|







|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Der Letziturm und die MG-Stände Letzischanze


St.Alban-Rheinweg

Tram 3 - St.Alban-Tor
|
 |
 |
Letzte Ergänzung der Stadtmauer

Er ist in seiner fotogenen Erscheinung ein klassisches Motiv und irgendwie ein liebes Stück Altbasel, obwohl er am Ende der einstigen Stadtmauer steht. Sein Kollege am anderen Ende der Mauer zu St.Johann, der Thomasturm, wirkt bei weitem nicht so malerisch wie der kleine Letziturm zu St.Alban.
Eigentlich lautet die korrekte Bezeichnung "äusserer Letziturm", denn der ursprüngliche Letziturm ist sein Nachbar. Dieser wurde aber 1863 bis auf das Gehniveau abgerissen, so blieb der Name Letziturm an dem Barocktürmchen nebenan hängen. Dies änderte sich auch nicht, als der alte Letziturm 1978/79 rekonstruiert wurde.
Wie es an einem Steinquader der Nordostecke eingehauen ist, und es auch Wetterfahne verkündete, wurde dieser Turm im Jahr 1676 erbaut, als nahezu 300 Jahre nachdem die Stadtmauer mit den benachbarten Vierecksturm entstanden war. Er wurde zusammen mit einem Zwillingsturm auf der anderen Seite des Rheins erbaut, doch jener Bruder vom anderen Ufer wurde 1803 abgebrochen und ist heute vergessen.
|
 |
 |
 |
 |
 |

Der Letziturm heute. Mit Rotflächen ist jener Teil des Turmes angedeutet, der seit 1911 im Boden liegt. Man kann den balkonartigen Zugang zum Untergeschoss erkennen. Der Torbogen rechts in der Stadtmauer stammt aus dem 20.Jh, als der Rheinweg bereits existierte.
|
 |
 |
Die beiden Türme wurden als Musketierstellungen erbaut, was heute noch an den Schlüsselscharten zu erkennen ist. Aus den Türmen konnte der Rhein auf ganzer Breite mit Musketenfeuer belegt werden. Zugleich deckte der Grossbasler Turm die zuvor offene Flanke der Stadtmauer. Da beide Türme erst so spät erbaut wurden, tauchen sie auch noch nicht auf den Basler Stichen von Matthäus Merian auf.
Mit dem Fundament in den Rheinfluten

Der überlebende Letziturm stand einst direkt am Rheinufer, seine Mauern stiegen aus den Fluten herauf empor. Der Grundriss der Turmes bildet ein längliches Rechteck dessen Schmalseite parallel zum Rhein verläuft. Den massiveren Teil bildet das heute nur noch teilweise sichtbare Untergeschoss mit den markanten Eckbossierungen. Die Mauern sind hier rund 1 Meter dick.
Sie sind durchbrochen von drei schmucklosen Schlüsselscharten, aus denen Musketenschützen in einer Kammer im Inneren sowohl über den Fluss als auch stromabwärts und stromaufwärts schiessen konnten. Die unterste Partie des Geschosses war an der stromaufwärts gelegenen Ecke mit einer abgeschrägten Mauervorlage verstärkt, um die heranströmenden Fluten des Rheins am Turm vorbeizulenken.
Das Untergeschoss konnte durch einen Zugang von der abschliessenden Mauerpartie aus betreten werden. Ein bizarres Detail bildet hier der noch immer sichtbare Verbindungsgang, der balkonartig von zwei Steinkonsolen getragen von der Mauer zur Geschosstür führt. Nur der Himmel weiss, wieso dieser Zugang so ungeschützt und exponiert über die Flusseite führt. An der stromaufwärts blickenden Nordostecke des Untergeschosses ist in die Eckbossierung der bereits erwähnte Steinquader mit der Jahreszahl 1676 eingelassen. Ausserdem ist auf beiden Seiten der Ecke ein Schild mit Baselstab erkennbar.
Ein Obergeschoss wie ein Teestübchen

Weniger robust wurde das Obergeschoss erstellt, das flussabwärts über das Untergeschoss hinausragt, gestützt an dieser Seite von vier Steinkonsolen. Im Gegensatz zur Musketierkammer im Untergeschoss, bietet das Obergeschoss mit seinen wesentlich dünneren Mauern Raum für eine behagliche Stube. An jenen drei Seiten die unten einfache Schlüsselscharten aufweisen, öffnen oben drei niedere rechteckige Fenster den Raum dem Tageslicht.
Zwar kann man stromaufwärts und an der Rheinseite je eine kunstvoll geschaffene Schlüsselscharte sehen, aber irgendwie muten Schiessscharten mit direkt darüber liegenden Fenstern wunderlich an. Vielleicht kamen ja die Fenster erst später hinzu. Das obere Geschoss ist gedeckt durch eine schmale Mauerpartie mit vertikaler Schlitzscharte vom Wehrgang der Mauer aus zugänglich.
|
 |
 |
 |
 |
 |

Der behauene Steinquader an der Nordostecke mit Jahreszahl und Baslerwappen (links) und eine der wunderlichen Kombinationen aus Schiessscharte und Fenster im Obergeschoss (rechts).
|
 |
 |
Von besonderem Reiz ist das Haubendach, welches über dem profilierten Dachsims auf dem Obergeschoss thront. Das Dach ist auf allen vier Seiten glockenförmig geschwungen und war wahrscheinlich von Beginn an mit bunt glasierten Ziegeln gedeckt. Vier Holzsäulen, im Inneren auf der Höhe des Dachsimses beginnend, ragen über die Dachspitze heraus und bilden ein kleines Glockentürmchen, das ebenfalls mit einem Haubendach versehen ist. Die Glocke ist längst verschwunden. Das kleine Haubendach war von einer durchbrochenen Wetterfahne aus Metall gekrönt, die neben der Jahreszahl 1676 den Baselstab zeigte.
Als 1911 der St.Alban-Rheinweg aufgeschüttet wurde, verschwand die untere Partie der Letziturmes im Boden. Dadurch wirkt er heute viel kleiner als er einst war, was aber möglicherweise eben seinen Reiz ausmacht, den mancher Basler mit besonderer Anhänglichkeit schätzt. Mit dem Rheinweg entstand 1911 auch die Terrasse welche beim Letziturm in den Rhein ragt. Sie bietet heute mit ihren Sitzbänken im Schatten der Bäume einen angenehmen Ruheplatz am Ende der Stadtmauer. Die Terrasse wurde 29 Jahre nach ihrem Bau zur Einrichtung der letzten militärischen Wehrbauten an diesem historischen Ort genutzt.
Die Maschinengewehrstände Letzischanze

An den beiden Stützmauern stromaufwärts und stromabwärts wurden 1940 während des Aktivdienstes zwei betonierte Maschinengewehrstände eingebaut. An den Treppenabstiegen zum Rheinufer sind heute noch die breiten Luken aus Metall zu sehen. Sie bedecken die Schiessscharten der MG-Stände und wurden so bemalt, dass sie wie ein Teil der Mauerverbands erscheinen.
Die beiden Maschinengewehrstände "Letzischanze Ost" und "Letzischanze West" sind als rechteckige Kammern aus armiertem Beton autonom voneinander in die Terrasse eingelassen worden. Sie waren jeweils mit Maschinengewehren Ordonnanz 1911 bewaffnet, die den Rhein und das jenseitige Ufer mit Feuer belegen konnten. Die MG-Stände hatten eine vergleichbare Funktion wie der Letziturm mit seiner Musketierkammer 264 Jahre zuvor.
|
 |
 |
 |
 |
 |

Die mit Tarnbemalung versehene Metallluke des MG-Standes Letzischanze Ost. Man kann sie entdecken, wenn man an der Treppe stromaufwärts von der Terrasse zum Rhein hinab steigt. Die Scharte des Standes West kann man von der anderen Treppe stromabwärts sehen. Die Luken öffneten sich nach unten und konnten im Ernstfall blitzartig heruntergelassen werden.
|
 |
 |
Als die beiden MG-Stände im 1940 gebaut wurden, rechnete die Schweizer Armeeführung mit einem möglichen Einmarsch der deutschen Wehrmacht. Basel sah sich mit seinen strategisch bedeutsamen Rheinbrücken besonders gefährdet, weshalb unter anderem die Sperrstelle Rheinufer Wettsteinbrücke errichtet wurde.
Von der Brücke bis zur Terrasse beim Letziturm wachten direkt am Rheinufer mehrere Kampfstände,die das jenseitige Ufer mit Feuer belegen konnten. Diese autonomen Bunker waren aber derart exponiert, dass sie mit ihren Besatzungen dem Untergang geweiht waren, wenn der Gegner sie erst entdeckt hatte. Die beiden MG-Stände Letzischanze hatten jeweils nur einen einzigen Zugang, und das waren die Einstiege durch einen Schacht von der Terrasse herab.
Die beiden Zugänge im Terrassenboden sind heute durch massive Metallplatten verschlossen. Durch diese Schlupflöcher wären die Wehrmänner rausgeklettert, wenn am anderen Ufer feindliche Artillerie ihr Feuer auf die kleinen Bunker in der Terrasse eröffnet hätte. Mit einigen Maschinengewehren hätte man sich dagegen kaum effektiv verteidigen können. Als die Wehrmacht im Sommer 1940 im Elsass den Rhein überschritt, waren die wesentlich robusteren Bunker der Maginotlinie am Rheinufer binnen kurzer Zeit durch direkten Beschuss vernichtet worden. Glücklicherweise blieb den Bunkern ebenso wie der alten Stadtmauer die Bewährungsprobe im Ernstfall erspart.
|
 |
 |
 |
 |
 |

Ein verstohlener Blick unter einer Metalluke hindurch offenbart die rechteckige Betonscharte aus denen ein Maschinengewehr 1911 hinausragte. Diese Scharte konnten vorn durch einen Panzerschild verschlossen werden. Man erkennt die Haltekette welche die getarnte Luke oben hält.
|
 |
 |
Die Kombination von Wehrbauten aus Stadtmauer (14.Jh), Letziturm (17.Jh) und MG-Ständen (20.Jh) ist als national bedeutsam eingestuft worden. In besonderer Art sind hier über Jahrhunderte hin Verteidigungsanlagen errichtet worden, welche die Bedeutung dieses Ortes unterstreichen. Der Letziturm dürfte allen bekannt sein der hier schon vorbeikamen. Eher unbekannt sind die beiden Bunker aus dem Aktivdienst, aber vermutlich sind sie mit ihren getarnten Luken und ihren Scharten dahinter kein so attraktiver Anblick wie der liebenswerte Turm ein paar Schritte weiter.



Querverweise:

>> Beitrag zur Wehranlage St.Alban

|
 |
 |

Beitrag erstellt 03.07.03 / Nachgeführt 31.03.05

Quellen:

primär genutzte

Katalog der rheinseitigen Grossbasler Stadtbefestigungen, publiziert im Jahresbericht 1990 der Archäologischen Bodenforschung BS, ISBN 3-905098-11-3, Seiten 186, 204 mit vergleichendem Plan Seiten 165

Christian A. Müller, Die Stadtbefestigung von Basel, 134. Neujahrsblatt GGG 1956, Seiten 26 bis 27

Casimir Hermann Baer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 1, 1932/71, Birkhäuser Verlag, Seiten 229 bis 231

VBS, Militärische Denkmäler in den Kantonen Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Landschaft (Inventar der Kampf- und Führungsbauten), 2001, Verlag VBS, Seiten 32 bis 33

sekundär genutzte

Hans Eppens, Baukultur im alten Basel, 1974, Verlag Frobenius AG Basel, Seite 43

Hanns U. Christen, Basel gestern und heute, 1986, Slatkine Verlag Genf, Seiten 88 bis 89
|
 |
 |

|
 |
Zum Seitenanfang
Zurück
Schlagwortkatalog |
 |
 |
|