbauabschluss allerdings der Verdacht, dass der Bauherr Bischof Heinrich von Isny das grosse Projekt seines Vorgängers Heinrich von Neuenburg vorzeitig abwürgte, weil er ihn nicht leiden konnte. Dies würde sich mit seinem misslungenen Versuch decken, die Theodorskirche loszuwerden indem er sie den Clarissen als Heimstatt anbot.

Wenig später wurde die Theodorskirche mit der Erweiterung der Stadtmauer nach Osten vom Mauerring umschlossen. Wie der damalige Bischofshof im St.Margarethental, aus dem später das Kartäuserkloster entstand, lag nun St.Theodor geborgen innerhalb der neuen Mauern Kleinbasels. Das Patronat der Kirche ging 1314 definiv an das Domkapitel über, womit auch weitere Arbeiten am Bau begannen.

Das Langhaus wurde schon zu Beginn des 14.Jh erbaut und der Chor entstand unter dem Domkapitel und muss 1319 vollendet gewesen sein. In diesem Jahr gelangte der in Bischofszell erworbene Arm des Heiligen Theodor (oder was auch immer dafür gehalten wurde) als Reliquie in den Kirchenschatz. Im Gegensatz zum 1259 an den damaligen Bischof abgegebenen Patronatsrecht zu St.Theodor, blieb die Grundherrschaft bis 1331 beim Kloster St.Alban, bis sie vom Domkapitel erworben wurde.

st.theodor

Die Westfassade der Theodorskirche mit dem Mittelschiff und den Seitenschiffen vom Eingang des heutigen Waisenhauses gesehen. Der Giebel an dieser Wand brach beim Erdbeben von 1356 zusammen und musste erneuert werden. Das Portal erreichte man früher über dem umliegenden Kirchhof.
Das Erdbeben von 1356

Ein Bericht aus dem Jahr 1402 besagt, dass das Erdbeben von 1356 die Kirche recht mitgenommen zurückliess, denn sie sei "erschüttert, umgeworfen und aus der Form gebracht" worden. Das Chorgewölbe und der Westgiebel brachen zusammen. Das Langhaus wurde erheblich beschädigt und die beiden Türme der Kirche verloren einige ihrer Stockwerke.

Bis zum heutigen Tag kennt man die Theodorskirche nur noch mit dem wiedererrichteten Nordturm während gegen den Wettsteinplatz hin lediglich ein überdachter Stummel vom Südturm zu ehen ist. Es sollte über zehn Jahre dauern bis 1377 der Hochaltar und wahrscheinlich auch die wiederhergerichtete Kirche vom Weihbischof von Konstanz geweiht werden konnten.

Kurz darauf übertrug wohl das Domkapitel die Baubelange einem Pfleger, der offenbar bald überlastet war, so dass 1391 bereits von zwei Pflegern die Rede ist. Als sich Gross-und Kleinbasel 1392 vereinigten blieb der Status von St.Theodor als Eigentum des Domkapitels unverändert, aber es war vorbei mit der Sonderstellung. Das Gotteshaus wurde nun eine unter vielen Basler Pfarrkirchen.


Die Kartäuser kommen

Direkt neben St.Theodor liessen sich 1402 Kartäusermönche nieder. Sie erbaten das Bestattungsrecht, das man ihnenaber nicht ohne weiteres überliess - erst nach mehrjährigem Streit gestanden das Domkapitel und Vikar Eberhard Schenk zu St.Theodor im 1404 dem Kloster, damals St.Margarethental genannt, das Begräbnisrecht gegen eine finanzielle Abfindung zu. Ferner durften die Kartäuser ausserhalb ihrer Klostermauern keine Sakramente spenden.

Wenig Freude dürfte zu St.Theodor auch bei der Neuerrichtung der Heiligkreuzkapelle geherrscht haben. Der Rat von Basel Verwaltete die Kapelle vor dem Riehentor ab 1402 und führte damit in der minderen Stadt ein von St.Theodor unabhängiges Gotteshaus. Ein Trost mag hier 1407 die Weihung der St.Anna-Kapelle vor dem Bläsitor gewesen sein, welche St.Theodor unterstand.

Solche Filialen konnten lukrativ sein, denn um 1422 beschloss der Rat dass alle Einnahmen der Kapelle für fünf Jahre der Mutterkirche zukommen sollten. Das Geld war bitter nötig, denn zu St.Theodor gab es noch immer viel zu bauen. Auch der Bischof von Konstanz wurde um eine Kostenbeteiligung angegangen und schliesslich konnte 1435 ein neuer Hochaltar zum Abschluss der Arbeiten geweiht werden.

Das 15.Jh brachte Nöte, Ängste und Seuchen. Vor allem die Pest weckte in vielen Leute die Sorge um ihr Seelenheil, welches sie dann etwa in der Bruderschaft von St.Pantaleon mit ihrem Altar zu St.Theodor suchten. Hier gab es auch den Heiligkreuzaltar mit der Statue des Heiligen Theodul, zu dem sich die Bruderschaft die Rebleute hingezogen fühlte. Eine letzte mittelalterliche Baumassnahme ist die Errichtung der Sakristei 1471 im Winkel zwischen südlichem Turmstummel und Chor.


Die Reformation zieht ein

Rund 50 Jahre später wehte der Wind der Reformation ins Gotteshaus - mit dem Leutpriester Marx Bertschi von Rorschach predigte ab 1519 ein früher Vorkämpfer der Basler Reformation zu St.Theodor. Die neuen Ideen schienen aber nicht so recht den Geschmack der Gemeinde zu treffen, denn sie holte sich 1523 wieder einen Pfarrer alten Glaubens.

Noch am Vorabend der Reformation wurden in der Theodorskirche nach herkömmlicher Manier Messen gelesen. Man widersetzte sich auch so gut es ging dem Bildersturm aus Grossbasel, der "in göttlicher Mission" die Kirchen des Zierwerks der alten Glaubensrichtung entledigte und damit einzigartige Kunstschätze vernichtete.

In den folgenden Jahrhunderten änderte sich das Gesicht des Gotteshauses kaum. 1836 legte der städtische Bauinspektor Amadeus Merian Hand an die Kirche um sie zu res- taurieren. Als 1867 das Bläsitor abgerissen wurde, erwog man dessen Uhr, die einst das Rheintor zierte, am Turm der Theodorskirche anzubringen. Man sah aber davon ab und brachte sie stattdessen am Giebel der Clarakirche an.

wie es euch gefaellt

Links die Theodorskirche heute vom Wettsteinplatz aus gesehen. Man beachte den Stummelbau des Südturmes. Rechts eine spekulative Darstellung der Kirche, wie sie aussehen könnte wenn der Südturm nach dem Erdbeben von 1356 auch wiederaufgebaut worden wäre.
Renovationen im 19. und 20.Jh

Eine weitere Renovation folgte 1883, wobei im Inneren Veränderungen (neue Emporen) vorgenommen wurden. Ihr heutiges Aussehen verdankt die Theodorskirche der Renovation die ab Dezember 1941 in vier Etappen durchgeführt wurde und 1948 mit der Aussenrenovation des Turmes endete. Dabei erhielten die Grabmale aussen ein eigenes Schutzdach, und die unschönen Emporen von 1883 verschwanden wieder.




Querverweise:

>> Virtueller Rundgang St.Theodor
>> Die Allerheiligenkapelle zu St.Theodor

Surftipps zur Theodorskirche:

> Website der reformierten Kirche St.Theodor



Literatur:

E.A.Stückelberg, Basler Kirchen, 1.Bändchen, 1917, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Seite 7 bis 33

Dietrich Staehelin,St.Theodor - Aus der Geschichte einer Basler Kirchgemeinde, 1991, Pharos Verlag, ISBN 3-7230-0225-0

Jahresbericht 1993 der Archäologischen Bodenforschung BS, Neue Befunde im Friedhofsareal St.Theodor, Seiten 100 bis 110

François Maurer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 5, 1966, Birkhäuser Verlag, Seiten 318 bis 416

Hans Eppens, Baukultur in alten Basel, 1974, Verlag Frobenius AG Basel, Seiten 30 bis 31

Johannes Bernoulli, Die Kirchgemeinden Basels vor der Reformation, Beitrag im Basler Jahrbuch 1895, Verlag R.Reich, Seiten 99 bis 106

Rudolf Kaufmann, Basel - das alte Stadtbild, 1936, Birkhäuser Verlag, Beitrag 24

Eugen A.Meier, Der Basler Arbeitsrappen, 1984, Birkhäuser Verlag, ISBN 3-7643-1612-8, Seiten 445 bis 446

Annie Hagenbach, Basel im Bilde seiner Maler, 1939, Verlag B.Wepf & Co Basel, Seite 30 Beitrag 53

Dorothee Huber,Architekturführer Basel, 2.Auflage 1996, Herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, ISBN 3-905065-22-3, Seite 37

Jahresbericht 1986 der Archäologischen Bodenforschung BS in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Vorbericht über die Ausgrabungen am Theodorskirchplatz, Seiten 240 bis 252

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