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fragen zum alten basel


Geschichte des Neubad


Herr W. / 02.August 2005:

Ich möchte zuerst ein kleines Lob anbringen an die Macher von www.altbasel.ch, es ist eine wunderbare Site. Zu meiner Frage, da ich relativ neu im Neubad wohne, wollte ich mich erkundigen wie das Neubad entstand, seit wann es das Neubad gibt und was früher hier war. Ich bedanke mich schon im voraus mit freundlichen grüssen.


Antwort von altbasel.ch:

Die Geschichte des Neubad beginnt im Januar 1742. Damals teilte Benedikt Staehelin, Professor für Physik an der Universität Basel, der Regierung die Ergebnisse seiner Suche nach Wasserquellen im Kanton mit. Ganz speziell wies er auf eine Quelle hin deren Wasser er für besonders gesund hielt, und die er auch gleich zu seinen Gunsten nutzen wollte. Mit dem Segen des Rats und des Bauamts durfte Staehelin dann auch diese Quelle fassen, die nicht weit von jener Stelle lag wo der Dorenbach in den Herrenmattgraben floss.

Professor Staehelin erwarb das Areal mit der Quelle für 500 Pfund, wobei er allerdings noch einige juristischen Kämpfe mit dem Gericht zu Münchenstein auszufechten hatte, welches hier zuständig war. Der Professor starb 1750 und die Quelle ging an seine Witwe Ursula, geborene Battier, die sie bald darauf verkaufte. Schliesslich gelangte die "Heilwasser-Quelle" 1762 in den Besitz des Binninger Zieglers Rudolph Mory. Dieser liess seine Quelle durch den Basler Stadtarzt untersuchen, der die gesundheitsfördernde Wirkung des Wassers bestätigte.

Erst Morys Geschäftstüchtigkeit brachte eine breite Nutzung der Quelle. Er holte die Erlaubnis zum Bau eines zweistöckigen Badehauses ein und im Juni 1768 wurde beim Holee das "Neue Bad" eröffnet. Das Neubad wurde bald nicht nur eine Stätte des heilenden Badens, sondern auch der frohen, ja ausgelassenen Geselligkeit. So ausgelassen dass zuweilen die Obrigkeit eingreifen mussten, um die ausufernden Belustigungen zu zügeln. Ein Geheimnis des Erfolgs des Neubad lag darin dass es mit einer halben Wegstunde sehr nahe an der Stadt lag.

Ein Schatten legte sich Anno 1776 über das Neubad, als bei einem Tanzanlass einige Gäste mit der Musik nicht zufrieden waren, die nicht nach ihrem Geschmack zum Tanz aufspielte. Es mündete in eine blutige Messerstecherei zwischen Musikanten und Gästen, in den Jahren nach der Französischen Revolution wurde das grenznahe Neubad 1792/97 zum Treffpunkt für Agenten und Emigranten, die sich gerne in seinen Stuben zu konspirativen Gesprächen einfanden. Mory war mit vielen Wassern gewaschen, denn er setzte für seinen Betrieb einige Privilegien durch.

Die Familie Mory besass das Bad bis 1857. In der letzten Zeit schien es allerdings ein wenig zu verlottern, denn ein Folgebesitzer, Konrad Haas aus dem Thurgau, liess das Bad aufwendig sanieren. Mit viel Werbung wurde das Heilbad Neubad auf den 1.Mai 1860 wieder eröffnet. Ein weiterer Besitzer sei noch erwähnt, denn Albert Perottet legte mit der Übernahme des Neubad den Grundstein für eine beinahe sieben Jahrzehnte dauernde Zeit in der die Bade- und Gaststätte im Besitz seiner Familie blieb. Er machte das Neubad zu einem beliebten Gasthof.

Nicht nur Spaziergänger bummelten ins Neubad, auch Jugendvereine aus dem Grossbasel feierten hier Feste. Legendär seien auch die Maskenbälle gewesen, die Papa Perottet zur Fasnachtszeit organisierte. Heute erinnerte die Perottet-Stube im Gasthof Neubad noch an diesen populären Beizer. Gebadet wird dort schon lange nicht mehr, und die Quelle scheint auch vergessen. Doch das von Rudolph Mory erbaute Neue Bad steht noch immer. Es ist heute der bereits erwähnte Gasthof Neubad am Neubadrain 4.


Literatur:

Eugen A.Meier, Badefreuden im alten Basel, 1982, EAM-Verlag, Seiten 42 bis 46


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