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Hans Bär - Basler Bannerträger bei Marignano


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Wer sich den Rathausturm einmal angesehen hat, ist dem Mann schon begegnet. Basel ist keine Stadt die das Martialische liebt, aber in einem Fall hat es für ein ziemlich grosses Denkmal gereicht. Der Maler Wilhelm Balmer verewigte auf der Südwand des Rathausturms 1901 den Basler Bannerträger Hans Bär, der auf dem Schlachtfeld von Marigano im September 1515 das ihm anvertraute Banner gerettet haben soll, bevor er seinen Wunden erlag.
Dieser Mann aus den Tagen da Basel als jüngstes Glied der Eidgenossenschaft deren Kriege mitfechten durfte, war als Sohn des Krämers Johannes Bär dem Älteren geboren worden. Der Vater war seinem Gewerbe entsprechend zünftig zu Safran, wo er es 1485 bis zum Zunftmeister brachte. Andererseits war er auch Zunftbruder in der E.E.Zunft zum Schlüssel. In beide Zünfte sollte später auch sein Sohn Johannes (Hans) Bär der Jüngere aufgenommen werden.


Das Basler Rathaus am Marktplatz, wo auf der Südwand des Turmes der Kunstmaler Wilhelm Balmer die Darstellung von Hans Bär (hervorgehoben) malte.

Seinem Vater gehörte das Haus "zum Kardinal". 1487 erwarb er das Nachbarhaus "zum Venix" und vereinigte in einem Umbau die Häuser zu einer einzigen Liegenschaft (Freie Strasse 36). Als Hans Bär senior 1502 starb, wurde sein Sohn Hans einer der Hauserben. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara Brunner erwarb indes Hans Bär der Jüngere im Jahr 1507 für 700 Gulden von den Erben Hans Jungermanns das Haus "zum goldenen Falken" (Freie Strasse 9).
Dreierorten zünftig

Anders als sein Vater war Hans Bär nicht Krämer geworden sondern Tuchhändler. Als "Tuchman" war er naturgemäss zünftig zum Schlüssel. Dass er als Sohn des verblichenen Zunftmeisters auch zu Safran zünftig war wurde bereits angedeutet. 1513 wurde er zusätzlich zünftig zu Hausgenossen. In der Schlüsselzunft liess Hans Bär sich 1508 etwas zu schulden kommen. Man erlegte ihm eine Busse auf weil er sich quasi danebenbenommen hatte.
Gegen die Zunftordnung hatte Hans Bär sich dem Spiel hingegeben, während andere noch am Abendessen waren. Dergleichen betragen verlangte seinerzeit nach einer Strafe. Frommes hatte er aber auch getan. Um 1504 stiftete er gemeinsam mit seinem Bruder Hieronymus zwei Fenster in der Gästekammer der Kartause in Kleinbasel. Bär brachte es als Tuchhändler zu Wohlstand, wurde Seckelmeister der Zunft, Ratsherr und hatte mit seiner Frau Barbara sechs Kinder.
Seine Schwester Magdalena Bär ehelichte mit Jakob Meyer zum Hasen einen einflussreichen Mann der von 1516 bis 1521 das Amt des Basler Bürgermeisters bekleidete. Allerdings sollte Magdalena diesen Aufstieg ihres Gatten nicht mehr erleben denn sie starb 1511. Ihre Grabplatte ist zu St.Martin bezeugt. 1526/28 verewigte sie Hans Holbein der Jüngere sie auf dem heute als Darmstädter Madonna bekannten Gruppenbild im Auftrag Meyers.
Auftraggeber des jungen Holbein

Hans Bär gehörte übrigens zu den ersten in Basel die das Talent des jungen Holbein erkannten. Im Sommer 1515 gab er bei dem 17jährigen Künstler einen Tisch in auftrag. Die Tischplatte zeigte eine Darstellung des Niemand, der alles Böse anstellt, und war reich ausgeschmückt mit Szenen aus Jagd, Turnier und anderem. Als Zunftherr war Bär auch zum Kriegsdienst verpflichtet. Die Eidgenossenschaft war ab 1511 an den Mailänderkriegen beteiligt.


Detail von Wilhelm Balmers Fresko auf dem Rathausturm (links) und das Familienwappen der Bär nach einer Darstellung in der Chronik Christian Wurstisens.

In der Heiligen Liga fochten die Eidgenossen gegen die Feinde von Papst Julius II. so etwa in der Schlacht von Novara am 6.Juni 1513. An diesem Feldzug war auch ein Kontingent von Basel beteiligt, welches dabei erstmals einen Schreiber und einen Fourier verzeichnet. Der "Furierer" war niemand geringerer als Hans Bär, zuständig für Quartier und Verpflegung der Basler im Feld. Basel beteiligte sich auch mit einem Kontingent am Auszug 1515.
Bei Marignano traf schliesslich ein Heer von rund 20'000 Eidgenossen am 13.September 1515 auf eine Übermacht im Dienste des französischen Königs und Venedigs. Unter den Eidgenossen war das Basler Kontingent, welches den Hauptleuten Henman Offenburg und Heinrich Meltinger geführt wurde. Die Fahne von Basel war Hans Bär als "Pannerherrn" anvertraut; ein gleichermassen gefährliches wie ehrenvolles Amt, welches für Status und Ansehen von Bär spricht.
Tod in der Schlacht bei Marignano

Sehr wahrscheinlich trug Hans Bär das Banner welches Papst Julius II. 1512 mit einem goldenen Baslerstab versehen liess. Den Pannerherrn umgab eine Pannerwache die sich aus erlesenen und bewährten Männern zusammensetzte, und die wie der Bannerträger selbst das Banner mit ihrem Leben zu verteidigen hatten. Man erwartete vom Pannerherrn und von der Wache dass sie eher sterben als die ihnen anvertraute Standesfahne preiszugeben.
Die zweitägige Schlacht bei Marignano endete am 14.September mit dem Rückzug des eidgenössischen Heers vom Schlachtfeld gegen elf Uhr morgens. Die Verluste gingen in die Tausende. Unter jenen die aus dem Schlachtfeld blieben war auch Hans Bär. Der italienische Historiker Paulus Iovius habe im 16.Jh festgehalten dass Bär in grosse Bedrängnis geraten sei und die Fahne von der Stange gerissen habe um sie bis zum Tod zu verteidigen.
Christian Wursteisen schreibt 1580 in seiner Basler Chronik, dass Zeugen die in der Schlacht gewesen waren eine andere Version vom Tod Hans Bärs erzählten. Dergemäss habe ein Projektil eines schweren Geschützes Bär beide Schenkel zerrissen, so dass er nicht länger stehen konnte um das Feldzeichen aufrecht zu halten. Im Angesicht des nahenden Todes soll der zu Boden gesunkene Hans Bär das Banner an den dabeistehenden Basler Georg Werlin übergeben haben.
Nachleben

Weitere Überlieferungen sprechen davon das Bär das Fahnentuch von der Stange gerissen habe, und dass Werlin das Banner unter seinem Rock verbarg und es nach Basel brachte. Das Ausgabenbuch der E.E. Zunft zum Schlüssel verzeichnet die Zahlung von drei Pfund zur Feier der Jahrzeit zu Ehren des gefallenen Hans Bär. Die Jahrzeitfeiern fanden statt im Münster, zu St.Martin und bei den Barfüssern. Für das Seelenheil des Toten war gesorgt.
Als Wilhelm Balmer 1901 Bär auf den Rathausturm malte, hatte er nicht wirklich den Tuchhändler der Renaissance vor Augen. Vorskizzen belegen dass der Architekt Eduard Vischer das Vorbild war. Der Gründer des Büros Vischer und Fueter leitete damals den Umbau des Rathauses. So schaut Hans Bär bis heute mit Vischers Gesicht die Freie Strasse hinauf, eine Gehminute von Bärs Haus zum Goldenen Falken und zwei von der Schlüsselzunft entfernt.



Querverweis zum Thema:

>> Bürgermeister Jakob Meyer zum Hasen (Schwager von Hans Bär)

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Beitrag erstellt 18.02.08 / Nachgeführt 16.04.08

Quellen:

primär genutzte

Paul Koelner, Die Zunft zum Schlüssel in Basel, 1953, Benno Schwabe & Co, Seiten 252, 283, 256 und 287

Casimir Hermann Baer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 3, 1941, Birkhäuser Verlag, Seite 501

François Maurer, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 4, 1961, Birkhäuser Verlag, Seite 359

Christian Wurstisen, Bassler Chronick, 1580, Sebastian Henricpetri, Jahr 1515

Fritz Meier, Basler Heimatgeschichte, 5.Auflage 1974, Lehrmittelverlag des Kantons Basel-Stadt, Seite 207

sekundär genutzte

Anne Nagel/Martin Möhle/Brigitte Meles, Kunstdenkmäler des Kantons Basel Stadt, Band 7, Altstadt Grossbasel, 2006, Herausgegeben von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, ISBN 10: 3-906131-84-X, ISBN 13: 978-3-906131-84-9, Seiten 408 und 452

Gustav Adolf Wanner, Hundert Jahre Vischer Architekten 1870-1970, 1970, Herausgegeben von Vischer Architekten SIA BSA, Seiten 13 und 23

Gustav Adolf Wanner, Zunftkraft und Zunftstolz, 1976, Birkhäuser Verlag, ISBN 3-7643-0856-7, Seite 57

Diverse Autoren, Das Basler Rathaus, 1983, Herausgegeben von der Staatskanzlei Basel-Stadt, Kommissionsverlag Friedrich Reinhard Verlag, ISBN 3 7245 05213, Seite 73

Hans Reinhardt, Die Malerfamilie Holbein in Basel, Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum 4.Juni bis 25.September 1960, Seite 25

Basler Portraits aller Jahrhunderte, 3.Band, Herausgegeben von W.R.Stahelin, 1921, Verlag Frobenius AG Basel, Beitrag 3

E.A.Gessler, Basler Wehr- und Waffenwesen im 16.Jh, 116. Neujahrsblatt der GGG, 1938, Helbing und Lichtenhahn, Seiten 18 bis 22

Hans Rudolf Kurz, Schweizerschlachten, zweite bearbeitete und erweiterte Auflage 1977, ISBN 3-7720-1369-4, Seiten 216 bis 238
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