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fragen zum alten basel


Der Lindenturm am Mühlenberg


Herr V. / 19.August 2006:

Herr V. bat am Tag der Stadttore am Informationsstand des Grabmacherjoggi zur Geschichte der Basler Stadtbefestigung um Informationen zum Lindenturm, der sich einst am Mühlenberg zu St.Alban erhob.


Antwort von altbasel.ch:

Der Lindenturm am Mühlenberg ist schon lange aus dem Stadtbild des St.Alban-Tals verschwunden. Nur Eingeweihte wissen wo seine letzten Spuren zu finden sind. Er wurde 1839 abgebrochen und könnte eventuell zu einer Schutzmauer um das Areal des Klosters St.Alban gehört haben, die bereits vor dem grossen Erdbeben 1356 bestand. Im Jahr 1489 wurde der Lindenturm von der Obrigkeit zur Gesellschaftsstube der Leute von St.Alban bestimmt. Dies hatte folgende Vorgeschichte.

Das längst abgerissene Haus zum alten Esel, gegenüber der Galizianmühle (Papiermuseum) war Treffpunkt der Müller und anderer Gewerbetreibender am Teich im St.Alban-Tal. 1494 bezeichnet eine Urkunde sie als die Leute "unter dem Berg". Es war gewiss dieses Haus mit ihrer Stube, von dem die Gesellschaft den Namen "zum Esel" übernahm. Im Jahr 1489 ordnete der Rat die Vereinigung der rivalisierende Leute unter dem Berg mit jenen auf dem Berg (St.Alban-Vorstadt) an.

lindenturm st.alban

Diese Darstellung des 17.Jh zeigt das ehemalige Kloster St.Alban und (hervorgehoben) den Lindenturm am heutigen Mühlenberg. Man erkennt dass der Turm drei oberirdische Geschosse hatte und nahe des Rheinufers stand.

Sie bezogen zusammen als gemeinsame Gesellschaft ein Lokal im Lindenturm, der zur rheinseitigen Stadtmauer gehörte. Nach dem Brunnen beim Turm nannte man sich "Gesellschaft zum Lindenbrunnen". Dieser Turm wurde möglicherweise als Gesellschaftslokal eigens hergerichtet. Allerdings gibt es in der Urkunde zur Gründung der Gesellschaft und in städtischen Rechnungsbüchern Indizien dazu, dass der Turm erst um 1488/89 überhaupt gebaut wurde. Konkretes liegt aber nicht vor.

Lange hatte die Gesellschaft ihren Sitz nicht im Lindenturm, denn dieser wurde 1492 von einem Brand heimgesucht. Die Gesellschaft suchte ein neues Domizil und fand dieses im Haus "zum Tolden" in der St.Alban-Vorstadt, welches seinem Namen im 13.Jh vom Eigentümer Johannes zum Tolden hatte. Dieses Haus konnte die Gesellschaft im Jahr 1503 käuflich erwerben, womit sie auch ihren Namen wechselte in "zum hohen Dolder". Zur weiteren Nutzung des Lindenturms ist kaum etwas bekannt.

Der Lindenturm hatte einen viereckigen Grundriss sowie drei oberirdische Geschosse und ein Untergeschoss. Unter dem Asphalt des Mühlenbergs existiert noch heute eingewölbt das Untergeschoss mit einer Brunnstube. Es geriet bei der Korrektur der Strasse 1839 unter den Boden und musste folglich nicht zerstört werden. Beim LIndenturm gab es eine mittelalterliche Brunnquelle die den Lindenbrunnen spies. Der Quelle kam mit Abbruch des Turmes eine neue Bedeutung zu.

Als der Artilleriemajor Wilhelm Haas im Jahr 1796 eine Quelle erwarb, die im Hinterhof der Liegenschaft St.Alban-Vorstadt 41 entsprang, plante er diese nach allen Regeln der Ingenieurkunst zu nutzen. Die 180 Liter Wasser die pro Minute aus der Quelle sprudelten, wollte er dazu zusammen mit dem emporgepumpten Wasser des Lindenbrunnen sammeln. Das Projekt erwies sich als zu teuer. Haas veräusserte seine Quelle an die Stadt, die sie mit dem Abriss des Lindenturms neu nutzte.

lindenturm st.alban

Der vom St.Alban-Rheinweg aus sichtbare Eingang zur Brunnstube im Strassentrassee des Mühlenbergs, in dem noch das Untergeschoss des 1839 abgrissenen Lindenturms existiert. Ein letzter Rest des Brunnwerks St.Alban.

Die Stadt liess die Haas'sche Quelle in der St.Alban-Vorstadt fassen. Ihr Wasser wurde durch eine Röhre in die Brunnstube in das unterirdische Geschoss des abgebrochenen Lindenturms geleitet. Durch einen nahezu 140 Meter langen Tunnel wurde von dort aus das Wasser beider Quellen zur Hirzlimühle am St.Alban-Kirchrain 12 gepumpt. In der Mühle förderte eine Pumpe das Wasser dann in ein Reservoir bei der Liegenschaft St.Alban-Vorstadt 81, woran noch der Sammlerbrunnen erinnert.

Heute gibt es am St.Alban-Rheinweg ein gemauertes Portal mit einer Eisentür an unauffälliger Stelle. Durch diesen Eingang führt der Weg zum überlebenden Untergeschoss des Lindenturms mit seiner Brunnstube. Das Brunnwerk St.Alban war noch bis 1981 ans Basler Druckwassernetz angeschlossen. In unseren Tagen fliesst sein Wasser in das Kneippbecken am Rheinuferweg.




Querverweise zum St.Alban-Brunnwerk und zum Hohen Dolder:

>> Die Wasserversorgung im alten Basel

>> Das Haus zum hohen Dolder in der St.Alban-Vorstadt




Literatur:

Jahresbericht 1990 der Archäologischen Bodenforschung BS, ISBN 3-905098-11-3, Katalog der rheinseitigen Grossbasler Stadtbefestigungen, Seiten 202 bis 203 mit vergleichendem Plan Seite 165

Guido Helmig, Christoph Philipp Matt, In der St.Alban-Vorstadt, Archäologische Denkmäler in Basel Band 4, 2004, Archäologische Bodenforschung BS, Seiten 18 bis 20 und 24 bis 25

C.A.Müller, die Stadtbefestigung von Basel, 134. Neujahrsblatt GGG 1956, Seiten 57 bis 58

Arthur Burger, Brunnengeschichte der Stadt Basel, 1970, Herausgegeben vom Verkehrsverein Basel, Seiten 109 bis 111


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