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3.August 1833 - 10.30 Uhr bis 11.30 Uhr
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Beim Hagebächli ob Pratteln

In den Bergreben ob Pratteln steht heute noch ein Rebhäuslein welches nach Christoph Hagenbach benannt ist, der von 1625 bis 1668 Pfarrer des Dorfes war. Vom "Hagebächli" hatte man einen schönen Blick hinab auf Pratteln, weshalb eine Gruppe Leute aus dem Dorf dorthin flüchteten als die Basler einmarschierten. Entsetzt sahen sie wie die Truppen auf der Hauptstrasse das Feuer eröffneten und mehrere Häuser in Flammen aufgingen. Plötzlich krachte ein Schuss mitten unter ihnen, und als sich der Pulverdampf verzog sah man dass die rechte Hand von Niklaus Bielser nur noch ein blutiger Klumpen war.


hagenbaechli ob pratteln

Das Rebhäuschen Hagebächli am Rande der Bergreben oberhalb von Pratteln. Hier geschah am 3.August 1833 der Unfall bei dem sich der Leinenweber Niklaus Bielser die rechte Hand zerschoss. Im Dorf ging später die Rede von höherer Vergeltung für den ruchlosen Mord am Kutscher Hürlemann.

Er hatte sich auf seinen geladenen Stutzer gestützt, aus dem sich ein Schuss löste. Der 45jährige Leinenweber aus Pratteln war eine gute Stunde zuvor dabei als beim Wartenberg am Rand der Hard die Pferde eines zivilen Basler Fuhrwerks für Verwundete im Gewehrfeuer zusammenbrachen. Es war der vierte Wagen in einem Konvoi von dreizehn. Die neun folgenden Wagen wendeten eilig um sich davon zu machen und den unglücklichen Kutscher seinem Schicksal zu überlassen. Die Baselbieter Plänkler traten aus dem Unterholz an den Wagen heran um dessen Fuhrmann David Hürlemann aus Zürich gefangen zu nehmen.

Unter den Plänklern war der Scharfschütze Bielser. Aufgebracht drohte er den Kutscher umzubringen. Hürlemann flehte um sein Leben - er sei kein Kämpfer. Kameraden versuchten den Rasenden abzuhalten, doch bevor man sich's versah hatte Bielser den Fuhrmann mit seinem Stutzer erschossen. Auf diese Waffe stützte er sich als er beim Hagebächli stand und mit den anderen auf Pratteln herabsah. Die furchtbar verletzte Hand war nicht mehr zu retten und musste amputiert werden. Niklaus Bielser, Vater zweier Kinder, wurde arbeitsunfähig. Er erhielt eine lebenslängliche Pension zugesprochen.


Blarers Truppe kommt auf dem Geispel ob Muttenz an

Josef Gutzwillers Therwiler Mannschaft unter Major Gschwindt hatte sich im Eilmarsch nach Muttenz begeben. An der Münchensteiner Brücke stiessen sie auf vier Mann der Basler Landwehr, die unverzüglich das Weite suchten. Von Muttenz und Pratteln her waren Schüsse zu hören, woraufhin das Marschtempo noch erhöht wurden. Offenbar standen die Baselbieter Waffenbrüder im Kampf mit den Baslern und benötigten Unterstützung. Als sie auf dem Geispel (Geissbühl) als befohlenem Sammelplatz ankamen, trafen Josef und seine Kameraden dort auf weitere herbeigeeilte Mannschaften aus dem Birseck.

Rasch machte die Neuigkeit die Runde, dass die Basler nach Pratteln gezogen seien und das Dorf in Brand gesteckt hätten. Man sah die aufsteigenden Rauchsäulen vom Geispel aus deutlich. Wut machte sich unter den Mannschaften aus dem Birseck breit, eine Wut die Jakob von Blarer zu nutzen wusste. Unter den führenden Köpfen der Rebellion wider die Stadt war er derjenige der auf der Landschaft die grösste Beliebtheit genoss. Sein älterer Bruder Anton von Blarer war Mitglied der provisorischen Regierung. Die Familie hatte einen leicht aristokratischen Hintergrund.

Aus dem Geschlecht stammte der bekannte Bischof Christoph Blarer von Wartensee, der im späten 16.Jh die Gegenreformation im maroden Fürstbistum Basel vorantrieb. Die Blarer stellten die Obervögte von Pfeffingen und verlegten im 18.Jh ihren Amtssitz ins 1608 erbaute Familienschloss in Aesch. Hier kam 1802 auch Jakob von Blarer zu Welt, der bis 1830 als Offizier in königlich französischen Diensten stand, und nach der Julirevolution in die Heimat zurückkehrte. Hier stellte er sich ganz in den Dienst der Baselbieter Sache und übernahm eine Rolle als Führer im Kampf gegen die Basler.


Beim Roten Haus am Rheinufer

Den aufsteigenden Rauch aus Pratteln sah auch Remigius Merian beim Roten Haus am Rheinufer. Vor einer halben Stunde waren vom Hardhübel her die Basler Scharfschützen von Major Christoph Ryhiner beim Roten Haus angelangt. Er erkundigte sich bei Merian ob dieser Neuigkeiten von Vischers Truppe hätte. Der Wirt wies auf den Rauch über Pratteln und antwortete dass das Basler Militär sich offenbar dort in der Nähe aufhalte. Ein Scharfschützen brüllte dass noch viele Häuser brennen müssten. Merian entgegnete dass man so kaum eine Vereinigung herbeiführen werde. Der Trupp zog weiter.

Noch immer standen Rauchschwaden über Pratteln und Merian erwog die Wirtschaft zu schliessen - zu nahe rückte das kriegerische Geschehen. Plötzlich kam ein Mann mit blutigen Hosen von Pratteln her zum Roten Haus. Es war der Bruder des getöteten Schneiders Friedrich Schwob. Der städtisch gesonnene 55jährige hatte die Basler Truppen freudig vor seinem Haus erwartet als diese ihn erschossen. Er war eines der unschuldigen Opfer der Schiesserei. Weiter erfuhr Merian dass neun Häuser im Dorf in Flammen standen. Die Basler Truppen seien weitergezogen und lägen nun beim Hohen Rain.

Aus den Schilderungen des Prattlers entnahm Remigius Merian dass der Vormarsch der Basler Truppen sich verlangsamt hatte, dass diese unentschlossen vorgingen. Er ahnte dass der Feldzug der Stadt auf ein Scheitern zulief; dass es eine Frage der Zeit war bis das Kampfgeschehen sich zum Roten Haus verlagerte. Eilig liess er nach einem Boot schicken um seine Familie ins sichere Grenzach bringen zu lassen. Doch seine Gattin und die Eltern weigerten sich das Rote Haus zu verlassen. Die Kinder und zwei Kisten mit Bargeld und Silbergeschirr wurden vorbereitet um über den Rhein ans deutsche Ufer in Sicherheit gebracht zu werden.


Im brennenden Pratteln

Jakob Rahn wurde 1833 als Pfarrer nach Pratteln berufen um den stadttreuen Johann Rudolf Fürstenberger abzulösen, der wie viele Basler Pfarrer auf dem Land aus dem Amt gejagt worden war. Der 27 Jahre alte Pfarrer war ursprünglich Mathematiklehrer am Fellbergschen Institut in Hofwil und wurde 1827 ordiniert. Bevor er nach Pratteln kam war er Vikar im aargauischen Zofingen. Gemeinsam mit Schulmeister Johann Martin beobachtete Rahn den Einzug der Basler von Kirchturm aus. Eilig stiegen sie hinab und vergruben die Taufbücher an einem sicheren Ort. Ihnen schwante ungutes.

Wie Pfarrer Rahn war auch Johann Martin noch nicht lange im Amt. Er war am 24.Februar 1833 als Schulmeister an die Oberschule gewählt worden. 1807 geboren stammte Martin eigentlich von Frenkendorf, verlebte aber den Grossteil seiner Jugend in Pratteln. Er war als Schüler schon dermassen begabt dass er mit 14 Jahren den häufig kranken Schulmeister Heinrich Schlag vertrat. Die Laufbahn als Lehrer war quasi vorgezeichnet. Die Basler waren abgezogen und hinterliessen das Dorf im Chaos. Aus den Ställen hatten sie Pferde mitgenommen und Martin sah an drei Stellen Rauch aufsteigen.

Rahn hatte Löscharbeiten eingeleitet, vom Erli eilten die Männer hinzu. In den Ställen der brennenden Häuser brüllte das Vieh; eine verbrannte Kuh hatte ein Stück der Krippe an der sie angebunden war losgerissen und brach sterbend hinter dem Haus zusammen. Jakob Rahn half schweissgebadet einer Familie das strohgedeckte Waschhäuschen niederzureissen, damit es keine Gefahr für nahe Häuser wurde. Der Schneider Friedrich Schwob lag tot vor seiner Tür. Die Leiche des fünffachen Vaters Niklaus Dürr lag im Flur seines Hauses, den erschossenen Johannes Rebmann fand man auf seinem Dachboden.


jakob von blarer
Blarers Rede auf dem Geispel

Jakob von Blarer liess auf dem Geispel ob Muttenz die etwa 170 Männer aus dem Birseck im Kreis um sich sammeln um zu ihnen zu sprechen. Hinter dem Wartenberg im Osten stiegen die Rauchschwaden von Pratteln für alle sichtbar in den Himmel. Blarer nutzte den Moment. Er unterstrich die Bedeutung dieses Tages und forderte die Leute zum Standhalten auf, auch wenn das Ringen tagelang dauern sollte. Die Rede gipfelte in der radikalen Forderung kein Pardon zu geben und keine Gefangenen zu machen. Joseph Gutzwiller überliefert eine Passage der Rede in Muttenz folgendermassen:

"Macht alles nieder was ihr erwischt! Wer mir einen Gefangenen bringen sollte, und wenn es mein eigener Bruder wäre, den würde ich mit dem Säbel niederhauen! Denn jetzt ist es einmal genug! Und wenn der Entscheid nicht zu unseren Gunsten ausfällt, so bleibe ich nicht mehr da, ich gehe fort."

Die radikale Forderung keine Gefangenen zu machen fiel an diesem Tage nicht zum ersten Mal. Ein energischer Vorkämpfer des unabhängigen Baselbiets, der Politiker und Engelwirt Johann Jakob Buser (bekannt als "General Buser"). Rief am Morgen der ausziehenden Baselbieter Artillerie in Liestal nach "Gebt's kein Pardon, alles muss hingemacht sein." Blarers auf dem Geispel versammelte Birsecker Mannschaft zog hinab nach Muttenz, wo vor dem Gasthof Schlüssel noch ein Umtrunk eingenommen wird. Joseph Gutzwilller vernimmt dass man warten müsse da Blarer eine Meldung aus Frenkendorf abwarte.


auf dem geispel oberhalb muttenz

Der Geispel (Geissbühl) ob Muttenz mit dem Wartenberg links im Hintergrund. Hier teilte Blarer seine Birsecker in zwei Abteilungen von denen er die eine Johannes Martin dem Bezirksschreiber von Arlesheim unterstellte. Auf dem Geispel hielt er auch seine kompromisslose Ansprache.

Beratungen der Basler vor Pratteln

Während in Pratteln die Häuser brannten lag der grösste Teil des Milizbataillons seit einer guten Stunde unbeschäftigt am Hohen Rain bei der Landstrasse nördlich des Dorfes. Oberst Benedikt Vischer beriet mit seinem Stab das weitere Vorgehen. Der geplante Übergang über das Erli durch das brennende Pratteln war nun undenkbar. Blieb nur noch der Durchbruch bei der verteidigten Hülftenschanze. Major August Wieland von der Artillerie und Oberstleutant Franz Lukas Landerer, dem seine Kavallerie schon beim Aeschentor abhanden kam, stimmten für den Marsch auf die Hülftenschanze.

Nur kamen Zweifel darüber auf, ob das Bataillon der Miliz sich überhaupt zum Weitermarsch bewegen liesse. Immerhin hatte es bereits auf der Lachmatt wegen der fehlenden Wagen gemeutert. Die Truppe hatte nun am Hohen Rain geruht, die Brotsäcke geplündert und mit Unbehagen die Vorgänge in Pratteln mitbekommen. Damit dürfte sich ihr Elan, wenn überhaupt je vorhanden, vollends verflüchtigt haben. Benedikt Vischer ritt zur lagernden Miliz und fragte sie nach einigen ermunternden Worten und einem Appell an ihr Ehrgefühl ob sie umkehren oder gegen die Hülftenschanze marschieren wolle.

Es gelang Vischer tatsächlich das Milizbataillon zum Weitermarsch zu bewegen. Er war wohl mit seinen psychologischen Kenntnissen ganz zufrieden, ahnte aber kaum dass er damit die Grundlage für spätere Ungemach geschaffen hatte. Ein Kommandeur, der eben noch weinend vor Schmerz über die Schrecken des Krieges im Sattel hing, fragte nun die Truppe ob sie Lust hätte in den Kampf zu ziehen. Auch wenn die Frage positiv beantwortet wurde, kam bei der Truppe das Gefühl auf dass der weitere Ablauf des Feldzugs von ihrem Wohlwollen abhänge. Das sollte noch bittere Folgen zeitigen.


Pfarrer Rahn rettet in Pratteln einen Basler

Das Dorf war noch immer mit Löschen beschäftigt, als ein uniformierter Reiter auf der Hauptstrasse erschien. Es war der Trompeter von Major Franz Lukas Landerers Kavallerie. Wegen seines verwundeten Pferdes war er allgemein abhanden gekommen und suchte nun den Anschluss zur Truppe. Der Weg hatte ihn erst zum Roten Haus geführt, wo er Remigius Merian nach dem Standort der Basler Truppe fragte. Der Wirt verwies auf die Rauchschwaden über Pratteln, warnte den Reiter vor einem kühnen Alleingang. Merian fiel eines auf, nämlich dass der Basler Kavallerist offenbar halbwegs betrunken war.

Der Kavallerietrompeter entgegnete auf die Warnung dass er nur zu seinen Kameraden wolle und den Tod nicht fürchte, bloss die Gefangenschaft. Vielleicht waren die prahlerischen Worte eher für die Kellnerin Sara Liechtenhan gedacht. Sie kannte den Reiter von früher aus dem Waisenhaus und plauderte einige Worte mit ihm. Der Kavallerist ritt Pratteln zu und geriet mitten in Teufels Küche. Der Knecht des Wirtshauses Ochsen sah den Reiter und rief sofort: "Haut ihn runter. Er hat eine schwarze Kokarde - er ist ein Basler!" Die wütenden Leute rissen ihn aus dem Sattel; zerrten ihn unter Schlägen zu Boden.

Die Basler hatten im Dorf Blut vergossen und Häuser angezündet, dafür musste der Trompeter dran glauben. Er war drauf und dran totgeschlagen zu werden, als Pfarrer Jakob Rahn dazwischentrat. Er riss den Basler hoch und stiess ihn vor sich her durch die zornige Menge zum Pfarrhaus. Mit Gewehrkolben wurde noch unterwegs auf den Trompeter eingeschlagen. Schulmeister Martin versuchte den Pfarrer zu schützen, denn auch dieser bekam nun Hiebe ab. Jakob Rahn liess den Basler unauffällig aus dem Dorf bringen. Im Schutze der Nacht wurde der von einer Wache sicher nach Liestal gebracht.


Vorrücken auf die Hülftenschanze

Gegen 11.00 Uhr kam Bewegung in die Basler Truppen, die sich auf der Landstrasse beim Hohen Rain aufgestellt hatten um weiter vorzurücken. Oberstleutnant Burckhardt liess Major Wieland mitteilen, dass er mit der Artillerie rasch auffahren und wacker hineinschiessen solle wenn man bei der Hülftenschanze ankomme. Das übrige werde er mit seiner Standeskompanie erledigen. Oberst Benedikt Vischer riet den vorbeiziehenden Kanonieren sich brav zu halten, denn es gäbe bald Arbeit für sie. Die Hülftenschanze schützte schon im 18.Jh den Eingang des Ergolztales nach Liestal.


theodor kuendig
Schon beim Auszug der Basler am 21.August 1831 fielen an der Hülftenschanze Schüsse. Die Standeskompanie lieferte sich mit einigen Liestalern ein Scharmützel bis letzteren die Munition ausging und sie sich zurückzogen. Mittlerweile war die alte Schanze mit einem Wallgraben, mit Pallisaden und mit Schanzkörben verstärkt worden. Leicht würde es diesmal kaum werden. Burckhardt erwartete ein hartes Gefecht. Er schickte Hauptmann Theodor Kündig mit einer Abteilung zum Waldrand des Erli um das Unterholz zu säubern damit von dort keine Gefahr in die Flanke seiner Truppe drohte.

Theodor Kündig war ein erfahrener Soldat, er hatte früher in der Garde des französischen Königs gedient. Seiner Abteilung sollte sich eigentlich auch eine Jägerkompanie der Miliz anschliessen, aber diese verweigerte den Befehl und Kündig musste ohne sie losziehen. Nur einige entschlossenere Männer der Miliz folgten aus eigenem Antrieb der Standeskompanie. Teils durch das Unterholz und teils am Waldrand entlang gingen Kündigs Leute vor und deckten die Flanke von Burckhardts Hauptharst der mittlerweile die Hülftenschanze erreicht hatte und dort eine Überraschung erlebte.

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Die Verteidiger der Hülftenschanze

Der 32jährige Regierungsrat Johannes Meyer bildete mit etwa vierzig Mann die Besatzung der Hülftenschanze. In auffallend gelber Hose und einer blauen Weste war der Politiker aus Itingen vor bald zwei Stunden zur Schanze geeilt. Als in Pratteln geschossen wurde und Rauchsäulen aufstiegen fürchtete Meyer dass die Basler den Übergang über das Erli erkämpfen könnten, um so seine Schanze zu umgehen womit er mit seinen Leuten dann auf verlorenem Posten stünden. Es wäre das beste gewesen einen Läufer zu schicken, der in Erfahrung brachte was sich beim Erli abspielte um dies zu melden.

Stattdessen entschloss sich Meyer mit seiner Truppe die ihm anvertraute starke Hülftenschanze zu verlassen und zur rund siebenhundert Meter entfernten Schanze bei der Griengrube nahe Frenkendorf zu eilen. Ohne Schutz durch Infanterie liess er dabei auch die beiden um ca 09.00 Uhr aus Liestal angekommenen Kanonen einsam die der Schanze stehen. Die Situation präsentierte sich Karl Kloss der mit den 4pfündern angekommen war sehr wunderlich. Karl Gottlieb Kloss hatte 1802 im polnischen Wielun das Licht der Welt erblickt und war an der Militärschule Warschau zum Offizier ausgebildet worden.

Wie die Brüder Mieroslawski war auch er nach dem Novemberaufstand aus seiner Heimat geflohen und stand nun als führender Kopf der Polen auf Seiten der Baselbieter im Kampf gegen die Stadt. Kloss trug seine Uniform und war somit einer der wenigen uniformierten Kämpfer auf landschäftler Seite. Ohne Infanterie in der Schanze auf den Gegner zu warten war ein selbstmörderisches Unterfangen. Daher zogen sich die beiden Geschütze nach einer Weile zum Schillingsrain zurück. Als die Stänzler von Johannes Burckhardt auf die Hülftenschanze vorrückten war diese von allen Verteidigern verlassen.


Der Kampf beginnt

Als die Standeskompanie zur Hülftenschanze losmarschierte folgte ihr die Artillerie und die Infanterie der Miliz für eine kurze Strecke. Unerwartet eröffneten dann die beiden Baselbieter 4pfünder auf der Birchschanze jenseits der Ergolz das Feuer. Während die Standeskompanie weiter auf der Hülftenschanze vorging liess Major August Wieland die beiden Haubitzen und die vier 6pfünder abprotzen und das Feuer erwidern. Über die Ergolz hinweg lieferten sich die feindlichen Geschütze ein Artillerieduell. Oberst Vischer befahl die Infanterie der Miliz zu den Wannenreben ausser Schussweite.


blick ueber die ergolz

Blick vom Rande der Wannenreben bei Prattlen auf die Birch ob Füllinsdorf jenseits der Ergolz. An ihrem Westhang unterhalb des Waldes lag die Birchschanze von der aus zwei 4pfünder-Kanonen der Baselbieter die Basler Truppen bei den Wannenreben beschossen und sich mit deren Artillerie ein Duell lieferten.

Am Rand des waldigen, gegen Augst gerichteten Abhangs stellte sich das Bataillon der Miliz auf um abzuwarten. Diverse Soldaten schlichen sich davon um es sich irgendwo behaglich zu machen. Am Fuss des Abhanges richteten die Ärzte einen Verbandsplatz ein. Die Basler Artillerie musste unversehens die Stellung wechseln, denn von einem Vorsprung des Erli (dem Blötzen) wurde sie von Baselbieter Scharfschützen beschossen und hatte bereits mehrere Verwundete zu beklagen. Sie bezog eine besser geschütze Position um dem Kampf wieder aufzunehmen. In diesem Moment trafen die Basler Scharfschützen ein.

Vom Hohen Rain kommend erreichten die Männer von Major Christoph Ryhiner via Landstrasse den Ort. Wachtmeister Rudolf Hauser sah am Hang entlang viele Soldaten der Miliz die er zuerst für Verwundete hielt. Auf dem zweiten Blick erkannte er dass die dort nur herumlungerten. Weiter vorn entdeckte er durch Gebüsch getarnt die Artillerie wo auch Oberst Vischer zu sehen war. Rechts von der Strasse stand noch das Gros des Milizbataillons in Stellung. Major Ryhiners Schützen liessen sich ebenfalls am Abhang nieder um auszuruhen. Derweil erreichte die Standeskompanie die Hülftenschanze.


Zusammenfassung

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Nach dem Abzug der Basler Truppen versuchen in Pratteln die Dorfbewohner unter Leitung des Ortspfarrers die in Brand gesteckten Häuser zu löschen. Mehrere Bürger sind von den Truppen erschossen worden. Auf dem Sammelplatz Geispel ob Muttenz treffen die Verstärkungen aus dem Birseck ein. Ihr Kommandant Jakob von Blarer hält eine Ansprache angesichts der Rauchwolken die man bei Pratteln aufsteigen sieht. Er ordnet an keine Gefangenen zu machen. Die Birsecker ziehen weiter ins Dorf Muttenz hinunter. Vor Pratteln berät der Basler Oberkommandierende Benedikt Vischer mit seinen Truppenführern.

Die Basler beschliessen an der Hülftenschanze vorbei weiter auf Liestal zu marschieren. Die Hülftenschanze ist von Regierungsrat Meyer mit ca 40 Mann und zwei Kanonen besetzt. Die Standeskompanie rückt weiter auf die Hülftenschanze vor, gefolgt von der Miliz. Als die beiden Kanonen der Batterie auf der Birch ihr Feuer auf die Basler eröffnen, wird die Miliz zur sicheren Reservestellung in den Wannenreben befohlen. Die Standekompanie zieht nun alleine gegen den Feind. In der Hülftenschanze befürchtet Regierungsrat Meyer von den Baslern umgangen zu werden. Er befiehlt die Räumung der Schanze.


Beitrag erstellt 27.06.07 / Nachgeführt 05.08.08

Quellen:

primär genutzte

Ernst Zeugin, Aus früheren Zeiten - Bilder aus Prattelns Vergangenheit, publiziert in Prattler Heimatschriften Nr.6 1974, Max Muff Buchdruck und Offset Pratteln, 49 bis 53, 86, 119, 121 bis 125 und 136

Ernst Zeugin, Pratteln - Beiträge zur Kulturgeschichte eines Bauerndorfes, publiziert in Prattler Heimatschriften Nr.3 1954/1979, Max Muff Buchdruck und Offset Pratteln, Seiten 172 bis 173

Rudolf Hauser-Oser, "Der 3. August 1833 - Aufzeichnungen eines Augenzeugen", publiziert im Basler Jahrbuch 1884, 1884, Herausgegeben von Albert Burckhardt und Rudolf Wackernagel, Seite 150 bis 151

Fritz Vischer, "Erlebnisse von Remigius Merian zum Roten Haus am 3. August 1833", publiziert im Basler Jahrbuch 1905, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Seiten 163 bis 164

Gustav Steiner, "Bericht eines Therwilers über den 3. August 1833", publiziert im Basler Jahrbuch 1938, 1938, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Seiten 150 bis 151

August Bernoulli, Basel in den Dreissigerwirren, Band IV - Von der Anerkennung des Kantons Basel-Landschaft bis zur gänzlichen Trennung von 1833, 88. Neujahrsblatt der GGG, Verlag Helbing & Lichtenhahn, Seiten 44 bis 48 und 61

Eduard Schweizer, Der Sieg der Schweizerischen Regeneration im Jahr 1833, im 46. Band der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, 1947, Verlag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft Basel, Seiten 106, 125 bis 127

Martin Birmann, Der 3. August 1833, im Basler Jahrbuch 1888, 1888, Herausgegeben von Albert Burckhardt und Rudolf Wackernagel, Seiten 99 bis 102 und 106


sekundär genutzte

Karl Weber, Die Revolution im Kanton Basel 1830-1833, 1907, Verlag Gebrüder Lüdin Liestal, Seiten 179 und 214

Ernst Zeugin, Aus der Schulgeschichte der Gemeinde Pratteln, publiziert in Prattler Heimatschriften Nr.5 1973, Max Muff Buchdruck und Offset Pratteln, Seite 24 (zu Schulmeister Johann Martin)

Div.Autoren, Personenlexikon des Kantons Basel-Landschaft, 1997, ISBN 3-85673-251-9, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Seiten 94 und 111 (zu Karl Kloss und Johannes Meyer)

Karl Gauss, Hans Schäfer, Fritz LaRoche, Basilea Reformata 2002, 2002, Herausgegeben von der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Basel-Landschaft, ISBN 3-9522134-0-4, Seite 267 (zu Pfarrer Jakob Rahn)

Hanspeter Hammel, Der beredte Baselbieter, Literarische Schriftenreihe Baselland Band XIII, 1.Auflage 1982, Kommissionsverlag Lüdin AG Liestal, Seite 26 (zu Bezirksschreiber Johannes Martin)

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