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Anfänge des Basler Rundfunks und das Studio Basel


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Geburtswehen des Rundfunks in Basel zeigten sich 1913 am Nadelberg. Dort wurde vom Uhrenhäuschen, welches seit 1886 als Standort der Basler Mutteruhr diente, die erste Radioantenne der Stadt zum Turm der nahen Peterskirche gespannt. Die ersten Radioversuche fanden statt in der Physikalischen Anstalt der Universität Basel, die sich damals noch im Bernoullianum befand. Im selben Jahr hielt Professor Hans Zickendraht erste Referate über Radiotelegraphie.
Erste Sendungen

Das zivile Radiowesen wurde von 1914 bis 1918 durch den Ersten Weltkrieg stark gebremst. Immerhin erteilten die Militärbehörden 1915 die Erlaubnis zu Sendeversuchen vom Bernoullianum aus. Im Jahr 1917 fertigte die Basler Glühlampenfabrik an der Gundeldingerstrasse Elektroröhren nach Vorgaben Zickendrahts. Vier Jahre später strahlte ein Sender beim neuen Zeughaus St.Jakob Signale aus die in Neuenburg empfangen werden konnten.


Das Uhrenhäuschen am Nadelberg 11a. Dort wurde die Stube des Stadtuhrmachers 1913 zu ersten Radioversuchen genutzt, während vom Dach des Häuschens zum Turm der Peterskirche die erste Basler Radioantenne gespannt wurde.

Eigentliche Rundfunksendungen liefen im April 1923 über den Äther. Im Bernoullianum wurde ein 20 Watt-Sender betrieben, der über eine vierzig Meter hohe Sendeantenne auf dem Gebäude zur Mustermesse Sendungen ausstrahlte, die mit den dort aufgestellten Empfängern gehört werden konnten. Dies hatte hauptsächlich den Zweck dem Publikum die Radiotechnik näher zu bringen. Von Sendungen mit Inhalt im heutigen Sinne konnte keine Rede sein.
Der Weg zum ersten Basler Sender

Der unermüdliche Professor Zickendraht war indes 1924 einer der Hauptinitiatoren der Gründung der Basler Radio-Genossenschaft. Deren konstituierende Generalversammlung fand am 3.Februar 1926 im Restaurant Zum Braunen Mutz statt. Ihr Ziel war die Einrichtung eines öffentlichen Rundspruchdienstes auf lokaler Basis in Basel. Zum ersten Präsidenten der Genossenschaft wurde Wilhelm Meile, Direktor der Mustermesse, gewählt.
Als Vizepräsident fungierte Professor Hans Zickendraht. Inhaltlich sollte der Rundspruchdienst neben Nachrichten aus allen Bereichen Beiträge musikalischer und literarischer Natur senden. Dem Konzessionsbegehren an das zuständige eidgenössische Amt stimmte der Bundesrat nur unter der Bedingung zu, dass der Rundspruch lokal eingerichtet werde und somit nur auf Gebühren innerhalb des Basler Telefonnetzes Anspruch erheben könne.
Die Grundlage für einen Basler Radiosender war geschaffen. Der Rundfunk in Basel durchlief noch immer seine Anfangsphase. Das Studio des Senders befand sich im ersten Stock an der Centralbahnstrasse 18, also im Bahnhof SBB. Zu Einrichtung des Studios kam Anfangs April Albert Müller von der Marconi-Gesellschaft in Bern nach Basel. Bis Juni herrschte Funkstille, aber jeden Abend sprach Müller "Hallo, hier Basel, auf Welle 1000" ins Mikrophon.


Das Bernoullianum an der Bernoullistrasse 30/32. Es beherbergte einst die Physikalische Anstalt der Universität. Ein 20 Watt-Sender strahlte von hier im Jahr 1923 temporär Radiosendungen zur Mustermesse Basel aus.

Das Studio im Bahnhof SBB

Der erste Ansager des Basler Studios und zugleich der Leiter des Programms war Dr. Max Schlageter. Das Studio nutzte den Sender der Genossenschaft Aviatik beider Basel für den Flugplatz Sternenfeld im Zeughaus St.Jakob, der allerdings nur verfügbar war wenn dieser Abends nach Sonnenuntergang nicht für die Fliegerei gebraucht wurde. Folglich wurde im Sommer von 20.15 bis 22.00 Uhr und im Winter von 19.30 bis 22.05 Uhr gesendet.
Sendebeginn war am 19.Juni 1926 mit einer Sondersendung aus der Mustermesse die mit einer Ansprache von Professor Zickendraht eröffnet werden sollte. Dieser Start verzögerte sich aber um über eine halbe Stunde, denn ein Flugzeug kam mit Verspätung auf dem Flugplatz Sternenfeld an, weshalb die Sendeeinrichtungen der Aviatik beider Basel zum Funkkontakt mit dieser Maschine benötigt wurden. Dann aber kam Zickendraht zu Wort.
Nach seiner Ansprache trug das Becker-Quartett Stücke von Haydn, Mozart und Karl Maria von Weber vor. Nachrichten der Depeschenagentur beschlossen die abendliche Sendung. Anfangs konnte der Sender wegen der bescheidenen finanziellen Mittel (es gab noch keine Subventionen) für die live Auftritte von Musikern und Referenten keine Honorare bezahlen. Die Finanznöte zwangen Ende 1926 zum Einreichen eines Gesuchs um staatliche Subventionen.
Von der Parkvilla aufs Bruderholz

Das Subventionsgesuch war erfolgreich. Als erste Finanzspritze bekam die Basler Radio-Genossenschaft 17'000 Franken zum Unterhalt des Studios. Bis Ende 1930 folgten jährlich weitere 15'000 Franken. Im Jahr 1931 schloss sich die Basler Radio-Genossenschaft der Schweizer Rundspruch-Geseschaft SRG an. 1932 musste das zu klein gewordene Studio im Bahnhof verlassen werden. Ein neues Lokal wurde in der Villa im Margarethenpark gefunden.
Das sich schnell entwickelnde Radiowesen liess das neue Domizil im Park bald zu klein werden. Ein notwendiger Ausbau der Einrichtungen wurde aber von der Basler Regierung abgelehnt, so dass man über einen erneuten Umzug nachdachte. Die Basler Radio-Genossenschaft beschloss folglich auf der Generalversammlung des Jahres 1935 die Planung des Baus eines Sendestudios auf den Höhen des Bruderholz, hoch über Basel gelegen.


Das 1937/38 erbaute Studiogebäude von Richard Calini an der Novarastrasse 2 auf dem Bruderholz. Es konnte erst im September 1940 eingeweiht werden.

Das ambitionierte Projekt war unter anderem möglich geworden, weil immer mehr Konzessionen an Radiohörer vergeben werden konnten. So förderte die Popularität des Mediums dessen Ausbau. Am 2.Dezember des Jahres 1937 konnte auf dem Bruderholz der erste Spatenstich getan werden, nahe dem 1925 erbauten Restaurant Bruderholz und der damals noch "Batterie" genannten Station der Tramlinie 15. Doch der Zeitplan wurde gestört
Das Studio Basel

Der Gebäudekomplex des Architekten Richard Calini war im Herbst 1938 vollendet. Man verfügte damit über sieben Studioräume. Es folgte der komplexe Innenausbau, denn es galt unter anderem zwölf Kilometer Kabel zu verlegen, doch die Einweihung konnte nicht wie vorgesehen im Juni 1940 erfolgen. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 mobilisierte die Armee und die meisten Arbeiter wurden zum Aktivdienst aufgeboten.
Verspätet konnte am 7.September 1940 das Studio Basel an der Novarastrasse 2 feierlich seiner Bestimmung übergeben werden, gepriesen als das modernste Radiogebäude Europas. Der wachsende Betrieb erhielt 1950 einen zusätzlichen Gebäudeflügel an der Mariganostrasse während 1956 auf dem Areal zur Schäublinstrasse hin ein weiteres Orchesterstudio eingeweiht werden konnte. Am 3. Juni selben Jahres starb der Professor Hans Zickendraht.
Als Extraordinarius für angewandte Physik wirkte er von 1915 bis 1935 an der Universität Basel, um danach bis 1951 auch als Ordinarius für Physik zu unterrichten. Edgar Bonjour strich in seinem Geschichtswerk zur Universität 1960 Zickendrahts kultivierte Art zu referieren heraus, sowie seine Begabung komplexe Themen zu vermitteln. Bonjour nannte Hans Zickendraht zu recht einen der bedeutendstend Pioniere das Radios.


Der im Jahr 1950 eingeweihte Erweiterungsbau des Architekten Fritz Rickenbacher an der Marignanostrasse 50 neben dem ersten Bau von 1938.

An der Novarastrasse konnte 1971 ein neu erbauter Pavillon bezogen werden und 1978 wurde auf dem letzten freien Areal der Radio Genossenschaft ein neuer Bau mit Hörspielstudio und Personalkantine eröffnet. Die Tramhaltestelle "Batterie" der Linie 15 heisst längst schon "Studio Basel" und auf im Februar 2001 ändert die Basler Radio-Genossenschaft auf ihrer Generalversammlung den Namen in SRG idée suisse Region Basel.
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Beitrag erstellt 04.05.08 / Nachgeführt 05.08.08

Quellen:

primär genutzte

Ruedi Mangold Basler Reminiszenzen 1890 bis 1930, publiziert im Internet auf der Website O'Neill's Electronic Museum unter der URL http://www.oneillselectronicmuseum.com/germanfiles/bashistsec_1.html

Chronik des Studio Basel, publiziert im Internet auf der Website von SRG idée suisse Region Basel im Bereich "über uns" unter der URL http://www.srgregionbasel.ch/ueber_uns/geschichte/teil_4.php

Die Geschichte des Radios in der Schweiz von 1911– 2004, Illustriertes Textdokument, publiziert von Radio DRS im Internet unter modules.drs.ch/data/attachments/7_Radiogeschichte.pdf

Eugen Dietschi Das Bruderholz, 1975, herausgegeben vom Neutralen Quartierverein Bruderholz, Seiten 24 bis 25

sekundär genutzte

Fritz Grieder, Basler Chronik vom 1. September 1955 bis zum 31. August 1956, publiziert im Basler Jahrbuch 1957, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Seite 254

Edgar Bonjour, Die Universität Basel von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1960, Helbing und Lichtenhahn, Seite 743
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