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Der Spalenschwibbogen
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Spalenberg 65

Tram 3 - Universität / Bus 34 - Universität

Ein Tor der Inneren Stadtmauer

Das innere Spalentor, auch Spalenturm oder nach der Errichtung des äusseren Mauerrings Spalenschwibbogen genannt, war einst am oberen Ende des Spalenbergs die Porte zur Stadt. Die in der ersten Hälfte des 13.Jh. errichtete Innere Stadtmauer erstreckte sich bekanntlich vom Petersgraben bis hierher, um danach in den Leonhardsgraben überzugehen. Die beiden Strassennamen machen deutlich, dass an dieser Stelle früher der Stadtgraben vor der Mauer verlief.

Die Mauer folgte hier übrigens weitgehend jener, welche um das Jahr 1100 vom damaligen Bischof Burkhard von Fenis
(1.) errichtet wurde, mit dem Unterschied jedoch, dass diese neue Mauer einige Meter vor des Bischofs Mauer in den Stadtgraben hinein gebaut wurde. Den Raum zwischen der alten und der neuen Mauer füllte man auf, und erhielt so einen erhöht liegenden Weg, auf dem die Wache entlang der Mauer ihre Rundgänge machen konnte.

Eben dieser Umstand, dass die Burkhardsche Mauer hinter der Inneren Mauer zurückversetzt liegt, weist daraufhin, dass der Schwibbogen wahrscheinlich der Nachfolgebau eines alten Tores aus des Bischofs Zeiten ist. Das Tor lag merkwürdigerweise einige Meter hinter dem Flucht der Inneren Mauer, obwohl der Torbau, wie er bis 1838 zu sehen, war aus der selben Zeit stammte.


Nicht in der Mauerflucht

Erkenntnisse der Bodenforschung belegen, 4 dass dieses Tor sich jedoch ziemlich exakt auf der Achse der Burkhardschen Mauer erhob, weshalb der Schluss naheliegt, dass man bei der Errichtung dieses Tores zur inneren Mauer einfach auf einen bestehenden Vorgängerbau der alten Mauer zurückgriff und mit einigen wenig eleganten aber zweckdienlichen Verbindungsmauern die neue Stadtmauer zum zurückliegenden Tor führte.

spalenschwibbogen

Der Spalenschwibbogen auf dem Stadtmodell im Klingentalmuseum um 1615. In der linken vordern Bildhälfte erhebt sich der First der Kornhauses mit seinem Treppengiebel. Man sieht vor dem Tor den Stadtgraben von dem heute links der Name Petersgraben zeugt, während man ihn rechts, wo er nach einem Bogen zu St.Leonhard hin verläuft, noch als Leonhardsgraben kennt.
Schriftlich bezeugt ist der Spalenschwibbogen erstmals für das Jahr 1230. Zu dieser Zeit begann sich die Spalenvorstadt zu entwickeln und in Tornähe, beim heutigen Kollegiengebäude der Universität, begruben die Juden von Basel ihre Verstorbenen. 1231 gründeten die Franziskaner direkt vor dem Tor ein Kloster, welches später "Gnadental" genannt wurde. Das frühe Tor verfügte über eine Zugbrücke, die wohl nach dem Bau des äusseren Mauerrings Ende des 14. Jahrhunderts durch eine feste Steinbrücke ersetzt wurde, die man auch auf dem Merian-Stadtplan von 1615 gut erkennen kann. Das eigentliche Tor bestand aus einem massiven viereckigen Turm, gemauert aus Hausteinen, wobei lediglich ein Teil der stadtseitigen Partie glatt verputzt war.


Als Gefängnis genutzt

Meister Lawelin, der 1440 auch die Hoffassade des nahen Zeughauses dekorierte, schmückte das Tor 1428 mit Malereien. 1518 wurde Hans Frank mit ähnlichen Malerein beauftragt. Die späteren Darstellungen zeigen den Torturm mit einem Pyramidendach welches ein Glockentürmchen auf der Spitze trug. Das oberste Geschoss war mit einem hölzernen Kranz verkleidet, wobei dieser auf der Feldseite als hervorstehende Laube verlief. Im 16. Jahrhundert wurde direkt unter dem Kranz feld- und stadtseitig eine Uhr angebracht. Über dem Zifferblatt auf der Stadtseite hatte ein Künstler ein Fenster mit einem herausblickenden Mann auf das Holz gemalt.

Die drei Turmgeschosse über dem Torbogen beherbergten einmal ein Gefängnis mit sechs "Gefangenschaften". Für besonders schwere Fälle gab es die Zelle "Eichenwald" welche aus Balken des gleichnamigen Holzes gefertigt war. Ferner gab es den "Hexenkäfig" und den "Saal", welche besonders peinigend gewesen sein sollen, und die zuoberst im Turm lagen, wo man noch Foltergerät verwahrte. Es gab ausserdem, tiefer gelegen, das Gewahrsamsstüblein, welches mit einem Ofen versehen war, das Herren Küfer Stüblein welches einen kleinen Kachelofen aufwies, und das als sehr ungesund beschriebene "Hurenkämmerlein", welches wohl eher für inhaftierte Damen dieses Berufsstandes bestimmt war, und nicht als Lokal für entsprechende Vergnügungen diente.

der ort heute

Der Blick von der Spalenvorstadt her auf den einstigen Standort des Spalenschwibbogens. Mit schematischen Rotflächen und Elementen einer alten Illustration ist hier das Aussehen des Tores kurz vor seinem Abriss 1838 rekonstuiert.
Nicht nur Dirnen sassen im Spalenturm ein, einmal schmachtete sogar der Erzbischof von Granea hier. Er hatte sich vom Papst abgewandt um in Basel seine eigenen Wege zu gehen, mit dem Wohlwollen der Stadt. Allerdings erzwang ein kaiserlicher Erlass im Dezember 1482 seine Verhaftung und er wurde im Spalenturm eingekerkert. Obschon aber Papst Sixtus IV Basel unter heftigen Drohungen aufforderte, den durch den Kaiser mit Reichsacht belegten Abtrünnigen auszuliefern, nahm die Stadt lieber wirtschaftliche Not in Kauf, als den Verhafteten zu übergeben. Erzbischof Andrea Zamometic nahm sich am 13.November 1484, womöglich der langen Haft überdrüssig, mit einem Strick das Leben. Seine Leiche liess man wochenlang hängen, bevor man sie aus dem Turm schleifte, in ein Fass einnagelte und in den Rhein warf. Mit dem Freitod des Erzbischofs war Basel weitere Ungemach seinetwegen erspart geblieben.

Im Jahr 1822 hob man die Gefängnisräume im Spalenturm auf. 1837 wurde der Schwibbogen dann versteigert. Maurermeister Remigius Merian erwarb für 7200 Franken den Torturm und liess ihn 1838 abreissen. Die Zifferblätter der Uhren wurden abmontiert und neu am Spalentor angebracht. Der Spalenschwibbogen war das erste grosse Stadttor, welches der aufkommenden Abrissfreude zum Opfer fiel. Nur gerade ein Jahr später machte man das altehrwürdige Rheintor dem Erdboden gleich.


Beitrag erstellt 18.03.03 / Nachgeführt 31.03.05

Quellen:

primär genutzte

Guido Helmig, "Ein neuer Aufschluss der Inneren Stadtmauer an Leonhardsgraben 3", publiziert im Jahresbericht 1989 der Archäologischen Bodenforschung BS, Seiten 40 bis 45 mit vergleichendem Plan Seite 40

Christoph Philipp Matt, "Beobachtungen zum Spalenschwibbogen und zur Brücke", Jahresbericht 1986 der Archäologischen Bodenforschung BS, publiziert im 86. Band der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Seite 165

Christian A. Müller, die Stadtbefestigung von Basel, 134. Neujahrsblatt GGG 1956, Seiten 18 bis 19

Casimir Hermann Baer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 1, 1932/71, Birkhäuser Verlag, Seiten 176 bis 177


sekundär genutzte

E. Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seite 22

Eugen A. Meier, Basel Einst und Jetzt, 3. Auflage 1995, Buchverlag Basler Zeitung, Seiten 176 bis 177

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